Die erste CD von Carla Bruni war mit 37 Minuten Laufzeit schon sparsam bespielt, bei der zweiten reicht es nur mehr für 34 Minuten. Dafür gleich mal ein Punkt Abzug. Sicher ist die Qualität bei Musik- CDs maßgebend, aber ein bisschen Quantität will ich für mein Geld auch haben. Selbst die Großen des Musikgeschäftes wie die Stones oder Knopfler, Clapton usw. füllen ihre Silberlinge mit über einer Stunde Musik, da dürfte die Newcomerin Bruni auch etwas großzügiger sein.
Aber nun zum Inhalt: Carla Bruni hat eine sehr angenehme, wenngleich nicht unbedingt kräftige Stimme. Zu ihren ruhigen Songs - ich würde ja gerne Chansons schreiben - passt ihre leicht rauchige, oft nur gehauchte Stimme. Aber: welcher Teufel hat das Mädel geritten (bzw. welcher im Globalisierungswahn verblödete Musikmanager redete es ihr ein?) für ihre zweite CD vom Französischen ins Englische zu wechseln? Leider verlieren die Lieder dadurch sehr viel an Charme. Zugute halten muß man ihr, eine schöne Auswahl englischsprachiger Poesie, u.a. von Dickinson und Yeats, getroffen zu haben.
Musikalisch weist die CD leider nicht mehr den Melodienreichtum der ersten Scheibe von Carla Bruni auf. Schade, da ist sie eindeutig unter ihren Möglichkeiten geblieben. Mir kommt es so vor, als wollte man im Fahrwasser des Erstlings an dessen Erfolg anzuknüpfen, und wartete deshalb nicht ab, bis das neue Material gereift war.
Um nicht falsch verstanden zu werden: "No Promises" ist eine schöne Platte, Musik zum träumen. Auch handwerklich ist alles perfekt. Vielleicht zu sehr, schon fast ins sterile gehend. Wem Brunis erste CD gefiel, wer gefühlvolle Lieder mit poetischen Texten mag, dem wird aber auch diese CD gefallen. Demjenigen, der von Carla Bruni nichts kennt, lege ich bevorzugt den Erstling "Quelqu`un M`a Dit" ans Herz.