Iron Maiden in den 90ern ist ein ganz eigenes Kapitel in der Geschichte der Band. Angefangen bei "No Prayer for the Dying" welches das erste Album ohne Klassikerpotenzial darstellte, gefolgt von der eigentlich recht geilen "Fear of the Dark" bis hin zu den Tiefpunkten mit Blaze Bayley. Insgesamt waren die 90er kein gutes Jahrzehnt für den traditionellen Heavy Metal. Die meisten Metalbands waren ausgebrannt und brachten nicht mehr viel zustande, während andere einen Stilwechsel suchten (manche erfolgreich, manche erfolglos). Da finde ich erwähnenswert, dass sich Iron Maiden noch recht wacker in diesem Jahrzehnt schlug. Das Niveau der alten Alben erreichten sie zwar nicht mehr brachten aber immerhin zwei Alben raus die man immer noch als gut bezeichnen kann. Das gilt zum Beispiel hier bei "No Prayer for the Dying". Wenn man das Album mit älterem Material vergleicht ist natürlich ein Qualitätsabfall zu spüren, allerdings kann es diese Platte noch locker mit anderen großen Alben des Heavy Metal aufnehmen. Und das zeigt das Maiden in ihrer eigenen Liga spielen. Auf dieser Platte finden sich zum ersten mal in der Bandhistorie ein paar richtig schwache Stücke (da braucht man auch keine rosa-Fan-Brille für) und nur wenige die wirklich ganz besonders hervorragen. Für 4 Sterne dürfte es trotzdem reichen.
Steve Harris wollte nach den beiden vorherigen Alben wieder ein paar Schritte zurück zu den Wurzeln gehen. Das Songwriting fiel dementsprechend rockiger aus und die Synths und Keyboards fehlen hier größtenteils. Zudem fällt auf, dass Bruce fast durchgehend ziemlich rau und kratzig singt. Für den einen Gesangsfanatiker, welcher immer von dem klassischen Gesang Bruce's beeindruckt war sicherlich nicht so toll. Ich finde es aber ganz gut (obwohl er qualitativ Di'Anno nicht übertrumpfen kann) und der Gesang dürfte eh nicht das Hauptproblem darstellen. Vielmehr das weniger einfallsreiche Songwriting, auch wenn das jetzt nicht so schlecht ist, allerdings fehlen wie gesagt größtenteils die Hits. Erwähnenswert ist noch die grottige Produktion. Da ist kein Druck hinter. Für die Anfangneunziger sehr schlecht. Dennoch denke ich das "No Prayer for the Dying" generell etwas unterbewertet ist. Auf jeden Fall ist es kein schlechtes Album.
Tailgunner: Nettes rockiges Stück, dem es ein wenig an Abwechslung fehlt. (3/5)
Holy Smoke: Ordentliche Singleauskopplung, wieder sehr rockig. (3/5)
No Prayer for the Dying: Eine der wenigen großen Höhepunkte auf diesem Album. Leise Parts wechseln sich gut mit den lauten, schnellen Teilen ab. (5/5)
Public Enema Number One: Weiteres sehr starkes Stück. Endlich mal ein richtiger Metalbrecher. Hier stimmts auch mit dem Gesang, der im Refrain melodischer ist. (5/5)
Fates Warning: Bei diesem harten Stück kommt der Gesang von Bruce sogar noch besser zur Geltung. Sehr Abwechslungsreich gestaltet und hat Orhwurmfaktor. Sehr gut! (5/5)
The Assasin: Kein guter Song. Blöder Refrain. Kein überzeugendes Songmaterial bis auf den recht guten Mittelteil. Ansonsten schlecht. (2/5)
Run Silent Run Deep: Gutes progressives Lied mit gutem Mittelteil. (4/5)
Hooks in You: Die ziemlich gute Weiterführung der "Charlotte the Harlot"-Geschichte. Überzeugt durch ein eingängiges Riff und Refrain. (4/5)
Bring Your Daughter... To the Slaughter...: Nicht umsonst der erste Nummer 1 Hit der Band. Ein absolut geiler Song mit Atmosphäre! (5/5)
Mother Russia: Eigentlich ein klasse Song, aber die übertrieben lauten Keyboards machen einiges kaputt. (4/5)
Mit Sicherheit die schwächste Platte von Iron Maiden mit Bruce Dickinson, allerdings ist das meckern auf recht hohem Niveau da sich doch ein paar sehr starke Stücke auf dem Album befinden.
Klar, 5 Sterne wären ein Witz, aber alles andere außer 4 Sterne wäre für dieses Album zu wenig.