(basierend auf der US-Version)
Etwas vorweg: Ob die EU- und JAP-Fassungen inhaltlich gleich mit der US-Version sind lasse ich mal offen. Fest steht, es wurde angekündigt dass nur die US-Fassung wieder Blut enthalten soll, dann wurde posaunt man würde alles UNCUT lassen. Ob am Ende also wieder so ein Kuddelmuddel wie bei Teil 1 entsteht, wo sowohl in der US als auch der EU/JAP dann Szenen keinen Sinn mehr ergeben (Arm ab - Arm wieder dran, etc. was jetzt im zweiten Teil aber irgendwie erklärt wird), muss man sehen. Ansonsten möchte ich noch vermerken dass der Text Spoiler beinhalten könnte. Jetzt aber ab zum Review.
Suda 51 sollte mittlerweile so bekannt sein wie diverse Urgesteine der Videospielgeschichte, obwohl man sich darüber streiten kann in wie weit es gerechtfertigt ist. Klar, er riskiert immer viel mit seinen Spielen, denn der Stil und die immer wiederkehrende Killer-Handlungen gefallen nicht jedem. Dennoch kommt man nicht drumherum seinen Spielen eine gewisse Einzigartigkeit zu attestieren. Killer 7, Flower Sun and Rain, Michigan: Report from Hell und nicht zuletzt NoMoreHeroes. Letzterer Titel gehört zu den wenigen seiner Titel, welcher nun auch eine Fortsetzung bekommen hat (ist sogar das einzige Spiel, wenn ich mich nicht irre).
Über die Story will ich nicht so arg viel sagen, denn man sollte sie einfach selbst erleben. So viel sei aber zum Aufhänger verraten: Zu Beginn wird man einer etwas bekannten Szene beiwohnen, lediglich einer der Protagonisten davon scheint irgendwie neu. Nachdem dieser beseitigt wurde, quasi als Tutorial, befindet man sich plötzlich wieder in den Rangkämpfen der United Assassins Association. Eine uns bekannte Dame sagt uns lediglich dass die Vorgeschichte keinen interessiert und Gamer es ohnehin überspringen würden, also muss man den doch recht direkten Einstieg in das Spiel so hinnehmen. Travis Touchdown, unser Held, ist natürlich nicht begeistert und hat erstmal nicht zwingend Interesse an neuen Rangkämpfen. Das ändert sich jedoch, als Travis den Kopf seines besten und wohl einzigen Freundes, Bishop, "zugesendet" bekommt.
Konfus? Ja. Man darf also wieder gespannt sein wie sich alles entwickelt und wer Sudas Spiele kennt weiß dass nichts so ist wie es scheint. Lange Rede, kaum ein Sinn... Die ersten Unterschiede zum Vorgänger merkt man gleich am Anfang. Grafisch hat sich einiges getan, auch die Steuerung wurde überarbeitet und es gibt jetzt 50 Killer. Wobei man hier vorsichtig sein sollte, denn in einigen Kämpfen mischen mehrere Personen mit, weshalb man von Rang 50 plötzlich auf 25 aufsteigt. Dazu aber später mehr.
Die Grafik wurde deutlich aufgemotzt, so gibt es zum Beispiel jetzt mehr Dymanmik. Haare sind nicht mehr statisch und fest, Travis Jacke, seine Gürtel, ja sogar Brüste und Pobacken von weiblichen Charakteren wackeln munter herum, aber auch Fettpölsterchen des etwas klischeebehafteten homosexuellen Sportrtainers. Selbst in Leveln oder in Travis Zimmerchen fallen Gegenstände um wenn man sie anrempelt oder mit dem Laserschwert bearbeitet. Somit kommt doch etwas mehr Leben in die fiktive Stadt Santa Destroy. Dazu tragen auch die unterschiedlichen Level bei, die nicht mehr ganz so austauschbar wirken, sondern deutlich verschiedener aussehen. Eine Uni, ein Resort, ein verwunschener Wald mit Geisterhaus, ein ganzer Wohnkomplex usw.
Ansonsten ist zu erwähnen dass der Titel neben einem dezenten Bloom-Effekt auch wunderschöne Lichteffekte spendiert bekommen hat - natürlich passend zu dem doch recht eigenwilligen Shading des Spiels - wie auch einen richtigen 16:9 Modus. Im ersten Teil waren noch etwas unschöne Balken an den Bildkanten zu erkennen, hier wurde dies getilgt. Im Abspann gibt es dann aber bei der Kamerafahrt durch Santa Destroy schon mal aufpoppende Bäume und Häuser zu sehen - ansonsten bleibt man davon aber verschont.
Musikalisch gibt es auch mehr Abwechslung. Alte Themen sind vorhanden, aber nicht mehr ganz so gleich abgemischt. Auch gibt es sehr viele Passagen ohne Musik, in denen dann nur die Sounds der Natur zu hören sind. Dazu gesellt sich eine durchaus gute Sprachausgabe, weshalb man sich in der Soundschublade ruhig mal was von No More Heroes abschneiden könnte. Wobei ich erwähnen muss dass die werte Sylvia offenbar eine andere Stimme bekommen hat, aber ich mag mich hier irren.
Leider kommt das doch recht große PRO der Optik wohl zu einem etwas hohen Preis für manchen Zocker. Die Oberwelt ist nicht länger frei begehbar, sondern besuchbare Orte können lediglich via Menü ausgewählt werden. Zwar bekommt man eine durchaus nette Kamerafahrt, oder besser einen Zoom in die digitale Karte, des deutlich größere Santa Destroy spendiert, aber damit hat man schon bei einigen RPGs Spieler verärgert. Ich persönlich finde es eher schlimm dass die Level drastisch gekürzt wurden. Manch ein Level hat wirklich nur einen Raum, dann steht schon der Bossfight vor der Tür.
Nun gut, es gibt augenscheinlich 50 Kämpfe, aber dem ist auch nicht so. Ein neues Element der Serie lässt nämlich zum Beispiel gleich gegen 25 Personen gleichzeitig kämpfen. Die Rede ist von den neuen Mecha-Kämpfen, bei denen sowohl Bossgegner als auch Travis sich ganz Powerranger-artig in einen gigantischen Mecha beamen und dann fast schon im Streetfighter-Stil von links nach rechts kämpfen. Das Element weiß zu überzeugen, auch wenn es ordentlich Einarbeitung benötigt, dennoch ist es irgendwie schade so gleich mehrere Ränge zu überspringen. Leider darf man selbst auch nur einmal relativ früh einen Mecha steuern. Im Verlauf aber zweimal gegen einen Roboter-Feind kämpfen, der mehrere Ränge besitzt. Entschädigung schaffen zwar die wirklich genialen anderen Bossfights, denn die Figuren sind herrlich absurd, überzogen und damit schon unheimlich sympathisch, doch ich für meinen Teil fühle mich da etwas "betrogen" um die wirklichen 50 Bosskämpfe. Im Endeffekt bleiben nämlich gerade mal an die 15 Endgegner und das ist schon sehr drastisch gekürzt, wo man doch bei Rang 50 beginnt. Hier sei auch anzumerken dass die durchaus guten Feinde irgendwie eine Gleichgültigkeit mit sich ziehen, was im ersten Teil nicht der Fall war. Dies ist wohl dem neuen Aufbau der einzelnen Level zuzuschreiben, denn man muss kein Geld mehr bezahlen um diese zu betreten. Heißt also: Man kann die Level ohne großes Tamtam betreten und wie am Fließband die Bossfights bestreiten. Hier geht sehr viel Persönlichkeit verloren wie ich finde.
Wie auch schon erwähnt wurde die Steuerung ja dezent überarbeitet. Manch ein Punkt erscheint mir gut, manch einer schlecht. Travis kann zum Beispiel mehrere Schwerter mit sich tragen, welche über den "2"-Button gewechselt werden können - und zwar zu jeder Zeit. Travis kann jetzt auch während dem Laufen durch einen Schwung der Wiimote einen Hieb ausführen und durch drücken und gedrückthalten des A-Knopf seine Waffe aufladen, was auch in einem starken Hieb resultiert. Der Rest gestaltet sich relativ gleich, so wird nur via A-Knopf zugeschlagen und das Halten der Wiimote bestimmt lediglich ob man oben oder unten zuschlägt. Was jedoch etwas ungeschickt gelöst wurde ist in meinen Augen das Aufladen der Waffen. Vom Prinzip her gestaltet es sich wie im ersten Teil, also Knopf drücken und eine "Luftmasturbation" hinlegen (Vergleich: Luftgitarre, nur eben eine andere, eindeutige Bewegung), scheint jedoch etwas hakeliger zu sein und reagiert nicht ganz so gut, wenn man auf den digitalisierten Höhepunkt hinarbeiten will. SO kommt es mir zumindest vor, denn gerne schaltet es mal plötzlich wieder um in die "nicht aufladen Position". Richtig schlimm wird es bei gewissen anderen, spielbaren Figuren, die zum Beispiel springen können. Jump'n'Run-Passagen bei denen Knöpfe in der Luft aktiviert werden funktionieren sehr schwer - die Kamera macht diesen Szenen zudem nicht gerade ein Kompliment.
Die Slotmachine und damit verbundenen Special-Modi sind auch wieder dabei, jedoch auch mit einem dezenten Unterschied. So kann Travis sich jetzt in den durchaus schon bekannten Tiger verwandeln und seine animalische Seite zeigen, besonders schnell angreifen oder Laserbälle mit dem Schwert abfeuern - leider alles ohne die Grafikfilter aus dem ersten Teil. Dafür gibt es eine neue "Extasy-Leiste" (ein eingeblendeter 8-Bit Tiger), mit der ein Matrix Effekt und schnelle Angriffe ausgelöst werden können, sofern diese Anzeige natürlich gefüllt wurde. Quasi ein Boni der Slotmachine welches auf Knopfdruck ausgelöst werden kann.
Für Feinde der Wiimote wurde auch gesorgt, denn der Titel kann via Classiccontroller gespielt werden. Wie dann aber die Wrestling-Einlagen, die ja über Bewegungssteuerung mit MW und Nunchuk ausgeführt werden, funktionieren sollen kann ich nicht sagen.
Abgesehen von den erwähnten kleinen Stolpersteinchen bekommt man das geliefert was man erwartet. Jede Menge überdrehte Action, etwas zu viel Blut und Eiter (mir ist es in diesem Teil zu viel, auch wenn einige Szenen dennoch gut Inszeniert sind, wie die erste Gore-Einlage zu Beginn) und natürlich deutlich mehr Anime- und 8-Bit-Liebe. Und gerade bei letzterem wurde sehr viel investiert was im Gegensatz zu mehr Blut und Sex wirklich löblich ist.
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