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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brilliante Kritik an Markenwahn und Globalisierung, 11. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: No Logo! (Taschenbuch)
Es ist beeindruckend zu sehen (oder besser zu lesen) über welch hervorragenden Marketing-Kenntnisse Naomi Klein verfügt. Vor allem mit dem Phänomen „Marke" hat sie sich ganz offensichtlich sehr ausführlich und tiefgehend auseinandergesetzt. Und das ohne auf die etablierte Marketing-Literatur zum Thema zurückzugreifen, sieht man einmal von David A. Aakers Standardwerk "Building Strong Brands" ab. Einerseits nicht verwunderlich, da die gesamte Argumentation des Buches auf dieser Grundlage aufbaut, andererseits aber sehr respektabel, da sie die Wirkungsweise des Marketing und die dahinter stehenden Philosophien besser identifiziert und durchschaut als dies in manchem Marketing-Lehrbuch und bei dem einen oder anderen (Fach)Hochschul-Lehrer in Deutschland der Fall ist. Das Prinzip „Marken keine Produkte" wird von letzteren mitunter noch heute nicht verstanden. Die "Times" sprach in diesem Zusammenhang von einem "faszinierenden Ritt durch die Geschichte des Marketing". Dieser erfolgt in den ersten Kapiteln gewissermaßen als Grundlegung für die im weiteren Verlauf des Buches formulierte Kritik an den Auswüchsen der "Globalisierung". Insofern ist dieses Buch auch für Marketing- und Marken-Befürworter und -kenner absolut lesenswert. Gleichwohl ist die Absicht des Buches eine völlig andere. Eine der Kernthesen von Klein lautet, dass sich die Welt der Wirtschaft willenlos ausgeliefert hat. Auch die Politik sei vielfach nur noch ein verlängerter Arm der Global Player. Klein benutzt die überragende Bekanntheit weltweit führender Markenartikler wie Nike, Starbucks, Virgin, Gap, Wal-Mart und Tommy Hilfiger dazu, um damit verbundene Probleme wie bspw. "Sweatshops" in Dritte Welt-Ländern auf die politische Agenda zu setzen. Derartige Niedriglohn-Produktionstätten in Asien, in denen Arbeiter für 37 Pfennig Stundenlohn 11 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Nike-Schuhe zusammenkleben, die anschließend für 150 Euro verkauft werden, sind eine Ausgeburt der schönen neuen Markenwelt wie sie Klein kritisiert. Markenvernichtung ist dagegen nicht - wie man möglicherweise vermuten könnte - das Ziel der Autorin. Jedoch verurteilt sie das immer weitere Vordringen der Lifestyle-Marken in den öffentlichen Raum, wie Schulen und Universitäten, Innenstädten usw. Die Kulturelle Szene wird bekanntlicherweise schon seit längerem durch die sogenannten "Superbrands" okkupiert. "No Logo" ist eine brillante Mischung aus Journalismus, Marketing-Lehrbuch, Theorie, Sachbuch, moralischer Empörung und subjektiven, autobiografischen Einsprengseln. Statt zu moralisieren und zu agitieren, lässt Klein jedoch die Fakten für sich sprechen. Globalisierung, Marketing und Werbung sind per se sicherlich nicht schlecht. Die damit verbundenen Auswüchse sind es mitunter allerdings schon, weswegen eine moralische Überprüfung wie Klein sie praktiziert mehr als Not tut. Eine gewisse Bereitschaft sich mit "linken Thesen" auseinanderzusetzen ist eine Grundvoraussetzung zur Lektüre des Buches. Für intelligente und aufgeschlossene Menschen sollte dies allerdings kein Problem sein. Also: unbedingt lesen!
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Rundumschlag gegen Konzerne und Globalisierung, 20. Januar 2007
Die Ansammlung von Billionen an Kapital, der Verkauf von Image statt Produkten, sklavenartige Produktionsbedingungen in der Dritten Welt, Marketing, PR und Lobbys, die in alle Bereiche der Gesellschaft vordringen - und traumhafte Steuervorteile. Die steigende Macht der Konzerne geht einher mit der Entmachtung der Bürger, beim freien Kapital- und Güterverkehr werden weltweit alle Nationen gegeneinander ausgespielt. Die systematische Privatisierung von öffentlichem Eigentum und hoheitlichen Prozessen ist eine Entwicklung, so kritisiert die Aktivistin Naomi Klein, die das vielfältige gesellschaftliche und politische Leben reduziert und allein auf den Profit ausrichtet. Traf sich früher alles auf dem öffentlichen Dorfplatz und diskutierte, so geht man heute in das private Einkaufszentrum und konsumiert. Einige Beispiele wie die Recherche in Arbeitsenklaven auf den Philippinen oder der Coca-Cola-Tag an US-Schulen, bei dem unangepasste Schüler mit Pepsi-T-Shirt verwiesen wurden, zeigen die absurdesten Auswüchse dieser Entwicklung. Für Einsteiger in die Globalisierungskritik ist es ein schönes Buch mit vielen Beispielen, allerdings sind die Themen weitgehend bekannt und das Ganze sehr breit ausgeführt. Die halbe Seitenzahl hätte es auch getan. Der Fortgeschrittene wird es kaum bis in den hinteren Teil schaffen, und der Einsteiger noch nicht so weit sein, wenn die erfahrene Aktivistin die Aktionen und Proteststrategien vorstellt, die in der Vergangenheit am erfolgreichsten waren. Plötzlich ist von der "Befreiung der Straßen", von Produktboykott und internationalen Antiglobalisierungsforen die Rede. Obwohl wir ja offiziell in einer Demokratie leben, sind große, konzertierte Aktionen à la Greenpeace notwendig, wenn die Bürger ihre Wünsche gegen die Macht der Konzerne durchsetzen wollen. Ich denke, eine Aufteilung in zwei Bücher für zwei verschiedene Zielgruppen wäre besser gewesen. Kritikpunkt 2: Das Datenmaterial ist von 1995-1999. Die Entwicklung, u.a. die Kapitalakkumulation, der Arbeitsplatzabbau sowie die Steuerbefreiung von Konzernen, hat sich inzwischen noch deutlich verschärft.
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43 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr Wissen - mehr Freiheit?, 9. August 2001
Von Ein Kunde
"Kinderarbeit, Hungerlöhne und miserable Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt? Massenentlassungen in den Industriestaaten? Ja klar, davon hab' ich doch schon einiges gelesen und gesehen. Das haben wir doch alle, oder? Wieso soll ich denn jetzt noch ein Buch darüber lesen?" So, oder jedenfalls so ähnlich, war mein erster Gedanke, nachdem ich das Cover gelesen hatte. Aber glauben Sie mir: Es gibt noch mehr zu wissen und vor allen Dingen ist dies auch sehr gut darzustellen. No Logo ist eine Recherche, die nicht mitten im Buch einmal eintönig wird, was bei diesem Thema aber eigentlich auch gar nicht passieren dürfte, obwohl alle Konzerne anscheinend das Gleiche machen. Stattdessen bekommt der Leser einiges über die Chefetagen der Konzerne und deren Politik zu hören, die sicherlich, wie es auf dem Cover steht, zu den wenigen Gewinnern gehören, aber besonders erweitert sich das Wissen über die Verlierer, egal ob sie schier unendlich weit entfernt wohnen - oder besser: vegetieren - oder direkt bei uns allen in der Nachbarschaft. Denn jeder, der sich nicht bewusst darüber ist, wie auf ihn überall Einfluss genommen wird, gehört sicherlich dazu. Daher leistet Naomi Klein mit diesem Buch grandiose Aufklärungsarbeit zu Themen, die jeden betreffen und somit auch für alle interessant sein müssten, für mich als Schüler genauso - oder sogar in besonderem Maße - wie für Menschen, die aus dem Erwerbsleben gehen, egal ob freiwillig oder ob sie "gegangen werden", wie man in No Logo erfahren kann. Ja, vielleicht ist es auch interessant für die darin beschriebenen Manager, die zwar sowieso wissen, was sie lesen werden, aber ein anderer Blickwinkel kann ja nicht schaden. Bleibt nur noch zu sagen, dass ich Ihnen leider gar keinen Spaß beim Lesen wünschen kann, weil der Inhalt sicherlich nicht zu Jubelschreien führen wird. Aber Spaß zu haben, das sollte definitiv nicht der Grund sein, sich diesem Buch zu widmen.
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