Seit dem Auftauchen der Band scheiden sich an ihr die Geister. Die einen loben den kompromisslosen Hard Rock in bewährter Form, jene halten sie für eine mittelprächtige ACDC-Coverband, andere schlicht für einen Witz.
Wahr ist, dass sich die Band stark an ihre Vorbilder hält - na und? Welche Band hatte die nicht? Und die wenigsten haben das so gekonnt wie Airbourne.
Unverständlich ist die Behauptung, diese Band wäre gekünstelt, unauthentisch, absichtlich überdreht. Da muckiert sich der eifrige Kritiker über die schrille Stimme des Sängers oder Live-Auftritte mit nacktem Oberkörper. Hallo? In den 80ern war das Standard und in der Jetzt-Zeit immer noch üblich.
Das wiederum führt uns zu den Kritikern die behaupten, Airbourne wäre unzeitgemäß.
Nun, sehr viele Rock-Fans bedauern es zutiefst, das mit Guns N Roses auch die große Rock-Ära weitgehend untergegangen ist; die wollen kein Grunge, Nu Metal, Screamo, Emo oder Hardcore hören. Die wollen Rock hören. Guten Rock. Einfach so wie früher. Und am besten neues Material. Doch die großen alten Band-Monster sind schon ergraut und werden über kurz oder lang die Instrumente an den Nagel hängen. Und so bekannt werden junge Rockgruppen selten und schon gar nicht leicht. Airbourne hat es geschafft. Man sollte diese Band fördern, so wie andere z.B. Silvertide oder The Answer, welche ebenfalls für erstklassigen ursprünglichen Rock stehen. Soweit das Vorwort.
Natürlich war das Debut-Album "Running Wild" ein 1A-Einstand und die Frage war eigentlich nur: Kann Airbourne das halten? Und das kann die Band um Joel O'Keeffe zweifellos.
Die gewohnten Stampf-Melodien bohren sich direkt ins Ohr. Aber "No Guts. No Glory" verbleibt nicht einfach nur auf dem Stand des Vorgängers. Gott sei dank! "Running Wild" legte schon eine hohe Messlatte fest, allerdings blieben die Songs doch alle mehr oder weniger auf dem gleichen Level. Die Lieder haben sich weiterentwickelt. Durchdringende Melodien eines "No way but the hard way" treffen auf Neuartiges, wie "Bottom the well". Das leichte experimentieren hat hörbar nicht geschadet, sondern macht das Album erst interessant.
Es folgt kein Bruch mit dem Bekanntem, nur eine leichte Erweiterung. Somit machen die Jungs das einzig richtige: Weder wechseln sie zu Mainstream-Geschichten, wie so manch andere Band, noch trampeln sie auf ihren alten Pfaden.
Also: Wer dem Vorgänger bereits gefallen hat, sollte auch hier auf jeden Fall zuschlagen.
"No Guts. No Glory" bietet ursprünglichen Hard Rock der alten Klasse. Das Album präsentiert sich in einem ausgezeichnetem Sound-Kleid, ist hart, schnell und laut.
Wer auf einen ehrlichen, handgemachten, schmutzigen, trockenen Rock steht ist hier genau richtig.