Die Mitte der achtziger Jahre war keine Zeit, in der Liebhaber guter Musik es einfach hatten. Viele der altgedienten Stars lieferten schwache Alben ab, man denke etwa an Bob Dylans 'Knocked out Loaded', Neil Youngs 'Landing On Water', Bruce Springsteens 'Born In The U.S.A.'. Diese Liste ließe sich weiter fortsetzen. Wie gut für die Achtziger, dass es Van Morrison gab. Der hat 1986 mit 'No Guru, No Method, No Teacher' eines der schönsten Alben seiner Karriere herausgebracht, meilenweit erhaben über die Versuchungen dieser Zeit, selbst die schönste Musik durch den unkontrollierten Einsatz von Zerstörungswaffen wie elektronischen Drumkits und halbgaren Synthesizern zu vernichten.
Auf 'No Guru, No Method, No Teacher' herrscht das Schlichte, die Arrangements erinnern mit ihrem jazzigen Feel fast an Morrisons Solodebüt 'Astral Weeks', und doch ist dieses Album sehr viel kompakter und rhythmischer als das grandiose Erstlingswerk. Damit genug der Vergleiche, denn die hinken eh immer.
Der erste Song des Albums, 'Got To Go Back', ist programmatisch. Morrison verabschiedet sich hier vom klebrigen Sound des Vorggängeralbums 'A Sense Of Wonder', um sein Glück in der schon früher für ihn so perfekten keltischen Mélange aus Jazz, Blues und Soul auf sparsamer, nie überfrachtet instrumentierter Basis zu suchen.
Ungemein wichtig und tragend für dieses Albums ist freilich Van Morrisons großartiger Gesang. Wenn er mit dem schönsten Song des Albums, 'In The Garden', seine eigene Art der Religiösität zelebriert, mit unglaublicher Treffsicherheit das komplette Spektrum vom kräftigen Schmettern bis zum zarten Flüstern abdeckt, läßt das auch eingefleischte Atheisten nicht kalt.
Überhaupt ist 'No Guru, No Method, No Teacher' ein durch und durch religiöses Werk, das dabei aber nie platt missionierend daherkommt, sondern einfach nur Morrisons eigene Versunkenheit in seinen Glauben in wunderbar erbauender Weise transportiert, noch weit entfernt von der mitunter leider sehr langweiligen Lamentiererei, die viele seiner Alben aus jüngerer Zeit "auszeichnet". Ein ungemein rundes, in sich schlüssiges Werk, eines, auf das viele damals schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt haben dürften.