Lehrer: Ich habe das Buch mit meiner 8. Klasse gelesen und bin ein wenig hin- und her gerissen. Zunächst schließe ich mich all den positiven Rezensionen uneingeschränkt an. Derartigem Detailreichtum und Authentizität der Sprache sowie Finten in der Erzählstruktur bin ich bisher in noch keinem der einschlägigen "Coming-of-Age"-Romane begegnet. Im Grunde hat man es hier mit Holden Caulfield 2.0 zu tun, mit dem Unterschied, dass Jim, neben der Pubertät mit all ihren Hässlichkeiten, tatsächliche Probleme hat, die die Grundlage für seine düstere Geisteshaltung und allerlei Drogen- und Sexeskapaden bilden. Lediglich die Einordnung als Jugendroman für die Altersstufe 14-16 Jahre und der völlig nichtssagende Klappentext sind bedenklich. Insbesondere die Szene, in der er Rache an seinem Vater nimmt, ist hart an der Grenze des Ertragbaren, selbst wenn die Gründe dafür durchaus nachvollziehbar sind. Trotz allem: 5 Sterne von uns.
Im Rahmen des Unterrichtes wurden Rezensionen geschrieben. Einige sollen hier abgebildet werden:
Eduard: Ich finde, dass "No Exit" ein abwechslungsreiches Buch ist. Es ist fesselnd und durch die Zeitsprünge nie langweilig. Die Gefühlslagen wechseln ständig. Beim Lesen des Buches ist man traurig, froh, entspannt und gespannt. Auch die ungewohnte Schreibweise, mit vielen Schimpfwörtern und Gossensprache, was nicht unbedingt jedermanns Geschmack ist, machen das Buch zu etwas Einzigartigem. Diese Ausdrucksweise macht das Buch amüsanter und unterstreicht die Gefühlslagen noch mehr, die man beim Lesen hat. Doch das Buch ist auch sehr bedrückend, da die Lage der Hauptpersonen aussichtslos erscheint und diese in ihrem dumpfen Rausch aus Drogen und Alkohol versinken. Der Alkohol- und Drogenkonsum wird zu positiv dargestellt und die Sex-Szenen werden sehr (zu) detailliert beschrieben.
Meiner Meinung nach eignet sich dieses Buch nicht unbedingt als Schullektüre und ich würde es Jugendlichen ab 14 Jahren weiter empfehlen.
Lisa Ho.: Am Anfang war das Buch etwas langatmig geschrieben, doch ab einem bestimmten Punkt wurde die Geschichte von Jim, in der es um Freundschaft, Liebe und aufregende Ereignisse der Jugendlichen geht, sehr fesselnd erzählt.
Man konnte sich gut in die Welt und Gefühle der Jugendlichen hinein versetzen,
sodass es nicht langweilig wurde. Allerdings muss ich sagen, dass es für Personen
die etwas zart besaiteter sind und auf Sex- und Gewaltszenen sensibel reagieren, vielleicht nicht ganz zu empfehlen ist, da die Situationen meistens sehr detailliert und in der typischen Jugendsprache geschrieben sind.
Die Lektüre ist abwechslungsreich und bietet einen guten Einblick in das Leben eines Jugendlichen, der auf die schiefe Bahn gerät und mit seinen Gefühlen völlig durcheinander ist.
Alles in Einem ist es ein empfehlenswerter Roman, der unter die Haut geht und das Leben von Teilen der heutigen Jugend gut aufzeigt.
Jara und Paulina: Am Anfang des Buches waren wir vom Buch noch recht begeistert und haben über manche derben Ausdrücke noch gelacht, doch als die "Gossensprache" im Buch nicht endete, hatte es eine abstoßende Wirkung bekommen. Wir hatten noch nie ein Buch gelesen, was uns so abstieß.
Da einige Stellen viel zu detailliert beschrieben werden, wie zum Beispiel Mandys Tod, wurde uns ganz anders und der Spaß am Buch war uns vergangen. Die anfänglichen sexuellen Erfahrungen der Hauptpersonen waren in einer detaillierten, derben Sprache beschrieben. Zitat: ... "stieß mein kleines Herz aus dem Leib, bis ich ekstatisch ins Klopapier spritzte", und andere anekelnde Stellen.
Das letzte Drittel des Buches hat uns dann wieder begeistert.
Wir hätten nicht gedacht, dass das Buch so eine einfühlsame Wendung nehmen kann.
Unsere Meinung über Jim (die Hauptperson) hatte sich grundlegend geändert.
Wir hielten Jim anfangs für einen versoffenen, emotional abgestumpften Teenager.
Doch zum Ende des Buches hin, sahen wir ihn als einen hilflosen, tief enttäuschten Jungen, der nie wirklich geliebt wurde. Man fing an über ihn nachzudenken und mit ihm zu trauern.
Dieser Jugendroman ist nichts für sprachlich zartbesaitete Teenies, die mit "Gossensprache" nicht viel zu tun haben. Manche Stellen sind sehr hart beschrieben und gehen an die Nieren.
Für uns war das Buch eine Bereicherung, da uns gezeigt wurde, dass das Leben durchaus "schmutzige" Seiten bereithält.
Chris und Gordon: "No Exit" ist wirklich ein Buch, das uns vollkommen in seinen Bann gezogen hat, an manchen Tagen waren wir stundenlang ins Lesen vertieft.
Alle Charaktere leiden sehr und haben ein harte Schicksale, die uns unheimlich bewegten.
Unter 14-jährigen Lesern könnten manche Stellen etwas "heftig" empfunden werden, also ist es nicht unbedingt für untere Altersklassen geeignet.
Langweilig war es unserer Meinung nach aber nie. Oft kommen Situationen vor, mit denen man nie gerechnet hätte. Sowohl Sex- als auch Drogenkonsum werden in diesem Buch veranschaulicht. Wie Jim manche Situationen wirklich souverän bewältigt, zeigte uns auch, wie stark ein Mensch trotz allem sein kann.
Zum Abschluss wollen wir sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, dieses Buch zu lesen und es verfilmt werden sollte.