Produktinformation
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Scorsese, der vor allem durch Spielfilme wie Goodfellas, Gangs Of New York oder Aviator zu Weltruhm gelangte, hatte schon immer ein Faible für Musikthemen. Er arbeitete an der Woodstock-Dokumentation mit, drehte den Meilenstein The Last Waltz über das letzte Konzert der Folk-Blueser The Band und sorgte zuletzt mit seiner grandiosen siebenteiligen Reihe The Blues für Schlagzeilen. Das halbwegs aktuelle Interview mit Dylan hat er zwar nicht selbst geführt (das erledigte dessen Manager), aber Scorseses einfühlsame Bildregie trägt nicht unerheblich dazu bei, dass der über 200 Minuten lange Streifen, dessen Schwerpunkt auf den Jahren 1961 bis 1966 liegt, zu keiner Sekunde langweilig wird. Man verfolgt anhand verschiedenster, teils noch nie zuvor gezeigter zeitgenössischer Aufnahmen die schrittweise Entwicklung Dylans vom jungen, naiven Woody-Guthrie-Fan Robert Zimmermann aus dem verschlafenen Hibbing in Minnesota zur Greenwich-Village- und schließlich Weltlegende, die mit ihren Songtexten das Lebensgefühl ihrer Generation treffender wiedergab als jeder andere Künstler. Man bekommt frühe Vorbilder wie Gene Vincent und Muddy Waters zu Gesicht, ist bei frühen Auftritten Dylans dabei, taucht in den einzigartigen kulturellen Schmelztiegel Greenwich Village ein und wird Zeuge, wie Dylan in Pressekonferenzen die Journalisten mit schnodderigen Gegenfragen in den Wahnsinn treibt. Die neuen Interview-Sequenzen mit ihm sind zwar durchaus interessant (manchmal lacht der große ernste Schweiger sogar), über sein Privatleben verrät Dylan aber nach wie vor nichts, die ebenfalls aktuellen Gespräche mit Zeitgenossen wie Joan Baez, Allen Ginsberg, Al Kooper und Pete Seeger erhellen die Person Dylan deutlich besser. Und es gibt auch - das wird den mundfaulen Dylan freuen - viel Musik zu hören. Einer der Schwerpunkte des Films sind die immer wieder eingeschobenen Auszüge aus einem 1966er Konzert in London, bei dem der gottgleich verehrte Folk-Barde ausgebuht wurde, weil er elektrisch verstärkt und mit einer Begleitband auf die Bühne ging. Diese Streiflichter und die Ausschnitte aus den Newport Folk Festivals der Jahre 1963 bis 1965 mit Musikern wie Howlin´ Wolf und Johnny Cash gehören zu den Höhepunkten eines zu keinem Zeitpunkt schwachen Films, der ein wenig aufräumt mit dem Mythos Dylan, aber nie den exponierten künstlerischen Stellenwert des größten singenden Dichters des 20. Jahrhunderts in Frage stellt.
No Direction Home existiert nur in einer englischsprachigen Fassung, die allerdings in zahlreichen Sprachen (u.a. Deutsch und Englisch) untertitelt werden kann. Der 5.1-Sound kann durchweg überzeugen, und auch die Bildqualität ist selbst bei den in Privatarchiven entdeckten Amateuraufnahmen stets exzellent. Als Bonus enthält die Doppel-DVD noch u.a. sieben komplett ausgespielte Live-Aufnahmen, darunter die TV-Tracks "Blowin´ In The Wind", "Girl Of The North Country" und "Man Of Constant Sorrow", "Mr. Tambourine Man" vom Newport Folk Festival 1964 und - musikalisch am interessantesten - die 1966 mit der hervorragenden Backing-Band in London gespielten Versionen von "Like A Rolling Stone" und "One Too Many Mornings".
-- Michael Rensen
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Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals eine Bob Dylan DVD Rezension schreiben würde. Seine Musik kenne ich, die Bedeutung seiner Person war mir jedoch noch schleierhaft.
Diese DVD haut in einem schön verpackten Style so viele Infos raus, dass ich nun locker in einer Hardcore-Dylan Fangruppe mitschwatzen könnte. Mich erinnerte der Style etwas an die tollen BBC Reportagen bei denen komplexe Themen auf den Punkt gebracht und behutsam präsentiert werden.
Was gibt’s zu sehen?
Insgesamt wird der Weg seiner musikalischen Karriere skizziert. Angefangen dort, wo er mit seiner Familie aufwuchs, einer eher schnöden Gegend, die nicht viele kulturelle Perspektiven bot. Er zog raus ins Land und schrieb einen Song nach dem anderen. Immer wenn er von einem neuen Style gepackt war, zog er sich ein Stück von dem heraus und setzte es mit seinen eigenen Rhythmen und Worten in seine eigene Version um.
Da ich nicht zu Dylans Generation gehöre und mir vielleicht auch eine Lücke im historischen Wissen klafft, wusste ich auch nicht, dass Dylan eine Rolle beim Kampf für die Gleichstellung von Farbigen gespielt hat.
Das Bonusmaterial :
Hier kommen die Musik-Fans voll auf ihre Kosten, denke ich:
''Blowin' in the Wind'' - live im TV: Maerz 1963
''Girl of the North Country'' - TV-Beitrag aus Kanada: Feb. 1964
''Man of Constant Sorrow'' - live im TV: Maerz 1964
''Mr. Tambourine Man'' - Newport Folk Festival: Juli, 1964
''Love Minus Tweo/ No Limit'' - London: Mai, 1965
''Like a Rolling Stone'' - live in Liverpool: Mai, 1966
''One Too Many Mornings'' - live in Liverpool: Mai, 1966
Nicht verwendeter Promotionspot fuer ''Positively 4th Street''
''I can't leave her behind'' - Entstehung im Hotelzimmer, Glasgow: Mai, 1966
Ich habe gehört, dass Bob Dylan einfach nicht in sein Privatleben blicken lässt, wer dies jetzt auf DVD erwartet, der wird enttäuscht sein.
Das Portrait Bob Dylans ist auf die Jahre 1963 – 1966 fokussiert.
Für mich wars interessant zu sehen, wie ein Musiker, der offensichtlich so viel zu sagen hat, dies auch tut, aber eben nicht im gewöhnlichen Gespräch sondern mit seiner Musik.
Bob Dylan ist ein sinnlicher Mensch, der keine Interpretationen den Menschen mundgerecht serviert, sondern es einfach hinnimmt, dass jeder einen Kopf zu denken hat.
Fazit: Ein persönliches Dokument über Bob Dylan, in zeitgeschichtlichem Zusammenhang, das nicht persönlich ist.
Hier spricht der neue Dylan Fan:).
Der Film beginnt, chronologisch korrekt, in Dylans Heimat Hibbing, Minnesota. Bob Dylan selbst beschreibt diese Kleinstadt in den 50er Jahren, und wie er, unmittelbar nachdem er seinen High School Abschluss gemacht hat, nach New York aufgebrochen ist um Musiker zu werden. Auf der Zeit als junger Musiker in New York liegt, wie auch in „Chronicles", der erste Schwerpunkt. Die Zeit von seiner Entdeckung um 1960 bis zu seinem Motorradunfall 1966, oftmals als die kreativsten Jahre in Dylans Karriere bezeichnet, bilden den zweiten, etwas längeren Teil des Films.
Bob Dylans Entwicklung in den behandelten Jahren wird anhand Erzählungen von Zeitzeugen, Freunden und Vertrauten Dylans, beschrieben. Dylan selbst kommentiert mit Aussagen aus einem Interview aus dem Jahr 2000 (Damals das erste gefilmte Interview seit 20 Jahren) die einzelnen zeitlichen Abschnitte und Ereignisse. Aus den Jahren als Bar-Musiker in New York erzählen beispielsweise Dave van Ronk oder Allen Ginsberg. Über die Jahre Anfang der 60er erzählen unter anderem Joan Baez, Pete Seeger, Al Kooper oder Maria Muldaur, alles selbst Folk-Größen der damaligen Zeit.
Diese Erzählungen der einzelnen Personen werden untermalt mit Bildern und Videomaterial.
Da diese Jahre auch in „Chronicles" behandelt werden, werden die Leser der Autobiografie das hier Erzählte schon kennen. Dennoch bietet der Film einiges, was den Weg in das Buch nicht fand. Alleine schon aufgrund der unterschiedlichen Erzählperspektiven. Des Weiteren ist der Film aber auch eine sehr gute Ergänzung zum Buch, da man die Personen und Orte, von denen Dylan schreibt, hier auch einmal selbst sehen und hören kann.
Martin Scorsese hatte für diesen Film über 10 Stunden Videomaterial zur Verfügung. Bei seiner Auswahl des Materials für den Film, konzentrierte er sich ganz klar auf das, was Dylans Entwicklung als Musiker dokumentierte. Alles, was darüber hinausging, sei es privates oder Material für die Klatschspalte, wurde weggelassen. Es blieben dreieinhalb Stunden Material, dass den Sänger und Songwriter Bob Dylan eindrucksvoll dokumentiert. Die Musiker, die ihn inspirierten und beeinflussten werden beleuchtet, allen voran natürlich sein Idol Woody Guthrie. Es wird dargestellt, wie die Öffentlichkeit auf ihn reagierte. Die Überwältigung und Faszination seiner Texte zu Anfang, und die Enttäuschung und die Verachtung später, als er mit elektrischer Gitarre und Band auftrat, und damit dem „echten, reinen Folk" eine Absage erteilte. Sehr ausführlich wird sich mit Dylans Rolle in der Protestbewegung der 60er Jahre beschäftigt. Bob Dylan wurde durch seine zeitgenössischen Texte schnell zu einem Führer dieser Bewegung geredet und geschrieben, obwohl er selbst damit eigentlich gar nichts am Hut hatte, und nicht einmal an einem Protest teilnahm. Da er auch heute noch als der Vorzeige-Rebell und Hippie der 60er Jahre gilt, ist dieser Teil der Dokumentation sehr wichtig, und bestimmt für viele auch erleuchtend, oder natürlich enttäuschend.
Was sich über die komplette Entwicklung immer wieder zeigt, sei es durch Interviews mit Dylan aus der Zeit, oder durch die Erzählungen von Freunden, ist das Bob Dylan immer nur das gemacht hat, was er wollte, und was er für richtig hielt. Er war nie Teil einer Bewegung, und er war nie Teil einer Gruppe oder gar Masse. Er war immer nur der Folk-Musiker Bob Dylan der über das schrieb und sang, was er fühlte, und was ihn kümmerte. Das ist vielleicht das Wichtigste, was Bob Dylan in dieser Zeit ausmachte, und das ist es, was der Film eindrucksvoll darstellt.
„No direction home" ist die erste wirklich brauchbare Dokumentation über Bob Dylan. Noch nie zuvor gab es einen so ausführlichen Film über seine Entwicklung als junger Musiker, der vor allem komplett auf Aussagen von Dylan selbst und ihm nahe stehenden Personen beruht. Die Informationen kommen aus erster Hand, und auf Gerüchte und Vermutungen wird dadurch komplett verzichtet. Dafür sorgte nicht zuletzt Bob Dylan persönlich, der an der Entstehung der Dokumentation direkt beteiligt war.
Das aus zwei DVDs bestehende Set bietet, neben der Dokumentation, acht komplette Live-Songs in, in anbetracht des Alters der Aufnahmen, sehr guter Bild- und Klangqualität, sowie vier Live-Songs mit Gesangspartnern. Dazu gibt es einen nicht verwendeten Promotion-Spot für die Single „Positively 4th street". Die Live-Sequenzen, die während der Dokumentation immer wieder eingespielt werden, sind außerdem vom Hauptmenü aus auch direkt anwählbar.
Die Audiospur ist englisch in 5.1 Dolby-Digital Kodierung, was gerade die Live-Szenen noch besser zur Geltung bringt. Als Untertitel sind neben deutsch und englisch noch 22 weitere Sprachen verfügbar.
Insgesamt überzeugt „No direction home" also nicht nur als Dokumentation, auch die Präsentation im Doppel-DVD Set ist durchweg überzeugend.
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