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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Februar 2008
Llewlyn Moss, gerade unterwegs um Antilopen an der mexikanischen Grenze zu jagen, stoesst per Zufall auf das Ergebnis einer Herointransaktion, bei der ganz offensichtlich alles schief gelaufen ist: durchsiebte Fahrzeuge, ueberall Blut, Waffen und kugelzerfetzte Leichen. Nur ein Ueberlebender (vielmehr ein Halbtoter), der nur nach Wasser fraegt und sonst nicht viel zur Aufklaerung beitraegt. Moss nimmt das Geld an sich - zwei Millionen Dollar - und verschwindet so unauffaellig wie er gekommen ist. Zwar ist er ein hartgesottener Kerl, dennoch ertraegt er den Gedanken an den verdurstenden Mexikaner nicht und kehrt deshalb mitten in der Nacht mit einer Wasserflasche an den Tatort zurueck. Nun ist er jedoch nicht mehr alleine, denn offenbar hat sich die fehlgeschlagene Transaktion in bestimmten Kreisen herumgesprochen. So geraet er in den Fokus eines Suchtrupps von Banditen, auf der Suche nach dem Heroin, dem Geld, oder beidem. Dies ist dann der Startschuss zu einer moerderischen Verfolgungsjagd zwischen Moss, den Heroindealern, einem psychopatischen Killer, einem Privatdetektiv und natuerlich der Polizei. Wie schon oefter bei McCarthy - und so auch hier -, entwickelt sich die Handlung entlang dieses Flucht- bzw. Jagdszenarios; d.h. wir haben es mit einem klassischen "Road Movie" zu tun.

"No Country For Old Men" ist in jeder Hinsicht ein spektakulaeres Buch - spannend, reisserisch, unterhaltsam und origninell. Alle Zutaten fuer ein gelungenes Lesevergnuegen sind dabei; ein erstklassiger Thriller und ein wahrhaft moderner Hard-Core Western. McCarthy's (Anti-)Helden benehmen sich genauso, wie man es von modernen Cowboys erwartet: sie sind alle und staendig schwer bewaffnet, reiten auf Pferden, spucken aus und tragen breitkrempige Huete. Sie fahren Off-Road Fahrzeuge (wenn sie nicht gerade reiten), steigen in Motels ab und haben immer grandiose Sprueche auf Lager: "Its' just a bunch of Mexican drugrunners. They were. They aint now. I aint sure what you're sayin. I'm just saying that whatever they were the only thing they are now is dead," oder auch: "If the heroin is missing and the money is missing then my guess is that somebody is missing. I'd say that's a reasonable guess."

Wie schon in anderen Veroeffentlichungen von McCarthy, lebt das Buch vom typischen McCarthy Erzaehlstil: detaillierte Beschreibungen von scheinbar unwichtigen Details, mit sehr knapper und distanzierter Sprache. Der eingefangene texanische Lokalkolorit in der Sprache ist wohl vollumfaenglich nur dem amerikanischen Leser zugaenglich - seine Wirkung auf uns verfehlt es dennoch nicht. "If you knew there was somebody out here afoot that had two million dollars of your money, at what point would you quit lookin for em? That's right. There aint no such a point." Es bleibt abzuwarten, wie sich dies dann in der deutschen Uebersetzung liest - dort koennte viel verloren gehen.

Gegen Ende nimmt die Geschichte noch eine Wendung. Die Gewalt als reines Spektakulum wird zurueckgefuehrt auf das was sie ist: Zerstoerung, Leid und Elend. Gleichzeitig tritt auch das McCarthy'sche Hauptmotiv wieder in Erscheinung - die Unausweichlichkeit des Schicksals und des Todes. Der Killer als Verkoerperung des Untergangs, dem wir alle geweiht sind. Letztlich geht es um das menschliche Schicksal ganz allgemein, das ausgedrueckt ist in der Schluesselaussage des Killers: "Every moment in your life is a turning and every one a choosing. Somewhere you made a choice. All followed to this. The accounting is scrupulous. The shape is drawn. No line can be erased" - sagts und erschiesst eine voellig Unbeteiligte. Ab hier tritt das reisserische Element in den Hintergrund, und allgemeine Ueberlegungen zum Thema Schicksal und Tod greifen Raum. Hier wird dann wieder die Groesse von Cormac McCarthy spuerbar.

Die Unausweichlichkeit des menschlichen Schicksals, manifestiert im Schicksal der Beteiligten: Sie alle haben an einem Punkt ihres Lebens eine Entscheidung getroffen, die sie in die vorliegende Handlung schicksalshaft verwickelt - und alle haben dafuer einen Preis zu bezahlen, unabhaengig von ihrer spezifischen Schuld. No line can be erased. Jede Entscheidung ist endgueltig, alles hat seine Konsequenz, nichts kann ungeschehen gemacht werden. Der Mensch ist schuldig als Mensch und deshalb unausweichlich dem Tod geweiht. Alle Handlungen sind schicksalshaft und alles endet mit dem Tod - ohne Gnade. The accounting is scrupulous.

"No Country For Old Men" ist wie geschaffen fuer eine Verfilmung und man koennte beinah meinen, McCarthy haette es geradezu darauf angelegt, einen Roman zu schreiben, der dann als Hollywood Filmvorlage endet. Und wenn schon! McCarthy hat einen grossartigen Thriller vorgelegt, der alle Beduerfnisse an einen modernen Western befriedigt. Trotzdem "No Country For Old Men" nicht die literarischen Hoehen erreicht, die andere seiner Buecher erreichen, gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne; es ist einfach zu spannend, zu cool, zu krass, zu unterhaltend - zu gut. Die Verfilmung von "No Country For Old Men" hat uebrigens mehrere Oscars gewonnen - bei dieser Romanvorlage ist das auch kein Wunder!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Januar 2009
Im Grenzgebiet zwischen Amerika und Mexiko spielend sieht sich der Kleinstadt-Sheriff Bell - als klassischer Texaner mit Cowboy Habitus Vertreter einer aussterbenden Spezies - plötzlich von einem Ausbruch exzessiver Gewalt und Kriminalität konfrontiert, dem er, von einem neuen Zeitgeist überfordert und überholt, als alternder Mann nicht mehr gewachsen ist. Illustriert wird dies vor allem daran, dass er dem Kapitalverbrecher Chigurh immer um einen bis drei Schritte hinterher hinkt. Trotz seines ernsten Bemühens hat man auf keiner Seite das Gefühl, es bestehe eine Chance, dass er dem Täter wirklich gefährlich werden kann. Dies liegt vor allem daran, dass ihn Chigurh an Skrupel- und Kompromisslosigkeit weit in den Schatten stellt (obgleich auch Bell nicht als reiner Saubermann konzipiert ist).
An irgendeinem Punkt der Geschichte treffen alle Charaktere Entscheidungen, deren Konsequenzen sie langfristig nicht mehr revidieren können. Sie werden entweder von ihnen überrollt, oder von ihnen getragen, indem sie sie, gleich wohin sie führen, rücksichtslos bejahen. Vor diesem Hintergrund bestimmen nicht die reflektierenden und abwägend handelnden, sondern die vehement dezisionistischen und kaltblütigen Charaktere den Verlauf der Story. Bell kann unter diesen Voraussetzungen die Handlung nicht beeinflussen, sondern nur (in Form tagebuchartiger Sentenzen) kommentieren, was in der Regel in einem sehr sachlichen Ton geschieht, obgleich er - von einem eigenen Schuldkomplex belastet - unter seiner Unfähigkeit, seiner Aufgabe gerecht zu werden und also seinen Mitbürgern zu helfen, merklich leidet.
Der Generationswechsel, der als ein - wenn auch nur abstrakt artikuliertes - Hauptthema des Romans gelten kann, vollzieht sich nicht mehr, wie es Bell selbst als junger Mann erlebt hat und als alter Mann wieder zu erleben hofft, als ein halb evolutionärer, halb unter konservativen Vorzeichen stehender Aneignungs- und Optimierungsprozess, sondern als ein gewaltträchtiger, von Vereinnahmung und Verdrängung gekennzeichneter Vorgang. In einem solchen Kontext freilich kann sich der, trotz allem, aufmerksame Beobachter Bell selbst nurmehr noch als deplazierte, ausrangierte, überaltete Person wahrnehmen und definieren, in einer zunehmend fremd werdenden Heimat, being no (more a) country for old men...

Sprachlich und stilistisch fällt das Buch, wohlgemerkt für McCarthys Verhältnisse, eher durchschnittlich aus. Die Höhen etwa von "Blood Meridan" oder unlängst "The Road" werden jedenfalls nicht erreicht. Das lässt "No country for old men" aber zu einem guten Testobjekt werden, ob man den Autor im Original oder doch eher in der Übersetzung lesen möchte. McCarthy ist sicher zu den sprachlich eher anspruchsvollen Autoren zu rechnen. Wer bei "No country for old men" Verständnisprobleme hat, sollte nach meinem Dafürhalten bei anderen Romanen lieber zur Übersetzung greifen.
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am 26. April 2014
Die Geschichte über einen gefundenen Drogengeldkoffer und die daraus resultierenden Konsequenzen ist allein nicht besonders originell. Aber der Schreibstil ist es dagegen!
Nicht nur die Akzente, die durch die Schreibweisen im Kopf förmlich hörbar werden sind positiv hervorzuheben, sondern auch die Kapitel-Struktur, die eine einfache Geschichte stets spannend halten.
Außerdem überzeugt die Tiefe der Charaktere, die oft nicht durch Exposition sondern durch beschriebene Handlungen deutlich wird.
Zum Ende des Buches werden die Dia- und Monologe dann noch einmal besser als sie es über den Verlauf des Buches ohnehin schon sind.

Absolute Leseempfehlung!
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am 11. April 2015
Ja, die Kunst des Autors ist in vielerlei Hinsicht über jeden Zweifel erhaben. Auch ich habe dieses Buch verschlungen. Das einzige, was mich letztlich etwas gestört hat, sind die etwas eindimensionalen Figuren: der gute Sheriff und seine gute Frau, der tapfere Moss und seine ihn liebende Frau, Cowboys und Jäger vor dem Herrn, gute Männer in Boots und Jeans, die gute alte Zeit, und auf der anderen Seite der abgrundtief böse Chigurh. Muss sagen, ich fand The Road erschütternder und weitaus tiefgründiger.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Februar 2008
Llewlyn Moss, gerade unterwegs um Antilopen an der mexikanischen Grenze zu jagen, stoesst per Zufall auf das Ergebnis einer Herointransaktion, bei der ganz offensichtlich alles schief gelaufen ist: durchsiebte Fahrzeuge, ueberall Blut, Waffen und kugelzerfetzte Leichen. Nur ein Ueberlebender (vielmehr ein Halbtoter), der nur nach Wasser fraegt und sonst nicht viel zur Aufklaerung beitraegt. Moss nimmt das Geld an sich - zwei Millionen Dollar - und verschwindet so unauffaellig wie er gekommen ist. Zwar ist er ein hartgesottener Kerl, dennoch ertraegt er den Gedanken an den verdurstenden Mexikaner nicht und kehrt deshalb mitten in der Nacht mit einer Wasserflasche an den Tatort zurueck. Nun ist er jedoch nicht mehr alleine, denn offenbar hat sich die fehlgeschlagene Transaktion in bestimmten Kreisen herumgesprochen. So geraet er in den Fokus eines Suchtrupps von Banditen, auf der Suche nach dem Heroin, dem Geld, oder beidem. Dies ist dann der Startschuss zu einer moerderischen Verfolgungsjagd zwischen Moss, den Heroindealern, einem psychopatischen Killer, einem Privatdetektiv und natuerlich der Polizei. Wie schon oefter bei McCarthy - und so auch hier -, entwickelt sich die Handlung entlang dieses Flucht- bzw. Jagdszenarios; d.h. wir haben es mit einem klassischen "Road Movie" zu tun.

"No Country For Old Men" ist in jeder Hinsicht ein spektakulaeres Buch - spannend, reisserisch, unterhaltsam und origninell. Alle Zutaten fuer ein gelungenes Lesevergnuegen sind dabei; ein erstklassiger Thriller und ein wahrhaft moderner Hard-Core Western. McCarthy's (Anti-)Helden benehmen sich genauso, wie man es von modernen Cowboys erwartet: sie sind alle und staendig schwer bewaffnet, reiten auf Pferden, spucken aus und tragen breitkrempige Huete. Sie fahren Off-Road Fahrzeuge (wenn sie nicht gerade reiten), steigen in Motels ab und haben immer grandiose Sprueche auf Lager: "Its' just a bunch of Mexican drugrunners. They were. They aint now. I aint sure what you're sayin. I'm just saying that whatever they were the only thing they are now is dead," oder auch: "If the heroin is missing and the money is missing then my guess is that somebody is missing. I'd say that's a reasonable guess."

Wie schon in anderen Veroeffentlichungen von McCarthy, lebt das Buch vom typischen McCarthy Erzaehlstil: detaillierte Beschreibungen von scheinbar unwichtigen Details, mit sehr knapper und distanzierter Sprache. Der eingefangene texanische Lokalkolorit in der Sprache ist wohl vollumfaenglich nur dem amerikanischen Leser zugaenglich - seine Wirkung auf uns verfehlt es dennoch nicht. "If you knew there was somebody out here afoot that had two million dollars of your money, at what point would you quit lookin for em? That's right. There aint no such a point." Es bleibt abzuwarten, wie sich dies dann in der deutschen Uebersetzung liest - dort koennte viel verloren gehen.

Gegen Ende nimmt die Geschichte noch eine Wendung. Die Gewalt als reines Spektakulum wird zurueckgefuehrt auf das was sie ist: Zerstoerung, Leid und Elend. Gleichzeitig tritt auch das McCarthy'sche Hauptmotiv wieder in Erscheinung - die Unausweichlichkeit des Schicksals und des Todes. Der Killer als Verkoerperung des Untergangs, dem wir alle geweiht sind. Letztlich geht es um das menschliche Schicksal ganz allgemein, das ausgedrueckt ist in der Schluesselaussage des Killers: "Every moment in your life is a turning and every one a choosing. Somewhere you made a choice. All followed to this. The accounting is scrupulous. The shape is drawn. No line can be erased" - sagts und erschiesst eine voellig Unbeteiligte. Ab hier tritt das reisserische Element in den Hintergrund, und allgemeine Ueberlegungen zum Thema Schicksal und Tod greifen Raum. Hier wird dann wieder die Groesse von Cormac McCarthy spuerbar.

Die Unausweichlichkeit des menschlichen Schicksals, manifestiert im Schicksal der Beteiligten: Sie alle haben an einem Punkt ihres Lebens eine Entscheidung getroffen, die sie in die vorliegende Handlung schicksalshaft verwickelt - und alle haben dafuer einen Preis zu bezahlen, unabhaengig von ihrer spezifischen Schuld. No line can be erased. Jede Entscheidung ist endgueltig, alles hat seine Konsequenz, nichts kann ungeschehen gemacht werden. Der Mensch ist schuldig als Mensch und deshalb unausweichlich dem Tod geweiht. Alle Handlungen sind schicksalshaft und alles endet mit dem Tod - ohne Gnade. The accounting is scrupulous.

"No Country For Old Men" ist wie geschaffen fuer eine Verfilmung und man koennte beinah meinen, McCarthy haette es geradezu darauf angelegt, einen Roman zu schreiben, der dann als Hollywood Filmvorlage endet. Und wenn schon! McCarthy hat einen grossartigen Thriller vorgelegt, der alle Beduerfnisse an einen modernen Western befriedigt. Trotzdem "No Country For Old Men" nicht die literarischen Hoehen erreicht, die andere seiner Buecher erreichen, gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne; es ist einfach zu spannend, zu cool, zu krass, zu unterhaltend - zu gut. Die Verfilmung von "No Country For Old Men" hat uebrigens mehrere Oscars gewonnen - bei dieser Romanvorlage ist das auch kein Wunder!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
VINE-PRODUKTTESTERam 17. November 2010
Um was handelt das Buch, das die Coen-Brüder für ihren gleichnamigen Film als Vorbild nahmen?

Ist es wirklich die Geschichte des Llewelyn Moss, der durch Zufall bei einem Jagdausflug von Kugeln zerfetzte Autos und Männer findet? Dabei handelt es sich offensichtlich um ein schief gelaufenen Drogendeal. Moss nimmt das schmutzige Geld an sich und die Jagd auf Moss ist eröffnet. Ihm auf den Fersen ist der Killer Anton Chigurh, der laufend auf bestialische Weise mit seinen Opfern spielt. Nein, nein, er bringt sie kaltblütig um, er spielt mehr auf einer meta-pysischen Ebene mit den Opfern. Hier und da lässt er sie mit einem Münzwurf über ihr Schicksal entscheiden oder sie müssen ihm in die Augen sehen, wenn er sie umbringt. Er kennt keine Gnade und meuchelt alles, was ihm im Weg steht.

Oder ist es eher die Geschichte des alternden Sheriff Bell? Er hängt in den regelmäßigen Einblendungen seiner Gedanken der "guten alten Zeit" nach, in der die Sheriffs noch keine Waffen trugen und die Banditen Skrupel vor einem Mord hatten. Er nimmt die Ermittlungen zu dem Drogenvorfall mit stoischer Ruhe auf und geht ohne Regungen den Wirren der Verfolgungsjagd nach. Zwischendurch sitzt er immer wieder entspannt da, trinkt Kaffee oder redet mit seiner Frau. Er wird alt, merkt es und will seinen Job an den Nagel hängen. Die jungen skrupellosen Verbrecher haben die Oberhand gewonnen und es ist Zeit für junge schlagkräftige Sheriffs.

McCarthy gelingt ein Psychogramm unserer sich immer weiter verrohenden Welt. Er gießt dies in eine abscheuliche Geschichte um Drogen, Geld und fiesen Verbrechern. Er hält mit seinem spannenden Erzählstil den Leser bei Stange, bis zum bitteren Ende. Die Gewalt in diesem Buch ist zwingend nötig, um das Bild der Welt, das McCarthy zu haben scheint, deutlich und ohne rosa Schleier darzustellen.

Unbedingt lesen, wenn auch der Stil McCarthys durchaus gewöhnungsbedürftig ist (z. B. direkte Rede ohne Anführungszeichen); man ließt sich ein.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. März 2008
Das Buch beginnt mit einer großartigen Szene: die grandiose Beschreibung einer wie ins Feuer getauchten Mondlandschaft. Llewelyn Moss, ein etwa 30-jähriger Vietnam-Veteran, ist im Grenzgebiet zu Mexico auf Antilopenjagd. Es herrscht absolute Stille. Nur die Sonne brennt auf das rote, karge Land, und Moss streift mit seinem Fernglas den Horizont ab. In der Leere dieser Welt trifft Moss auf den Tatort eines Verbrechens, die geplatzte Übergabe eines Heroin-Deals. Unter vielen Leichen und einem noch lebenden Mexikaner, der um Wasser bettelt, findet Moss eine Tasche mit 2 Millionen Dollar. Er nimmt das Geld an sich und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Nichts wird mehr sein, wie es einmal war.
Was folgt ist eine erbarmungslose Jagd nach dem Geld durch New Mexico, Mexico und Texas. Chigurh, dessen Name ausgerechnet an "Sugar" erinnert, nimmt als engagierter Killer die Rolle des Verfolgers ein, der den Bossen der Drogenmafia das Geld wiederbeschaffen soll. Eine kältere, brutalere und zugleich so schillernde Figur wie dieser Chigurh lässt sich wohl kaum vorstellen. Er wirkt gar nicht wie ein Mensch, sondern wie ein biblischer Racheengel, der geradewegs aus der Offenbarung des Johannes entwichen ist. Er ist ein Beender. Er bringt die Dinge zu Ende. Alle.
Und Moss, der sich selber in diese Lage gebracht hat, weiß um dieses Schicksal und sagt in bestechender Logik: "If you knew there was somebody out here afoot that had two million dollars of your money, at what point would you quit lookin for em? That's right. There aint no such point."
McCarthys Roman wimmelt von solchen wie in Stein gemeißelten Sätzen und je tiefer man sich in diesen rasanten Thriller einliest, desto deutlicher offenbart sich das Buch als eine Abhandlung über den archaischen Kampf zwischen Gut und Böse. Nur das das Gute von vornherein verloren hat, ja dass es das Gute vielleicht gar nicht mehr gibt. Denn nebenher wird auch die Lebensgeschichte des Polizisten Bell geschildert, der die Verfolgung Chigurhs aufgenommen hat, und mit seinem Bericht gerät zum Schluss die Geschichte des ganzen Landes in den Blickpunkt und der Cop Bell sieht die Vorboten einer neuen Zeit am Horizont, in der das Gute immer unterlegen ist, weil es gezwungen ist, Gefühle zu zeigen und deshalb schwach ist und zurückweicht und verliert. So sagt Bell gleich zu Beginn seines Berichts: "I thought I'd never seen a person like that and it got me wonderin if maybe he was some new kind. [...] Somewhere out there is a true and living prophet of destruction and I don't want to confront him."
Und so macht jeder, der Chigurh begegnet und hadert, irgendwann einen tödlichen Fehler, während der Racheengel selber niemals Fragen stellt. Vielmehr macht er die Frage von Leben und Tod von einem Münzwurf abhängig und in dieser Unsinnigkeit von Kopf oder Zahl liegt die ganze schicksalhafte Absurdität des menschlichen Lebens begründet. "Somewhere you made a choice. All followed to this. The accounting is scrupulous. The shape is drawn. No line can be erased. I had no belief in your ability to move a coin to your bidding", sagt Chigurh bevor er die vollkommen unschuldige Freundin von Moss erschießt.
Es ist ein verstörendes, gewaltsames und gewaltiges Buch - und wie gemacht für einen Road-Movie.

Thomas Reuter
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Januar 2010
It was my first McCarthy. At the beginning I had to adjust to his language. Then I could read and feel the story. Of course it works that the reader has the view of the killer and the police, the hunted and the memories of this old police cop. But the story is just a normal bad chases good one. Where I had to ask myself why he takes the money after he had seen what happened to those guys there. And then he really thinks he can escape. For me the dialogs were sometimes a little unsorted. He can write, thats for sure. He was able to make it intense and fast, but at a point it was just getting ridiculous.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
aus dem Jahre 2005. Wer hätte damit gerechnet?

Der redefaule Texaner Moss verschwindet mit einer Tasche voller Drogengeld vom zufällig entdeckten Schauplatz einer missglückten Übergabe. Ab hier läuft für ihn alles schief: die Besitzer des Geldes sind hinter ihm her, wie er es erwartet. Genauso wie der ganz und gar außergewöhnliche Killer Anton Chigurgh, ein Outlaw, der sich der normalen Vorstellungskraft und allen Erwartungen entzieht. Eine Jagd durch Texas bis Mexiko beginnt.

Das ist der simple Plott des knallharten, kompromisslosen kurzen Romans McCarthys. Die karge Sprache, die außergewöhnlichen Dialoge und die wie von Zauberhand geschaffene Texas- Atmosphäre (dieses Buch soll 2005 erschienen sein ?!?!) allein machen dieses Buch lesenswert. Die Protagonisten Moss - Quintessenz des Antihelden -, Chigurgh - der Inbegriff des Killers - sowie der für Thrillerverhältnisse ungewöhnliche, milde Sheriff Bell machen es zur Pflichtlektüre.
Unbedingt lesen.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Oktober 2011
Das Buch spiegelt die Atmosphäre des Films haargenau wieder. Man kann die Stille der Prärie hören und die Temperaturen in TX praktisch fühlen. Der Erzählstil des Autors ist sehr spannend, aber einfach aufgebaut. Liest sich schnell. Man hofft immer mal wieder zu erfahren, was in den fiktiven Charakteren vorgeht.. Emotionen werden allerdings selten beschrieben. Und trotzdem zieht das Buch einen in seinen Bann. Sehr zu empfehlen.
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