Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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90 von 140 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine grossartige Romanvorlage - kongenial in Szene gesetzt, 20. Dezember 2008
Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich das Buch gelesen - nun den Film gesehen: Eine grossartige filmische Umsetzung eines erstklassigen Romans! Eine der wenigen Filmadaptionen von grandiosen Buechern, die nicht misslungen ist, oder weit hinter der Literaturvorlage zurueckbleibt. Da die Romanvorlage von keinem Geringeren als Cormac McCarthy stammt - einer der ganz grossen zeitgenoessischen Erzaehler - hatten sich die Brueder Coen einges vorgenommen und... ihr Ziel erreicht.
Kurz zum Inhalt: Llewlyn Moss, gerade unterwegs um Antilopen an der mexikanischen Grenze zu jagen, stoesst per Zufall auf das Ergebnis einer Herointransaktion, bei der ganz offensichtlich alles schief gelaufen ist: durchsiebte Fahrzeuge, ueberall Blut, Waffen und kugelzerfetzte Leichen. Nur ein Ueberlebender (vielmehr ein Halbtoter), der nur nach Wasser fraegt und sonst nicht viel zur Aufklaerung beitraegt. Moss nimmt das Geld an sich - zwei Millionen Dollar - und verschwindet so unauffaellig wie er gekommen ist. Zwar ist er ein hartgesottener Kerl, dennoch ertraegt er den Gedanken an den verdurstenden Mexikaner nicht und kehrt deshalb mitten in der Nacht mit einer Wasserflasche an den Tatort zurueck. Nun ist er jedoch nicht mehr alleine, denn offenbar hat sich die fehlgeschlagene Transaktion in bestimmten Kreisen herumgesprochen. So geraet er in den Fokus eines Suchtrupps von Banditen, auf der Suche nach dem Heroin, dem Geld, oder beidem. Dies ist dann der Startschuss zu einer moerderischen Verfolgungsjagd zwischen Moss, den Heroindealern, einem psychopatischen Killer, einem Privatdetektiv und natuerlich der Polizei. Die Handlung entwickeln sich nun entlang dieses Flucht- bzw. Jagdszenarios; d.h. wir haben es mit einem klassischen "Road Movie" zu tun.
Der gesamte Film ist durchwegs hochgeladen, spannend und knallhart. Wie auch schon in der Romanvorlage wird Wert auf kleine, scheinbar unwichtige Details gelegt (eine stilistische Eigenheit McCarthys); dadurch entsteht atmosphaerische Dichte und Authentizitaet. So wie McCarthy die ganze Maechtigkeit von Sprache nutzt zur Entfaltung seiner Geschichte, so nutzen die Coen Brueder filmische Mittel um die spezielle Stimmung zu transportieren. Der Zuschauer (wie auch der Leser) wird geradezu durch den Film gepeitscht - ohne Atempause, eingetaucht in eine duestere Szenerie an der US-mexikanischen Grenze. (Der in manchen Rezensionen geaeusserte Vorwurf der Langeweile ist mir voellig unerklaerlich.)
Der einzige Aspekt, der bei der filmischen Umsetzung m.E. etwas auf der Strecke bleibt, ist das typisch McCarthy'sche Hauptmotiv - die Unausweichlichkeit des Schicksals und des Todes. Der Killer als Verkoerperung des Untergangs, dem wir alle geweiht sind. Die Unausweichlichkeit des menschlichen Schicksals, manifestiert im Schicksal der Beteiligten: Sie alle haben an einem Punkt ihres Lebens eine Entscheidung getroffen, die sie in die vorliegende Handlung schicksalshaft verwickelt - und alle haben dafuer einen Preis zu bezahlen, unabhaengig von ihrer spezifischen Schuld. Jede Entscheidung ist endgueltig, alles hat seine Konsequenz, nichts kann ungeschehen gemacht werden. Alle Handlungen sind schicksalshaft und alles endet mit dem Tod - ohne Gnade.
Dieses Hauptmotiv von McCarthy findet im Film nur andeutungsweise seine Umsetzung, letztlich nur bruchstueckhaft in den Monolgen des Killers und dem Motiv des Werfens der Muenze: Call it! Dieses Schluesselmotiv des Buchs, insbes. dargestellt in der Szene zwischen dem Killer und Moss' Ehefrau, wird im Film nur in Ansaetzen aufgegriffen, wobei im Buch hier soz. der moralische Show-down stattfindet. Diese philosophisch-moralischen Aspekte kommen im Buch sehr viel staerker zum Tragen, und machen schliesslich auch die besondere Klasse des Buches aus.
Die Coen Brueder aber haben sich offenbar dafuer entschieden, diese moralische Faerbung des Buches nicht in seiner Gaenze umzusetzen. Ihr Fokus war klar die Story an sich, nicht so sehr ihre moralische Dimension. Ich halte das fuer eine akzeptable Entscheidung und sie tut der Qualitaet des Films an sich auch keinen Abbruch. Wenngleich ohne diesen Hintergrund moeglicherweise ein paar Fragen im Film offen bleiben und auch sein Ende fragwuerdig erscheinen mag.
Cormac McCarthy hat mit "No Country For Old Men" einen grossartigen Thriller vorgelegt, der von den Coen Bruedern kongenial in Szene gesetzt wurde. Das Drehbuch, die Regie und insbes. alle schauspielerischen Leistungen sind beeindruckend. Vor allem die Leistung von Javier Bardem, in der Rolle des Killers, ist besonders hervorzuheben. Der Film ist (wie das Buch) zu spannend, zu cool, zu krass, zu unterhaltend - zu gut. Die 4 Oscars sind hochverdient, bei dieser Romanvorlage ist das aber auch kein Wunder! Dennoch die Empfehlung: Unbedingt erst das Buch lesen, der Film danach kommt extrem gut!
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96 von 155 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sauerstoff ist nicht nur zum atmen da!, 16. März 2009
Während einer Antilopenjagd findet der Wilderer Llewellyn Moss (Josh Brolin) plötzlich die Überreste eines missglückten Drogendeals. Mehrere Leichen, eine Ladung Heroin und zwei Millionen Dollar. Ohne lange zu zögern verschwindet Moss mit dem Geld, doch von nun an sind ihm der ehemalige Special-Forces-Mann Carson Wells (Woody Harrelson) und der aus dem Gefängnis geflohene Serienkiller Anton Chigurh (Javier Bardem) auf den Fersen...
Im Texas der 80er Jahre bestimmen Drogen und Gewalt den Alltag, und ein Serienkiller mordet sich dabei quer durch das Grenzgebiet. Die Coen-Brüder inszenieren Cormac McCarthys Romanvorlage spannend und schnörkellos. Vor allem mit Anton Chigurh alias Javier Bardem haben die beiden einen der skrupellosten Serienkiller der letzten Jahre auf die Leinwand gebracht. Mit einer Druckluftflasche macht er kurzen Prozess mit seinen meist ahnungslosen Opfern. So liefert der Film verstöhrend-faszinierende Momente, die rohe Gewalt des Killers und nervenzerreißende Momente zwischen Jäger und Gejagtem, ebenso eine beeindruckende Gelassenheit der Beteiligten.
Fazit:
Die Coen-Brüder haben mit "No Country for Old Men" einen der spannensten Thriller der letzten Zeit erschaffen. Das Ende kommt vielleicht ziemlich plötzlich und etwas irritierend, aber ein langsames Auspendeln der Spannung hätte der Film auch nicht verdient gehabt.
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
No Country ... Steelbook Edition, 3. Dezember 2009
Der in schwelend heißen Wüstenbildern schwelgende Film erzählt die Geschichte eines arbeitslosen Wilderers (Josh Brolin) im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA, der durch Zufall an einen Koffer mit 2 Millionen Dollar aus einem schief gelaufenen Drogendeal gelangt. Bald ist ihm ein psychopathischer Killer auf den Fersen, und damit tritt eine Figur auf den Plan, die ihren Platz in der Kino-Ruhmeshalle schon jetzt sicher haben dürfte. Der spanische Schauspieler Javier Bardem ("The Sea Inside") ließ sich für den 1980 spielenden Film eine Frisur stehen, die manchmal an Mireille Mathieu, manchmal an Adamo erinnert. Die Waffe seiner Wahl ist eine Sauerstoffflasche samt Schlauch und Druckventil - eine Art Airgun, mit der er Türschlösser aufschießt oder sehr effektvoll Kopfschüsse verabreicht. Zum herrlich irren Blick gesellt sich einer der schönsten Charakternamen der letzten Jahre: Anton Chigurh, das reimt sich auf Englisch mit "Sugar".Lakonischer Beobachter des sehr blutigen (und absurd-komischen) Katz- und Maus-Spiels voller schräger Ideen ist der alternde, sehr breiten Texas-Dialekt pflegende Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), der eigentlich ermitteln soll, aber angesichts der immer verrückter werdenden Welt den Glauben an das Gute verloren hat. Wenn er seinen Blick mit gefurchter Stirn und buschiger Augenbraue über das von Chigurh angerichtete Grauen schweifen lässt, dann spiegelt sich die ganze Melancholie von Cormac McCarthys Meditation über Gut und Böse darin wider: Der alte, wilde Westen, dem Sheriff Bell mit seiner gemächlichen Cowboy-Attitüde entstammt, ist gar nicht so rau und brutal, wie er immer dargestellt wird. Die moderne Zeit ist noch viel viel gewalttätiger und gesetzloser.
Fazit: Schon komisch, dass es immer nur Amerikanern gelingt, solche niederschmetternden Wahrheiten so auf die Leinwand zu bringen, dass man das Kino mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlässt.
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