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43 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
No Country for Old Men - Kein Film für schlichte Gemüter, 9. Juni 2009
Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin ein großer Coen-Fan und habe selten an ihren Filmen etwas auszusetzen. Gleichzeitig finde ich, dass dieser Film - obwohl eines ihrer größten Meisterwerke neben "The Big Lebowski" und "Barton Fink" - völlig untypisch für die beiden ist, da der für sie so besondere Witz nur sehr selten, allenfalls in der Figur des etwas naiven Hilfssheriffs Wendell und in einigen Szenen mit dem Auftragsmörder Wells, aufflackert. Mit "No Country for Old Men" verfilmten die Coens den Roman Cormac McCarthys, in dem es um Llewelyn Moss, einen Vietnam-Veteranen geht, der glaubt, er habe das große Los gezogen, als ihm zufällig 2 Millionen Dollar eines fehlgeschlagenen Drogendeals in die Hände fallen - ein Fehlschluss, denn von nun an wird er von Anton Chigurh, einem irren Killer, verfolgt. Recht eigentlich erzählt McCarthy aber die Geschichte von Sheriff Bell, einem in die Jahre gekommenen Sheriff, der mehr und mehr den Glauben an seine Möglichkeiten, in seiner Position für Gerechtigkeit zu sorgen und den Menschen, die ihn gewählt und ihm ihr Vertrauen geschenkt haben, zu helfen, verloren hat. Tommy Lee Jones spielt die Rolle Bells ausgezeichnet, nicht zuletzt, weil er in diesem Film wirklich herzergreifend alt, zerbrechlich und verbraucht aussieht und so auf erschreckend eindringliche Weise den Worten des Gedichts "Sailing to Byzantium" von William Butler Yeats, nach dem der Film benannt worden ist, trauriges Leben einhaucht: "An aged man is but a paltry thing / A tattered coat upon a stick". Tommy Lee Jones' Bell ist ein müder, alter Mann, der es verlernt hat, mit seiner Zeit Schritt zu halten, was im Film dadurch symbolisiert wird, dass der Killer Chigurh ihm immer - bis auf eine einzige Situation, in der dies Bell nicht einmal bemerkt -, um mehr als eine Nasenlänge voraus ist. Die Handlung wird gegenüber dem Roman im Film jedoch verlagert auf Llewelyn Moss, gespielt von Josh Brolin, der sich stets der Verfolgung durch Chigurh (Javier Bardem) erwehren muss, so dass ein großer Teil des Films aus Action besteht. Wer sich hier allerdings die ästhetisierten Gewaltorgien eines Quentin Tarantino oder den Kitsch eines Robert Rodriguez erhofft, der ist in diesem Film falsch, denn neben den blutigen Schießereien, die ohne jede Übertreibung auskommen, und den Morden, die der Zuschauer oft nur erahnen kann, dominieren Passagen, in denen sich Moss auf das Kommen seines dämonischen Widersachers vorbereitet. Alles in allem wirkt der Film auf diese Weise seltsam gemächlich und bleibt ergreifend realistisch und minimalistisch. Bei all ihrem Respekt gegenüber der Vorlage erlauben sich die Coens jedoch einige Abmilderungen und Abweichungen, vor allem im Hinblick auf die beiden Jungen, die Chigurh bei seiner Flucht vor der Polizei unterstützen. Auch bleibt es im Film offen, ob der Killer seine Drohung, die Frau Llewelyns zu ermorden, weil er es ihrem Mann versprochen habe, am Ende wahrgemacht hat. Zu Chigurh ist zu sagen, dass er in der Geschichte die Rolle des Schicksals, ehern und doch leidenschaftslos in seiner Konsequenz, verkörpern soll. Ich bewundere Bardem für seine wahrhaft unvergessliche Darstellung Chigurhs, glaube aber dennoch, dass es besser zu der Rolle gepasst hätte, wenn der Killer von seinem Äußeren her unauffälliger, schlichter gewirkt hätte, so wie es in dem Roman angedeutet wird, denn Chigurh ist im eigentlichen Sinne keine individuelle Person. Sieht man sich den Film ohne Kenntnis der Romanvorlage an, dann gibt es an ihm eigentlich nichts auszusetzen - das stille und nachdenklich stimmende Ende ist wahrlich von atemberaubender Intensität -, doch kennt man den Roman, hätte man sich gewünscht, die Rolle des Sheriffs wäre noch mehr ausgelotet worden.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Über den Verlust der Menschlichkeit, 12. Mai 2011
Die Coen Brüder schufen 2007 eine ultimativ reduzierte Parabel über den Verfall der Gesellschaft. Das Geschäft der drei Akteure ist die Gewalt - Llewelyn Moss (Josh Brolin) war Vietnam-Kämpfer, Anton Chigurh (Javier Bardem) ist Auftragskiller und Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) vertritt die traurigen Reste staatlicher Ordnung. Aber Moss ist auch der naive Normalbürger, der sich eine Chance gegen die herrschende Gewalt ausrechnet, wenn er nur smart genug vorgeht. Der Sheriff versucht, ihn zurückzuhalten, ihn vor seinem sicheren Untergang zu retten. Gleichzeitig unternimmt er alles, um den Killer noch rechtzeitig zu ergreifen. Doch in den Kampf der Drogenmafia um die von Moss "gefundenen" Millionen kann Bell letztlich nicht ernsthaft eingreifen. Längst ist die Straße fest in der Hand von Gewaltbereiten aller Couleur, die Illusion einer staatlichen Ordnung gehört der Vergangenheit an. Der Sheriff hat eindeutig zu viel gesehen in seinem Leben, und er weiß zuviel über die anderen Zeiten vor seiner. Er musste einsehen, dass ein menschliches Miteinander, wie man es einst am Rio Grande und anderswo noch in gewissem Umfang gekannt hatte, verloren gegangen ist und keine erkennbare Chance besteht, es zurück zu gewinnen. Die gleichgültige Rohheit des Killers steht dem Schmerz des Sheriffs gegenüber, der wie die Zuschauer hilflos Zeuge des Unvermeidlichen werden muss. Die Erkenntnis ist schmerzlich: Längst werden wir nicht mehr von einer Politik regiert geschweige denn beschützt - schon gar nicht von einer, die unsere Interessen vertritt. Der Sheriff hat seine Munition verschossen. Die Drogengang des Films steht stellvertretend für den militärisch-industriellen Komplex, der längst alle wesentlichen Wirtschaftszweige beherrscht und ebenso kalt und gnadenlos seine Interessen durchsetzt wie Chigurh. Und all die mehr oder weniger geschickten, hoffnungsfroh-naiven Kämpfer "um ihr eigenes Glück" haben - bis hin zu mittelständischen Konzernen - kein besseres Schicksal zu erwarten als Moss. Eine fantastische Parabel. Großes Theater. Kongeniale Schauspieler. Bilder einer Ausstellung - aber ohne Musik. Und dennoch sehr geteilte Ansichten? Wenn viele Zuschauer einem hoch dekorierten Film - "No Coutry For Old Men" gewann immerhin vier Oscars - verständnislos gegenüberstehen, liegt das oft an zu komplexen Handlungsabläufen oder zu tiefgründigen Dialogen. Beides kann man hier aber ausschließen. Ein verständlicher Grund, den Film nicht zu mögen, liegt in der Frustration, die wohl jeder erleidet, weil der Schluss anders läuft als man es hofft. Ein anderes - vielleicht das wichtigste Motiv - zur Ablehnung dürfte aber die Desillusionierung über das darstellen, wofür die drei Männer stellvertretend stehen. Wenige werden die Kraft haben, der Erkenntnis ins Auge zu sehen, dass alle Hoffnungen, auf die man sich so stützt, Selbsttäuschung sind, dass letztlich jeder, der sein Leben nicht in die Abhängigkeit der "Gangs" gibt, am Ende ohne Chance bleibt. Ob bewusst oder unterschwellig - "No Country For Old Men" transportiert genau das, und solche Erkenntnisse müssen die Meisten verdrängen, um mit ihrem Leben zurecht zu kommen. Genau das macht aber einen bedeutenden Film aus: Eine große Symbolik, die alle betrifft. Die Brüder Coen müssen und können wohl damit leben, dass eine pessimistische Aussage - auch wenn sie vielleicht als Warnung gedacht war - nicht beliebt macht. Man braucht aber ein Kunstwerk nicht unbedingt leichtverdaulich zu finden, um es zu lieben. jury 5* A0603 12.5.2011e 9 A Ethan Jesse (* 21.9.1957) und Joel David Coen (* 29.11.1954 in Minneapolis, Minnesota, USA) ------------------------------------------------------------------------------------------ 1998 5* R0000 The Big Lebowski....... R: Joel & Ethan Coen D: Jeff Bridges, John Goodman, Steve Buscemi 2007 5* A0604 No Country For Old Men [Blu-ray] ....... R: Joel & Ethan Coen D: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein Meisterwerk, 11. September 2011
Rezension bezieht sich auf: No Country For Old Men [Blu-ray] (Blu-ray)
lasst euch auf diesen Film ein und ihr werdet sehen das er seine 4 Oscars auch wert ist. Der Film bietet Schauspiel Kunst auf aller höchster Ebene und die Dialoge und die Atmosphäre die dieser Film aufbaut suchen ihres gleichen.
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