Manchmal findet man die besten Newcomer dort, wo man sie am wenigsten vermutet: In einem HipHop-Song über einen obsessiven Fan, zum Beispiel. Die Rede ist von Dido und ihrem Auftritt in Eminems Hit "Stan". Ihr Debütalbum "No Angel" erschien erstmals bereits im Juli 1999 - erntete aber lediglich wohlwollende Kritiken. Dabei handelt es sich bei Dido um eine der besten Neuentdeckungen seit ... ach, seit Ewigkeiten.
Ich hatte das Glück, das Album bereits im Herbst zu bekommen und wusste schon nach wenigen Minuten, welch Juwel ich in der Hand halte. Einfach umwerfend schön. Diese CD darf in keiner "guten" Plattensammlung fehlen. "No Angel" ist eine herrliche Mischung aus zahlreichen Einflüssen - Pop, Elektronik, Folk -, zusammengeführt mit der Hingabe einer von Musik beseelten Frau, die früher auch schon einmal für ein Curry-Gericht sang. Am besten ist, man stellt sich Dido als eine Mischung aus den Cranberries und Massive Attack vor. Manchmal klingt auch die akustische Madonna etwas durch. Und einmal ist zwischen Streichern und Harmonikas sogar Didos Blockflöte zu hören.
Das Schöne: Songs wie "Hunter", "Don't Think Of Me" und "Slide" haben großartige Melodien und tiefsinnige Texte. "Mein Freund ist gegangen, seine Schuhe stehen nicht mehr bei der Tür", singt Dido einmal, zwei Lieder, nachdem sie forderte: "Ich möchte wieder eine Jägerin sein, ich möchte die Welt wieder alleine sehen, also lass mich gehen." Das alles klingt verträumt, verletzt, versöhnlich, manchmal auch selbstbewusst und zynisch, aber nie wehleidig, nie nach jener Traurigkeit, wie man es etwa von Jewel kennt. Bescheiden erklärt Dido, kein Engel zu sein, und verzaubert gerade durch ihre Engelhaftigkeit. Ihr Album "No Angel" ist ein Geschenk an die Musikwelt. Es liegt an uns, "thank you" zu sagen.