Die Aussicht auf eine größere Karriere hatten sich die Stone Temple Pilots mit dem kommerziellen Misserfolg von TINY MUSIC ruiniert. Nachdem die kalifornische Alternative-Rock-Institution schon am Ende schien, waren die Reaktionen auf das unerwartete Comeback NO.4 (1999) dementsprechend überrascht.
Wie die restlichen Alben von Scott Weiland & Co. ist auch das viertes Studioerzeugnis zwar kein Meisterwerk, verdient aber Lob und Anerkennung. Zwar setzt sich der STP-Sound auch hier aus den bewährten Zutaten zusammen: Hardrock, Classic Rock, Pop, Psychedelia. Sänger Weiland, die de-Leo-Brüder und Drummer Kretz aber mischten bei den Aufnahmen die Ingredienzien neu. Das Ergebnis: STP klangen muskulöser und vitaler als zuvor. "Down", "Heaven & Hot Rods" und das punkige "Sex & Violence" sind virile Hardrocksongs, angetrieben von Dean De Leos Brachialgitarre. Der eigenständige Sound des Albums aber entfaltete sich am besten, wenn die vier Musiker schwere Gitarrensounds mit einem deutlich psychedelischen Feeling paarten. In "Pruno", "Church On Tuesday" und "No Way Out" gehen zupackende und schwebend-entrückte Klänge merkwürdig ansatzlos ineinander über.
Die Highlights von VOL.4 drängen sich aber am Ende. "Glide" besticht mit einer hymnischen Melodie, "I Got You" ist ein schöner Country. Und mit dem abschließenden "Atlanta" glückte den Stone Temple Pilots ein echtes Meisterstück: der getragene Gesang Scott Weilands, der an Jim Morrison denken lässt; und die sehnsüchtigen Worte, mit denen Weiland im Kopf des Hörers auf geniale Weise eben jene Bilder hervorruft, die er besingt: "Visions of Mexico seduce me, it goes to me head, so carefully...".