Keine Ahnung, wovon diese Platte handelt, ich habe trotz intensiver Bemühungen keinen einzigen der Texte verstanden. Die Bezüge zu Richard Nixon sind trotz des wohl programmatisch gemeinten Album-Titels so versteckt und abgehoben, dass der Durchschnitts-Europäer sie nicht versteht. Das Album atmet eine ätherische Leichtigkeit, jeder Song ist in warme, fliessende Farben gekleidet ... so, als hätten Lambchop ihr Leben in einer Sekte auf dem Lande verbracht und noch nie etwas von Rock, Punk, Grunge und Industrial gehört ... da das nicht sein kann, ist diese musikalische Idylle also trügerisch und es ist bewusste Ironie zu vermuten. In der Tat sind die Gitarren so clean, das Schlagzeug wird mit Besen getrichen, es gibt zarte Streicherströme, sonnige Bläsersätze, ekstatische backing vocals und der Sänger Kurt Wagner parliert und fistelt vornehm, niemals schreit, röhrt oder heult er. Offenbar handelt es sich beim Titel "Nixon" also um eine (ironisch überzeichnete) musikalische Remineszenz an den cleanen Country und Soul der Jahre von Nixons Amtszeit zwischen 1969-1974. Ich vermute, dass Lambchop damit die Atmosphäre insgesamt desjenigen Amerikas treffen wollte, aus dem Nixon kam und die seine Wahl zu Amerikas erstem Mann ermöglichte.
Ich kann nur sagen, dass mich der eigentümliche Sound des Albums nach einigen Malen Hören (!) süchtig gemacht hat. Es ist zwar alles sehr zurückgenommen, sparsam und unaufdringlich ("langweilig" sagt meine Frau), nur wenige musikalische Ideen stellen den Rahmen für einen Song, aber die beiden Titel "Grumpus" und "Up With People" bewirken bei mir ein Gefühl, als ob an einem Sommerabend die tief stehende Sonne einem das Gehirn flutet und man plötzlich alle Sommer in sich spürt, die jemals über die Erde gingen und man alle Personen ist, die jemals im Sommer lebten. Klingt sehr pathetisch, aber ich glaube, dass Lambchop genau diese Absicht hatten, dass nämlich ihre These ist, dass es eben dieses gefährlich sonnige Selbst-Erleben der Amerikaner ist (eine Mischung aus Naivität, Optimismus und Selbstvertrauen), welches die beiden schweren 70er-Traumata der Amerikaner in Nixons Amstzeit, Vietnam und den Watergate-Skandal, überhaupt erst ermöglichte.
Für "Fünf Sterne" fehlen dem Album aber noch ein oder zwei wirklich gute Songs mehr und bessere Verständlichkeit der Lyrics.