Amerika in einer nicht allzu fernen Zukunft. Jimi ist ein Programmierer. Er programmiert spiele, eins pro Jahr. Und er verdient damit viel Geld. Allerdings ist er, seit seine Freundin ihn verlassen hat in Lethargie verfallen und vegetiert vor sich hin, nur noch an dem neuen Spiel programmierend und sonst nichts mehr machend. Dann, drei Tage vor Release des Spiels, wird dieses von einem Virus befallen, sein Hauptprotagonist findet heraus, dass er nur eine Computerspielfigur ist, findet das ungemein unbefriedigend und bittet Jimi darum, ihn zu löschen. Das ist allerdings nicht so einfach, da sich noch eine Kopie des Spiels auf der Datenbank der Spielefirma befindet. Also macht sich Jimi auf, um in diese einzubrechen und außerdem den Spuren zu folgen, welche seine Freundin bei ihrem Verschwinden hinterlassen hat. Eine atmosphärisch wie philosophisch beeindruckende Tour durch die Welt der Zukunft beginnt...
Immer wieder wird dieser Film mit Matrix verglichen, was ich um ehrlich zu sein überhaupt nicht nachvollziehen kann. Matrix beeindruckt hauptsächlich durch überbordende Spezialeffekte und einer Vielzahl pseudophilosophischer Sprüche und religiöser Zitate (was wie ich zugeben muss zusammen einen sehr guten Film ergibt), basierend auf der Idee, dass man in einer Computerwelt gefangen ist und aus dieser ausbricht. Es ist im Grunde die inoffizielle Fortsetzung von Ghost in the Shell.
Nirvana wiederum ist anders gestrickt. Hier ist nicht der Mensch das irreale Wesen, sondern die Computerspielfigur, welche sich dessen aber auch bewusst ist, vor allem, dass sie nie in die wirkliche Welt wechseln kann (und niemals aufhören kann zu spielen).
Dies ist auch einer der Haupthandlungsstränge: die Erlebnisse von Solo (der Spielfigur) in dem Computerspiel, als einzige Figur darin, welche sich dessen bewusst ist, und nach einem Ableben im Spiel sein Gedächtnis behält. Dabei ist dieser Plot filmisch abgegrenzt vom zweiten durch eine monochrom gehaltene Farbgebung mit wenigen Farbtupfern, welche immer wieder mal den Farbton wechseln (vor allem das Kleid und der Lippenstift einer Nebendarstellerin, welche immer, auch nach einem Farbwechsel, den gleichen Farbton haben. Muss man gesehen haben, einfach göttlich).
Der eigentliche Hauptstrang - Die Reise Jimis seiner Freundin hinterher - ist in normalen, wenn auch düsteren Farben gehalten, wobei hier die Detailfülle auffällt, mit welcher der Regisseur seine Welt angereichert hat. Da erläutert dann auch schon mal auf einer Großleinwand in den Slums ein Junge namens "Joker" den Kids äußerst anschaulich die Verfügbarkeit und Wirkung der "neusten Drogen, welche diese Woche in die Stadt gekommen sind". Für die Handlung ist das eigentlich unwichtig, ist aber ein gutes Beispiel dafür, wie der Regisseur es schafft, durch solche Nebensächlichkeiten, welche im Hintergrund ablaufen, eine Atmosphäre zu erschaffen, welche die Welt der Zukunft beschreibt, und welcher man sich nur schwer entziehen kann.
Allerdings muss man sich auf den Film auch einlassen können, und ein gewisses philosophisches Vorwissen wäre von Vorteil. Philosophie wird hier zwar nicht direkt angesprochen, spricht aber fast aus jeder Szene. Ein Film, bei dem man nachdenken muss, um ihn wirklich verstehen zu können.
Dies vor Allem auch, da er immer wieder zwischen den verschiedenen Ebenen hin und her springt: Der Spielwelt des Computerspiels, der normalen welt (in welcher Jimi aber auch immer wieder mal über den Monitor mit seiner Computerspielfigur spricht), der "Gegenwart" (Im Grunde ist der Hauptstrang nur eine Erläuterung, wie es zu der gegenwärtigen Szene gekommen ist, und auf welche sich der Plot die meiste Zeit des Films zubewegt; diese wird immer wieder mal gezeigt, und die Stimme von Jimi erläutert aus dem Off neue Begebenheiten. Das ganze geht so weiter bis diese Szene schließlich vom Handlungsstrang eingeholt wurde, wonach beide verschmelzen), sowie schlussendlich immer wieder Einspielungen eines Abschiedsvideos, welches Jimis Freundin Lisa ihm da gelassen hat. Genau dieses Springen zwischen den Ebenen macht diesen Film so komplex, aber auch so reizvoll.
Was die Welt angeht, in welcher der Film spielt, sowie das Genre, so kann beide am ehesten dem Cyberpunk nach William Gibson zuzurechnen, wobei das mehr die Atmosphäre und die Terminologie angeht und weniger die Spezialeffekte. Wer also "Newromancer" gemocht hat oder gerne "Shadowrun" spielt, dem kann ich diesen Film nur wärmstens ans Herz legen.
WIe gsagt: Cyberpunk at it's best!
P.S. Nur das Ende habe ich bisher immer noch nicht wirklich verstanden