...und eigentlich auch wieder der Anfang, zumindest bei mir bleibt dieser Eindruck nach der letzten Folge. Die Staffel an sich konnte sich nach der eher durchgeknallten fünften Season wieder sehen lassen, letztendlich muss ich aber gestehen das ich froh bin das es jetzt vorbei ist. Ehrlich gesagt war ich es am Ende dann auch wirklich leid mir den Kreislauf aus Elend, falscher freundschaftlicher Verpflichtung, dem Festhalten an alten Gewohnheiten, dem nicht loslassen können und auch irgendwie absoluter Verzweiflung in todschicker Verpackung, anzusehen.
Nicht falsch verstehen, mit Nip/Tuck verabschiedet sich eine der besten Serien der letzten Jahre vom Markt, aber man muss auch einfach einsehen das man das Rad hier nicht neu erfindet und auch nicht erfinden kann. Den Protagonisten geht es dementsprechend auch allesamt an den Kragen. Was sich für manchen wie ein Happy End für alle anfühlen mag hinterlässt bei mir eher den schalen Beigeschmack einer sich endlos hängenden Platte. Auch wenn man vordergründig das Gefühl hat die Charaktere hätten sich weiterentwickelt so ist das eigentlich nicht der Fall. Alle Fehler die seit der ersten Folge gemacht wurden, wurden endlos wiederholt und selbst jetzt mutet es an, dass man durch Ortswechsel und Trennung aller Beziehungen untereinander zwar einen Neuanfang versuchen will, dies aber schon von vornherein unmöglich scheint da sich keiner wirklich geändert hat und jeder dazu prädestiniert ist, seine Fehler auch weiterhin endlos zu wiederholen. Ich möchte hier nicht einzeln auf Charaktere eingehen um den Leuten die es noch nicht gesehen haben nicht vorzugreifen.
Einzig Kimber hätte ich ein Happy End gewünscht, von allen Protagonisten scheint sie die einzige zu sein die nicht nur ein furchtbarer Egoist war, und sie zerbricht letztendlich am Egoismus und der Gefühlskälte aller anderen. Und auch diese haben im Endeffekt genau das bekommen was sie verdient haben. Das Ende selbst mutet etwas unkoordiniert an, bereits in der vorletzten Folge wartet eine alte Bekannte mit neuen Problemen auf und das Finale an sich erinnert eher an das Finale einer vorherigen (meiner Meinung nach der besten) Staffel der Serie. Denn wie ich bereits eingeleitet habe ist das Ende gleichzeitig der Anfang und es bleibt eine unschöne Leere mit bitterem Beigeschmack zurück. Als könnte man einfach wieder von vorne anfangen und es ändert sich nichts. Aber vielleicht ist genau das die Botschaft: Die Menschen ändern sich nicht wirklich, nur wenn man sie dazu zwingt und selbst dann nicht unbedingt. Eine Katharsis erfahren wohl nur die wenigsten Menschen in ihrem Leben, und genau das reflektiert Nip/Tuck und hält uns in diesem Moment unschön den Spiegel vor. Tell me what you don't like about yourself...
Was mir ebenfalls etwas bitter aufstößt ist das mehr als magere Bonusmaterial. Eine einzige Dokumentation ist auf Disc 5 enthalten, und in der dreht es sich nicht um die Serie sondern um psychologische Hintergründe, auch kommt keiner der Darsteller zu Wort. Sehr sehr schade. Ich hätte mir schon Interviews mit Cast & Crew gewünscht, Reflektionen und Gedanken zur Geschichte ihrer Figuren und zum Ende. Für diesen Preis könnte man das durchaus erwarten.