TCSO ist eines der Spiele, bei denen einem zwangsläufig der Gedanke kommt, dass die Bewertung von 1-5 Sternen nicht ausreichend differenziert ist. Das Spiel hat zwar einige Macken, die hinsichtlich ihrer Quantität und Qualität jedes andere Spiel auf eine 3-Sterne-Bewertung degradieren würden, aber TCSO macht dennoch einen riesigen Spaß, so dass 3 Sterne ungerechtfertigt scheinen. Deshalb habe ich mich letztendlich entschieden, dem Spiel 4 Sterne zu geben. Im folgenden erläutere ich die Vor- und Nachteile.
Story:
Die Story ist spannend und nicht zu abgehoben. Die medizinischen Aspekte und Folgerungen erscheinen dem Laien weitgehend logisch. Die Charaktere werden glaubwürdig dargestellt und wirken trotz des geringen Umfangs nicht zweidimensional.
Die Story wird zwar behutsam aufgebaut, allerdings wirkt sie im späteren Verlauf, sobald es um den GUILT-Erreger (eine neue Krankheit, die im Zentrum des Spiels steht) geht, verknappt und abgehackt, gerade so, als wäre kein Platz für weiteren Stoff gewesen. Gerade als man in die Haupthandlung eintaucht und glaubt "nun geht der Kampf gegen die Krankheit so richtig los", dauert es schon nicht mehr lange bis zum Ende des Plots. Ich würde mich hier gerne anhand eines Beispiels präziser fassen, dies ist aber ohne einen Spoiler nicht möglich. Deshalb werde ich nicht weiter darauf eingehen (können).
Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich um eine eigentlich intelligene Story mit guter Einleitung handelt, die im späteren Verlauf nicht vernünftig ausgebaut wurde und somit für ein appruptes Ende sorgt.
Grafik und Sound:
Die Grafik außerhalb der Operationen beschränkt sich auf Standbilder im Manga-Stil (demzufolge gibt es auch keine frei begehbare Welt). Das ist sicherlich nicht mehr zeitgemäß, aber zweckmäßig und hinsichtlich des Genres auch sinnvoll. Innerhalb der Operationen erscheint die Grafik plastischer, auch wenn sie nicht sonderlich detailgetreu ist. Die Darstellung von Blut ist farblich korrekt und (sinnvollerweise) so umgesetzt, dass der Ekelfaktor ausbleibt.
Der Sound gehört zu den Sonnenseiten des Spiels. Die Musik nervt zu keinem Zeitpunkt und transportiert immer den gewünschten Effekt, sei es Trauer, Gefahr oder Hektik.
Die Steuerung:
Die Steuerung ist sehr präzise und die Tastenbelegung ist sinnvoll. Zu Ungenauigkeiten kommt es nur in wenigen Szenen. Mit dem Nunchuck wählt man das jeweilige Operationsinstrument aus und mit der Wiimote bringt man es zum Einsatz. Während Skalpell und Laser mit einer einzelnen Taste benutzt werden, muss man die Pinzette mit zwei Knöpfen bedienen (A+B), so dass wirklich das Gefühl entsteht, man würde mit einer Pinzette zugreifen.
Der Schwierigkeitsgrad:
Der Schwierigkeitsgrad ist leider sehr unausgeglichen, auch innerhalb der zu jedem Zeitpunkt veränderbaren Stufen "leicht", "mittel" und "schwer". Der Schwierigkeitsgrad "leicht" ist genau so zu verstehen. Die meisten Operationen sind extrem einfach und man benötigt nicht einmal die Besondere Fähigkeit des Protagonisten, mit der die Zeit verlangsamt wird.
Der Schwierigkeitsgrad "mittel" (auf dem ich das Spiel vorwiegend durchgespielt habe) schwankt massiv von einfachen Operationen bis hin zu einigen OPs die unverhältnismäßig schwer sind. Ich musste bei drei OPs auf "leicht" wechseln (obwohl ich sehr geschickt bin).
Den Schwierigkeitsgrad "schwer" habe ich demzufolge noch nicht probiert. Man kann aber davon ausgehen, dass dieses Level wirklich sehr frustierend werden kann.
Spielumfang:
Der zweite wesentliche Kritikpunkt neben dem Schwierigkeitsgrad. Ich las häufig von einer Spielzeit zwischen 15 und 20 Stunden. Das hielt ich für sinnvoll und angemessen. Tatsächlich hatte ich das Spiel nach 7 Stunden und 20 Minuten beendet. Es enthält 40 "Operationskapitel", welche jeweils eine Operation enthalten. Ausnahme sind drei Kapitel, die vier bzw fünf Operationen enthalten. Spricht man hier von 15-20 Stunden Spielzeit, muss man wohl das durchspielen mehrerer Schwierigkeitsgrade und die fehlgeschlagenen Operationen einkalkulieren. Aber das ist ja eigentlich nicht Sinn der Angabe der Spieldauer.
Wie Hohn erscheint es einem als Spieler, dass der Bonus nach dem Durchspielen der Story gerade darin besteht, dass es eine Handvoll Zusatz-OPs gibt, die nur im neuen Schwierigkeitsgrad "Extrem" gespielt werden können. Hier braucht man nahezu übernatürliche Schnelligkeit.
Die Operationen:
Die Operationsdauer beschränkt sich meist auf 5 Minuten pro Eingriff. Der Entwickler des Spiels war bemüht, für Abwechslung zu sorgen. Das ist ihm mMn hinsichtlich des vorhandenen Materials nur teilweise gelungen. Es gibt eine handvoll Operationen, die sich in Puzzlespielen und Operationen zur "Informationssammlung" äußern. Zudem gibt es noch eine ganz spezielle OP, die ich der Spannung halber nicht näher beschreiben möchte.
Von der zentralen Krankheit des Spiels namens "GUILT", um die sich die Story rankt, gibt es mehrere Stämme, die allesamt anders behandelt werden müssen. Leider ist es so, dass man es nach der ersten Begegnung mit GUILT auch in den späteren OPs fast nur noch mit den GUILT-Stämmen zu tun bekommt. Außerdem werden fast alle Operationen an Brust und Bauch durchgeführt. Alle anderen Körperteile bleiben bis auf Ausnahmen außen vor.
Es bleibt die Frage, weshalb die Entwickler nicht mehr reale Krankheiten eingebaut haben, die sich besser auf den menschlichen Körper verteilen.
Letztendlich ein gutes Spiel, dem wegen geringer Spieldauer, unausgewogenem Schwierigkeitsgrad und einer etwas unglücklichen Verteilung der verschiedenen (und zu wenigen) Krankheiten der Hit-Status verwehrt bleibt.