Guten Tag, Pokemaniacs,
als Pokemon-Fan der ersten Stunde fühle ich mich nahezu verpflichtet, eine Rezension zu diesem Spiel zu verfassen. Unter Qualen habe ich die Hauptgeschichte von Pokemon - Schwarze Edition hinter mich gebracht und bezweifle, dass es anmaßend ist, meine Erkenntnisse auch für den ebenso entstellten Bruder Pokemon - Weisse Edition gültig zu machen.
Vorwarnung: Diese Rezension könnte etwas anders werden, als die Üblichen. Denn hier spricht ein Fan und Ex-Süchtling, der nicht sämtliche positiven Kritiken rezitiert, sondern die an den Spieler übertragenen Emotionen mit jenen vergleicht, die bisher alle Pokemon-Spiele transportieren konnten.
EINLEITUNG - GESCHICHTE EINES SÜCHTIGEN
DAS... ist kein Pokemon
Gestattet mir, diese Aussage durch eine kleine Anekdote genauer zu erklären:
Als ich im Alter von 8 Jahren, zusammen mit meinem ersten GameBoy das Spiel Pokemon - Blaue Edition bekam, veränderte sich meine Welt.
Ich tauchte ein in eine geheimnissvolle Welt, voller Rätsel und kniffliger Aufgaben und war stets begeistert von meinen schlagkräftigen Begleitern.
2 Jahre später:
Die sonne geht bereits golden auf und silber wieder unter, nichts ist wie vorher. Alles noch bunter, freier und geheimnisvoller.
Wen ich respektiere? Prof. Eich, klaro!
Wen ich fürchte? Team Rocket, wen sonst!
Ein angehender Teenager wurde voll vom Marketingmodell Pokemon erfasst. So sehr, dass die guten Erinnerungen in sämtlichen Details auch 12 Jahre später noch vorhanden sind.
vor 2 Jahren kaufte ich mir mit großer Begeisterung das spiel Pokemon - Goldene Edition: Heartgold und griff erschreckenderweise sofort alte Suchtmuster wieder auf. Dieses Spiel war Liebe! In ihrer reinsten Form - gebündelt um durch die Fans in Geld umgewandelt zu werden.
Begeistert von der stets hochwertigen Arbeit der Entwickler, kaufte ich mit großen Erwartungen das Spiel Pokemon - Schwarze Edition... hier endet die Einleitung...
BEWERTUNG:
Das Spiel beginnt wie üblich in einem kleinerem Dorf, mit Pokemon Labor, Mutter, Freunden und Co. Man freut sich rießig darauf, die neue Einall-Region zu erkunden und auf all ihre Bewohner zu treffen. Neu eingeführt werden gleich zu Beginn 2 gleichaltrige Charaktere die ebenfalls im Alter von ca. 10 Jahren die häußliche Erlaubnis bekommen haben ihr restliches Leben als Landstreicher zu verbringen. Aber das war nur ein Vorurteil meinerseits, denn schnell stellt sich heraus, dass deine neuen Freunde verkannte Sozialpädagogen sind, die sich schweren Herzens dazu bereit erklären werden, dir auf Schritt und Tritt zu folgen und dich mit einem gefühlten Anteil von 50% der Spielzeit in ihrer Weisheit zu unterrichten. Das ganze fühlt sich während der Hauptgeschichte wie ein Railgame an. Völlig ohne Freiheiten.
Weiterhin fällt auf, dass die weiteren Personen in den Spielen sehr sehr gütig geworden sind. So werden einem sehr häufig VM's, Key-Items und sogar Pokemon, meist durch "schicksalhafte Begegnungen" geschenkt.
Wenn man nun genauer ins Detail geht, müssen wir uns auch den neuen Pokemon widmen, die in dieser Welt erstmals vorkommen. Wie schon von einigen Vorrednern erwähnt handelt es sich hier bei den meisten um unkreative Abklatsch-Versionen von Pokemon aus vergangenen Generationen. (Stichwort: Wie hässlich können Bieber noch werden?) Läuft da in den letzten Jahren ein Artwork-Contest bei den Entwicklern? Weiter an Daseinsberechtigung verlieren viele der neuen Wesen durch die absolut bescheuerte Namensgebung. Wohl eher ein Verdienst der deutschen Übersetzer, aber die meisten von uns Spielen nunmal die deutsche Verkaufsversion. Viele Pokemonnamen stammen seit jeher aus Verwandschaft zu realen Begriffen/Figuren oder aus Wort-Zusammensetzungen. Nicht alle davon waren kreativ, auch in der Vergangenheit. Aber noch nie gab es derart viele literarische Crashs wie diesmal. Zahnräder wie Clickclack oder Stahlträger namens Meistagriff brachten mich beim betreten des hohen Grases mehrmals dazu, frustriert in die Tischkante zu beißen. Die restlichen Elemente des Spiels verhalten sich ähnlich wie in den Vorgängerspielen. Nur leider begleitet, durch nie enden wollende Dialoge und ständige Wiederholungen bereits bekannter Informationen. Man kommt sich vor wie in einem Spiel das ausschließlich für 4-jährige entwickelt wurde. (Meine Mitteilungsbedürftigen neuen Freunde, bin ich bis zum Schluss nicht losgeworden)
Der nächste Punkt wäre die graphische Umsetzung. Auch in diesem Punkt begegne ich den ganzen Lobeshymnen bekannter Fachzeitschriften sehr verblüfft. Beim gewöhnlichen Herumlaufen auf den Routen mag man sich ja daran gewöhnen und einige Tiefenelemente sind sogar relativ klug in den Spielverlauf eingebaut (z.B in den meisten Arenen). Aber bereits bei meinem ersten Pokemonkampf dachte ich mir nur: Was ist den das??? Ich wusste nicht, ob das von mir gewählte Startpokemon für mich kämpft oder der Haufen Dachziegel, der vor meinem Haus rumliegt. Was sich die Entwickler dabei gedacht haben, so einen starken Zoom auf die eigene Seite zu richten kann ich nicht verstehen. Wen man so will, könnte man die Pixel zählen. Ebenso nervig sind die maßlos übertriebenen 3D-Effekte an Orten wie Stratos City oder einigen ausgewählten "Sehenswürdigkeiten". Anstatt die neuen Objekte zu erkunden, darf man meistens sehr lange Kamerafahrten genießen und sich von einzelnen Pixeln in die Nase piken lassen.
Ein letzter negativer Punkt sind die Online-Registrierungspflichtigen Zusatzfeatures. Spieloptionen wie Dreamworld oder Global Link werden später zu einem wichtigen Bestandteil des Gameplays, sind aber zum Teil ziemlich kompliziert und für jüngere Spieler schwer nutzbar (Vermutlich auch durch den benötigten Internetzugriff). Ich möchte bei einem Pokemon-Spiel nicht erst das Handbuch studieren müssen.
Es folgt noch eine Abschließende Zusammenfassung:
POSITIV:
- Die Hauptgeschichte ist gut durchdacht und unterscheidet sich sehr von der, der anderen Editionen. Gute Ortsbezeichnungen.
- Insbesondere die Geschichte von Team Plasma und die Rolle des Trainers N sind sehr fesselnd.
- Die vier Jahreszeiten und ihre Wirkung im Spiel können überzeugen.
- Dreifachkämpfe und die neuen Kampfzonenelemente sind eine gute Idee.
NEGATIV:
- "Pokemon-Feeling" kommt nicht auf, man fühlt sich nie wirklich zu Hause in dem Spiel.
- Die graphische Umsetzung übersteigt die Möglichkeiten des Nintendo DS und ist daher völlig misslungen.
- Die Pokemon der 5. Generation wirken sehr lieblos. (Abwandlungen von älteren Pokemon, Namensgebung, Artwork)
- Sehr komplizierte Zusatzfeatures, mit denen sich selbst ältere Spieler schwer tun. (C-Gear, Dreamworld, Global Link)
- Es ist mittlerweile nahezu unmöglich den Pokedex zu vervollständigen, da viele Pokemon nur über spezielle, zeitlich begrenzte Events über Download erhältlich sind.
SCHLUSS:
Als abschließende Bemerkung weiße ich darauf hin, dass diese Bewertung fast ausnahmslos durch subjektive Eindrücke verfasst wurde. Daher behaupte ich nicht, dass diese Empfindungen auf alle Fans zutreffen. Vorallem die jüngeren Fans werden dieser Rezension möglicherweise wütend begegnen. Dies liegt aber nur daran, dass diese vermutlich nur Erfahrungen mit der eben rezensierten Low-Budget-Technikdemo haben, aber noch nie ein Pokemonspiel in Händen hielten. Ich als Fan der ersten Stunde, heute 22-jähriger Student aber bin sehr enttäuscht von diesem Spiel.
LG Finaroth