Nach dreijähriger Abstinenz dürfen die Brüder Mario und Luigi wieder ran: Der dritte Teil der gleichnamigen Handheldserie bzw. das siebte Rollenspiel der Mario-Franchise wartet. Der deutsche Titel 'Mario & Luigi: Abenteuer Bowser' sagt erstmal nicht viel, doch der englische Titel ('Mario & Luigi: Bowser's Inside Story') verrät, dass sich die Schnauzbärte in Bowser befinden. Warum? Um das zu verstehen, müssen wir die Zeit zurückspulen'
Die Hauptstadt der Pilzköpfe, Toad Town, ist in Aufruhr. Eine mysteriöse Krankheit, die sogenannte Metabowlie, lässt alle Toads zu riesigen Bowlingkugeln anschwillen und sie unkontrolliert umherrollen. Alle Erkrankten haben eines gemeinsam: alle kauften sie bei einem unbekannten Händler im Wald den 'Metabovisten', einen Pilz, der natürlich sofort verspeist wurde. Peach, die wichtigen Toads wie z.B. Toadsworth oder Toadbert und selbst die Sternengeister haben kein Heilmittel. Ein Konferenz zur Problemlösung wird einberufen, natürlich werden die beiden Klempner nicht vergessen. Urplötzlich taucht Bowser auf, mit dem Gedanken spielend, Peach zu entführen. Erneut scheitert der Feuerspeier an den Protagonisten. Nach der Niederlage im Kampf, an dessen Ende der König der Koopas in den Wald geschleudert wurde, sieht Bowser den unheimlichen Händler. Die verhüllte Gestalt verspricht, dass der 'Glückspilz' der Echse solche Kräfte verleiht, die ausreichen würden, um Mario endgültig zu besiegen. Bowser nimmt das Angebot lachend an, die Warnungen seines Schergen Magikoopas ignorierend. Kurz nach dem Verputzen des Pilzes, beginnt jener zu wirken ' jedoch nicht so, wie er sollte. Staubsaugerartig wird auf dem Weg zum Schloss und in jenem selbst alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in Bowsers Mund gesogen. Auch unsere Helden, dazu noch Peach, Toads und jede Menge feindlich gesinnter Lebewesen. Plötzlich enthüllt sich der Verkäufer als Krankfried, der ehemalige Gehilfe Lugmillas, welche wiederum der Oberboss in 'Mario & Luigi: Superstar Saga' war. Krankfried hat die Aspiration, die Welt zu unterjochen, mit Bowsers Festung als Stützpunkt. Ihm unterstellt ist ein weiterer Fiesling, das auf zwei Beinen stehende rosa Wildschwein namens 'Metaboss', unentwegt darauf erpicht, Bowser die stirn zu bieten. Unsere rot- bzw. grünbemützten Freunde wollen zusammen mit Glitzerstern, dem Sternengeist, lediglich die Toads und Peach retten.
Der eben genannte Sternengeist ist die gut eingebaute, subtil arbeitende In-Game-Hilfe, zur Unterstützung bei Problemen oder scheinbaren Sackgassen. Mario und Luigi durchforsten auf der Suche nach Freunden Bowsers Körper und treffen dabei auf eingesaugte Gegner, Bekannte oder körpereigene Wesen, wie die Hämoglobine oder die Leukozyten. Auch der Erzrivale Bowser muss ab und an unterstützt werden, beispielsweise müssen seine Muskeln auf Trab gebracht werden, damit der Weg freigeschoben werden kann, oder die verstopfte Feuerdrüse muss auf die Ursache hin untersucht werden. Bowsers Körper verändert sich auch, trinkt Bowser z.B. Wasser, füllt sich sei Magen dabei. Dabei werden die Kämpfe wie gewohnt in Rundenmanier ausgetragen, derjenige mit dem höchsten Wert bei 'Geschwindigkeit' fängt logischerweise an. Man wählt zwischen Sprung, Hammer, Spezialattacke, Item oder Flucht. Um mit den Attacken den größtmöglichen Schaden anzurichten, muss man den Knopf mit dem richtigen Timing drücken. Nach dem Angriff muss man sich vor den Attacken des Gegners bzw. der Gegner schützen. Ist der Feind im Anschluss besiegt, so erhält man auch Erfahrungspunkte, um auch Level aufzusteigen. Angriff, Verteidigung oder sonstiges wird aufgebessert, sodass man perfekt austrainierte Kämpfer erhält. Durch den Vakuumblock kann der aggressive Obermotz Bowser Gegner einsaugen, wodurch Mario und Luigi den Gegner im Körper besiegen. Die Abwechslung zwischen den ungleichen Verbündeten ist auch abgewägt worden, Langeweile kommt also nicht auf.
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Der obere Bildschirm gehört Bowser, während auf dem unteren Mario und Luigi herumhüpfen. Außerdem bekommt Bowser die Knöpfe X und Y spendiert, die entweder einen Schlag oder den Feuerodem auslösen. Mario muss sich mit dem A-Knopf, Luigi mit dem B-Knopf begnügen. Mit dem R-Trigger wechselt man zwischen Sprung und Hammer, ausgeführt wird jedoch mit den vorher genannten Knöpfen. Verteidigt wird entweder durch Ausweichen bzw. Verstecken ' Bowser zieht sich in seinen schützenden Panzer zurück, die Italiener springen einfach über die Objekte hinweg ' oder durch einen Konter, bei dem einfach zugeschlagen wird: Bowser mit der Faust, die Brüder mit dem Hammer. Nur bei einigen Sonderattacken oder Ereignissen, die wie Minispiele ausgetragen werden, findet der Touchpen Gebrauch. Das Mikrofon wird nur einmal bei einem besonderen Kampf benötigt, was einfach zu selten und deshalb schade ist. Die Steuerung geht nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über, auch die Erkennung des Mikrofons und des Touchpens sind absolut zufriedenstellend. So manche Herausforderung macht dem Namen alle Ehre, sodass man gezwungen ist, diesen Abschnitt nochmal zu versuchen. Manches jedoch ist zu einfach geraten. Dennoch ist der Schwierigkeitsgrad gut gewählt, denn ein zu hoher Frustfaktor ist bei den meisten Spielen logischerweise ein K.O.-Kriterium. Hier hält er sich glücklicherweise relativ stark in Grenzen. mario-luigi-abenteuer-bowser-screenshot-2-worldofvideogames-de
Eine Grafik wie Zuckerguss, bestehend aus einer Mischung von Super Mario RPG und Comics, lädt zum Spielen ein. Saubere Kanten und bunte Töne dominieren das kindliche Gesamtbild. Doch auch Erwachsene können sich mit dem Grafikstil anfreunden, schließlich wird auch auf lustige Szenen gesetzt. Apropos lustig: Auch hier fehlt der schräge Humor, der die Mario-Rollenspiele auszeichnet, natürlich nicht. Untermalt wird das ganze von skurrilen Effekten und je nach Situation entspannenden Klängen oder donnernenden Pianos. Am meisten überzeugt die schöne und wohl durchdachte Geschichte, welche schon von vielen Kritikern hoch gelobt wurde ' dem kann man kaum widersprechen. Auch unvorhergesehene Dinge passieren, und das nicht sehr selten. Leider sind die vereinzelt eingestreuten Rätselpassagen zu einfach.
Abschließend muss man eine Kaufempfehlung für das Spiel von AlphaDream aussprechen, denn es bildet einen genialen, witzigen dritten Ableger der 'Mario & Luigi'-Serie. Selten hatte ein Spiel so viel Charme, einen hörenswerten Soundtrack, so eine schöne visuelle Darstellung und einen irrwitzigen Humor. Zumindest auf einem Handheld, denn als Konsolenalternative wäre die 'Paper Mario'-Serie zu nennen oder als Classic 'Super Mario RPG'. Die Kehrseite der Medaille sind die zu rar gesähten Touchpen- und Mikrofoneinsätze. Der Wiederspielfaktor ist hoch, das mehrmalige Erkunden Bowsers und das Bekämpfen der knuffigen Feinde macht nämlich immer wieder aufs Neue Spaß.