Da haben die Nintendo-Designer wider ganze Arbeit geleistet. Nachdem der 1. Teil auf dem SNES bzw. GBA die Sucht in mir geweckt hatte und ich den 2. Teil auf dem N64 besonders grafisch und steuerungstechnisch doch ziemlich enttäuschend fand, haben sich bei diesem 3. Teil alle meine Erwartungen erfüllt.
Das neue Gameplay mit 2 Fahrern ist eine echte Innovation, besonders, weil sich nicht mehr gegenseitig im Kampf um den ersten Platz zerfleischt. Man kann ganz locker mit dem besten Kumpel oder der Freundin zusammen auf einem Kart ein Match fahren, der eine fährt, der andere boxt oder schießt.
Die Strecken sind am Anfang nicht allzu zahlreich. Es gibt vorläufig nur 12. Allerdings ist deren Design so dere maßen abwechslungreich ausgefallen, dass prinzipiell keine von ihnen langweilig wird. Und wehe dem, der nicht alle Grand Prixs in allen Klassen auf Goldpokal-Niveau durchgespielt hat, ich sage nur: es entgeht euch ganz gewaltig etwas! Neue Strecken und eine Unmenge an neuen Karts, sowie zusätzliche Charaktere (wer sich fragt, warum Toad angeblich nicht im Spiel ist, erhält hier die Antwort).
Kommen wir zu Schwierigkeitsgrad. Auf den ersten beiden Klassen, 50 ccm und 100 ccm, lassen sich die begehrten Goldpokale noch relativ einfach beschaffen. Auf 50 ccm wird man vom Computer gar nicht, auf 100 ccm nur selten behelligt.
Fies wird es erst auf 150 ccm. Hier wird man so dermaßen oft von einem Führungspanzer auf die hinteren Plätze verwiesen, dass es schon etwas an den Nerven reißt. Oder man gerät in wahre Beschusswellen: 3 oder 4 rote Panzer auf einmal lassen einen schnell zurückfallen. Und wem bis dahin noch nicht aufgefallen ist, dass man, wenn man sich auf dem 1. Platz befindet fast immer von demselben Fahrerpaar auf dem 2. Platz gejagt wird, der wird sich spätesten bei einer Pechrunde auf dem 6. oder 8. Platz fragen, wo denn auf einmal seine Punkteführung hin ist. Das Spiel macht also im höchsten Schwierigkeitsgrad mächtig Druck. Bisweilen zuviel für meinen Geschmack. Hat man nämlich erst die Meisterschaften freigespielt und fährt alle 16 Strecken in wechselnder Reihenfolge, dann kann ein 2. oder 3. Platz schon für enormen Frust sorgen, da alle Strecken zusammen etwa 1 Stunde Zeit benötigen.
Hier hat Nintendo etwas geschludert. Ist die Spielbalance im leichten und normalen Schwierigkeitsgrad noch relativ ausgewogen, wird sie auf "Schwer" schon ziemlich unfair. Das könnte grade bei jüngeren Spielern für Dauerfrust sorgen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass dieses Game mit der Zeit einen solchen Suchtfaktor entwickelt, dass der Frust gerade mal 4 oder 5 Minuten dauert... und schon ertappt man sich wieder bei einem erneuten Versuch.
Grafisch ist das Spiel in einer eigenen Liga anzusiedeln. Hier geht es nicht um Realismus sondern um Spaß und Abwechslung. Die Designer haben dieses Prinzip meiner Meinung nach 100%ig konsequent durchgezogen. Das Ergebnis ist eine Knallbunte Spielwelt, die auf die technischen Finessen beispielsweise eines PC verzichtet und den Spaßfaktor groß schreibt. Das sieht man auf den ersten Blick. Besonders in Sachen Schärfe gibt ein gehöriges Plus zu verzeichnen. Wer sich auf dem N64 noch über verschwommene Ränder und Texturen mockierte, kommt hier voll auf seine Kosten.
Auch der Sound weiß zu überzeugen. Bis auf das peinliche "Niiiiiiiintendo!" am Anfang ist alles so, wie es sein soll. Stimmige Musikuntermalung und witzige Sprachfiles der einzelnen Figuren verfehlen ihre Wirkung nicht.
Die Steuerung ist ebenfalls gelungen, auch wenn die Karts bisweilen etwas langsam auf den Stick reagieren. Ansonsten lassen sie sich präzise steuern, was nicht zuletzt mit dem soliden NGC-Controller zutun hat. Wer den wabbeligen und klapprigen Stick des N64-Controllers kennt, weiß, wovon ich rede. Das ist hier nicht mehr der Fall.
Alles in allem ein grundsolides Spiel, dass bis auf ein paar kleine Schwächen in der Spielbalance vollkommen überzeugt. Und der Suchtfaktor mach sowieso alles wieder wet! 1+ mit Stern!!!