Ich habe lange auf den Augenblick gewartet, meinen 3DS endlich wieder aus dem Schrank zu kramen. Nach vielen halbherzig designten Spielchen und wenigen Blockbustern (insbesondere Rollenspiele, die mich nicht angesprochen haben), war es nun endlich soweit. Nintendo wird schon seine Gründe gehabt haben, warum dieses Spiel so oft verschoben wurde und so lange auf sich warten ließ. Wer den ersten Teil auf den Gamecube bis zum Ende gespielt und sich durch sämtliche Räume der Geistervilla gekämpft hat wird dieses Spiel lieben und zu schätzen wissen. Einige Gamescom-Besucher in Köln kamen ja letztes Jahr bereits in Genuss einer Demoversion, bei der man einen Raum komplett spielen konnte und ich muß sagen, sowohl Grafik-, 3D-Effekt als auch der Spielspaß konnten mich überzeugen. Das Spiel ist eingängig und man findet sich sofort zurecht. Alle Features werden im Spiel gut erläutert, so das man erst gar keinen Blick in's Handbuch werfen braucht.
Die Story beginnt im Prinzip dort, wo die alte aufgehört hat. In alter Ghostbusters-Manier dürft ihr euch wieder gegen bunte Geister beweisen. Gerettet werden muss hier aber (vorerst) niemand. Stattdessen durchsucht ihr das Nachtschattental nach den in sechs Teile zersprungenen Finstermond, ein mondförmiger Kristall. Dessen Aura lässt alle Geister im Tal zahm und friedlich werden. Mit dem Verschwinden des Finstermondes ändert sich dies aber abrupt. Nun seid ihr gefragt. Unterstützt werdet ihr von einem alten Bekannten, Professor Gidd. Er managed die Suchaktion und unterstützt euch dabei mit Tipps und Hardware.
Während der Gamecube-Titel auf ein durchgehendes Spiel mit Savepoints setzte, ist Luigi's Mansion 2 in fünf unterschiedliche Areale und diese wiederum in mehrere Missionen unterteilt. Jede Einzelne unterhält dabei im Schnitt 20 Minuten und kann beliebig oft wiederholt werden. Gerade auf dem Handheld ein richtiger Schritt, möchte man hier oftmals doch nur kurz eine kleine Session einlegen. Kleiner Nachteil allerdings sind jedoch die fehlenden Savepoints innerhalb einer Mission. Verliert ihr all eure Energie, muss die Mission von vorn begonnen werden. Davor schützen kann euch nur ein goldener Hundeknochen, der in jeder Mission aber erst einmal gefunden werden muss.
Erfahrene Spieler wird das aber nicht stören, der Schwierigkeitsgrad ist absolut human und zieht während der Story mit und mit an. Dabei ist die Spielmechanik unverändert zum Vorgänger, wurde aber hier und da durchaus intelligent erweitert. Euer Hauptwerkzeug ist und bleibt der umfunktionierte Staubsauger, der dank einem kleinen Update nun den Namen Schreckweg 09/15 trägt. Interessanteste Neuerung ist aber die Düsterlampe. Mit ihr könnt ihr unsichtbare Dinge wieder sichtbar machen. So birgt jeder Raum seine Geheimnisse und will in jeder erdenklichen Art und Weise von euch erforscht werden. Ansaugen, rütteln, beleuchten, anpusten – in Luigi’s Mansion 2 gehört das zum Standard-Programm. Zu entdecken und sammeln gibt es einiges, so zum Beispiel besondere Diamanten, Geld und sogar versteckte Bonuslevel. Am Ende werdet ihr jeweils mit einem Rang belohnt und wer alle BuuHuus in einem Areal gefunden hat, der schaltet ein weiteres, dieses Mal eigenständiges Bonuslevel frei.
Nintendo hat sichtlich daran gearbeitet den größten Krititkpunkt von Luigi's Mansion auszubessern – die viel zu kurze Spielzeit. Die Story beschäftigt erfahrene Spieler nun etwa 13–15 Stunden. Entdeckt hat man dann in der Regel noch nicht alles. Wer darauf Wert legt kommt aber mit Sicherheit auf über 20 Stunden. Hinzu kommt dann noch das ein oder andere Stündchen im neuem Multiplayer-Modus. Im sogenannten Wirrwarrturm könnt ihr mit bis zu vier Spielern kooperativ gegen die Geister antreten. Dabei gilt es in allen drei Modi die bis zu 25 Etagen des Turms zu erklimmen. Erfreulicherweise wird hier auch ein Online-Modus angeboten, wenn auch leider ohne Voice-Chat. Zwar unterhält auch der Multiplayer für einige Zeit, kann aber in Sachen Atmosphäre nicht mit dem Story-Modus mithalten.
Im direkten Vergleich zum Vorgänger setzt man hier vermehrt auf Humor und weniger auf eine düstere Atmosphäre. Das Spiel ist deutlich heller geworden und auch grafisch schreit die Umgebung etwas mehr nach Comic als zuvor. Das steht dem Spiel überaus gut, und gerade auf dem 3DS Screen wirkt es absolut überzeugend. Tolle Lichteffekte, eine sehr detaillierte Umgebung die zudem nicht einfach vorhanden ist, sondern auch vom Spieler erforscht werden kann. So wackeln beispielsweise Bilder an den Wänden, Schränke und Schubladen lassen sich öffnen, Tischdecken, Teppiche und teilweise sogar die Tapete selbst lassen sich einsaugen und geben hier und da Verborgenes frei. Die Musik ist Nintendo-Typisch gelungen – da scheut selbst Luigi nicht davor, an der ein oder anderen Stelle mitzusummen.
Auch wenn der 3D-Modus des 3DS bei den meisten Titeln keine Rolle spielt, bereichter er in diesem Fall das Spiel ungemein. Der Blick auf den Bildschirm gleicht dem Blick auf eine Theaterbühne. Die gesamte Umgebung wird bei eingeschaltetem 3D viel greifbarer und erst so fallen auch die kleinen Details ins Auge. Beispielsweise kommen Spinnen, die sich direkt vor eurer Nase herabseilen, der Atmosphäre so noch einmal mehr zu Gute.
Die Bosskämpfe sind, anders als z.B. bei Mario Spielen, nicht nur mit simpler Haudrauf-Taktik zu bewältigen. Bereits der erste Gegner hat es in sich und muß in einer 3stufigen Lösungsweg besiegt werden, den man schon fast dem Adventure-Genre zuordnen kann. Zeit zum grübeln hat man hier genug, denn zum Glück sind diese Aufgaben nicht zeitgebunden und es gibt immer einen sicheres Fleckchen, bei der man sein Vorgehen überdenken kann.
Der einzig wirkliche Kritikpunkt, weshalb ich keine volle Punktzahl für den Spielspaß vergeben kann, ist das unglücklich gelöste Speichersystem. So ist es nicht möglich im Spiel, sondern erst nach einer komplett abgeschlossenen Mission zu speichern. Beendet man das Spiel in einem Raum, in dem man gerade beschäftigt ist, muß man beim nächsten Start die Mission wieder von vorne beginnen und auch alle Münzen neu einsammeln, selbst wenn man schon vorher andere Räume gesäubert hat; zum Spielen im Zug schonmal ein Garaus. Ich hoffe sehr, das Nintendo dieses Manko bald mit einem Patch beheben wird. Ansonsten gibt es aber nichs zu meckern. Luigi Mansion 2 ist eines der wenigen Exclusivtitel, für die sich die Anschaffung eines 3DS wirklich lohnt.