Ein absoluter Oberkracher, im Grunde eines der Vorzeigemodule für den Gameboy Advance überhaupt, stellt das Rollenspiel Golden Sun dar. Wer von Euch auch nur im Entferntesten diesem Genre etwas abgewinnen kann, muss dieses erlesene Game einfach live erlebt haben. Persönlicher Geschmack hin oder her, dieses RPG-Epos ist ein wahres Meisterwerk und ohne jegliche Einschränkungen als Hit zu bezeichnen. Im GBA-Reich führt praktisch kein Weg an diesem Modul vorbei, für welches sich Nintendo höchstpersönlich verantwortlich zeichnet und sich somit in Kooperation mit der Spieleschmiede Camelot quasi selber ein Denkmal setzte. Im Grunde weiß ich gar nicht, mit welchem positiven Aspekt ich zuerst anfangen soll, über eine ganze Latte an angenehmen Details kann ich jedenfalls berichten. Bemerkenswert ist das Ganze nicht zuletzt dadurch, dass es sich hier bei Golden Sun endlich einmal nicht um einen Abklatsch eines Games aus längst vergangenen Supernintendo-Tagen oder etwas Ähnlichem handelt, sondern ein eigenständiges völlig neues Rollenspiel entwickelt wurde und dies exklusiv für den Gameboy Advance. Wer Fantasy-Rollenspielen mit rundenbasierten Zufallskämpfen und knuddligen Charakteren etwas abgewinnen kann, ist hier goldrichtig. Hier stimmt praktisch alles.
Im Blickpunkt des Geschehens stehen der junge Isaac und seine Kameraden. Diese interessieren sich im wahrsten Sinne des Wortes brennend für die geheimnisvolle Welt der Zauberei, die Künste der Magie haben es ihnen offensichtlich angetan. Quasi in jeder freien Stunde beschäftigen sie sich mit Psynergy und versuchen, ihre zunächst noch unbeholfen erscheinenden Fähigkeiten zu perfektionieren. Ihr Interesse wurde in erster Linie vom weisen Kraden geweckt, der ihnen spannende Abenteuergeschichten aus einer Epoche auftischt, die mittlerweile nahezu in Vergessenheit geraten ist. Schließlich kommt es so, wie es eigentlich kommen musste: während einer Erkundungstour durch eine streng verbotenes Gebiet kommt es für unsere neugierigen Heldentrupp zu einem nicht gerade unerheblichen Zwischenfall: sie geraten in Kontakt mit einem Heiligtum, welches sich für die Balance der Welt mittels der vier Elementarkräfte verantwortlich zeichnet: das sogenannte Sonnenheiligtum sorgt für das Gleichgewicht von Erde und Feuer, Wind und Wasser, doch jene Balance scheint nunmehr offensichtlich von unseren Helden aus dem Lot gebracht worden zu sein. Die Situation ist verständlicherweise äußerst prekär, erst recht als urplötzlich geheimnisvolle Personen auftauchen, welche uns unsere Grenzen aufzeigen. Diesen händigen wir dann auch brav und voller Ehrfurcht die vier Element-Kristalle aus, was zur Folge hat, dass wir uns eines heftigen Erdbebens gewahr werden: die Höhle, in der wir uns befinden, scheint unter uns zu zerbröseln. Schließlich gelingt es uns, drei der vier Kristalle habhaft zu werden und unter deren Zuhilfenahme die Flucht blitzartig anzutreten, mit letzter Kraft erreichen wir das Freie. Nach einer kurzen Verschnaufpause (und einer ordentlichen Schelte, versteht sich) werden wir darüber aufgeklärt, dass derjenige, der im Besitz sämtlicher (vier) Kristalle hat, die Geschicke der Welt kontrolliert. Dass dies im Regelfall sehr ungünstige Konsequenzen mit sich zieht, dürfte niemanden von Euch ernsthaft überraschen, demzufolge ist äußerste Vorsicht geboten.
Wie typisch für Rollenspiele stellen auch hier bei Golden Sun die zahlreichen rundenbasierten Auseinandersetzungen mit den Feinden das A und O, praktisch die Eckpfeiler auch dieses Rollenspielabenteuers dar. Auch hier begeben wir uns mit unserem jungen sympathischen Heldentrupp auf eine sehr lange abenteuerliche Reise, welche auch fortgeschrittene Rollenspieler nicht nur faszinieren dürfte, sondern sicherlich an die 40 Stunden vor den Bildschirm bzw. das Display des GBA fesseln dürfte. Eine spannende und abwechslungsreiche Story mit erstaunlich viel Tiefgang und sehr sympathischen Charakteren lässt das Rollenspieler-Herz eindeutig höher schlagen, langweilig wird uns praktisch nie. In erster Linie sind wir traditionsgemäß darauf aus, möglichst viele Kämpfe erfolgreich zu bestreiten, um somit unsere Grundfähigkeiten zu verbessern und neue Talente überhaupt erst erlernen zu können, die wir dann natürlich im weiteren Verlauf des Spiels perfektionieren wollen. Die Palette ist in dieser Hinsicht sehr breit, viele physische aber vor allem magische Zaubersprüche stehen im Blickpunkt des Geschehens. Die Menüs sind dabei sehr sinnvoll angelegt und auch die Tastenbelegung mach Sinn, sehr schnell sollten Euch die grundlegenden Dinge bezüglich des Navigierens in Fleisch und Blut übergegangen sein. Die Identifikation mit Protagonisten und Handlungsstrang ist dabei hoch, einzig und allein die hohe Anzahl an (dafür aber zum Glück schnell ablaufenden) Zufallskämpfen kann auf Dauer etwas nerven. Zudem möchte ich nicht außen vor lassen, dass so manchmal nicht richtig klar ist, wohin die Reise denn nun gehen soll, da helfen auch die zahlreichen Schwätzchen mit der Bevölkerung auch nicht immer weiter. Die bedien letztgenannten Dinge sind dann aber auch die einzigen Schwachpunkte dieses edlen Rollenspiels, etwas Gewicht haben sie allerdings schon.
Was dieses Abenteuer so besonders spielenswert macht, sind unter anderem aber auch die unübersehbaren Elemente, die eines Actionadventures würdig wären. Ihr metzelt Euch nämlich nicht nur im Kampf immer weiter nach vorne und haltet ellenlange Dialoge, um wichtige Informationen zu ergattern, sondern müsst auch zahlreiche Rätsel lösen, die mitunter einige Kopfzerbrechen bereiten. Oft liegt die Lösung bi den übernatürlichen magischen Fähigkeiten einzelner Charaktere Eurer Gruppe, darauf aber erst einmal zu kommen, ist nicht immer leicht. Viele solcher (manchmal erstaunlich) anspruchsvollen Knobelpassagen und auch das Vorhandensein etlicher Minispiele lockern den Spielverlauf erheblich auf. Etwas Geduld und ein nicht geringes Potential an Ausdauer sind hier allerdings Grundvoraussetzung, ungeduldige Spielernaturen werden hier sicherlich nicht ihr Glück finden. Doch speziell Rollenspielfans werden jene Grundvoraussetzungen allein schon aus Erfahrung mitbringen und sich in der Folgezeit am vielschichtigen und hochinteressanten Gameplay erfreuen. Da es sich bei Golden Sun um ein exklusiv für den Gameboy Advance erschienenes Rollenspielabenteuer handelt, ist es quasi selbstverständlich, dass jederzeit gespeichert werden darf, auch in diesem Punkt werden wir nicht enttäuscht. Für zusätzliche Abwechslung sorgt allein schon die Tatsache, dass wir nicht auf die (ohnehin schon vielfältigen) Aktionsmöglichkeiten unserer Protagonisten an sich beschränkt sind, sondern wir im Laufe der Zeit auf zahlreiche Djinns treffen, die uns mit ihren speziellen Zauberkräften wertvolle Unterstützung garantieren. Diese werden wie ein Rüstungsteil einem Charakter zugeordnet, der dann über jene Spezialfähigkeiten verfügen kann, die Krönung bilden dabei die imposanten Beschwörungen, welche eindrucksvoll in Szene gesetzt werden und außerordentlich effektiv sind. Sogar ein kleines Multiplayerfeature wurde integriert: zwar könnt Ihr Euch nicht zu zweit in dieses faszinierende Fantasy-Abenteuer wagen, im örtlichen Kolosseum ist es aber immerhin möglich, die Truppe eines Gleichgesinnten zu einem interessanten Duell herauszufordern. Das ist schließlich besser als nichts, denke ich, und für ein Rollenspiel eher ungewöhnlich und dadurch sehr zu begrüßen. Vorausgesetzt Ihr verfügt über zwei Gameboys, zwei Module und ein entsprechendes Verbindungskabel, versteht sich.
Das absolute Prunkstück ist aber noch nicht einmal die sehr gute Story und der abwechslungsreiche Spielverlauf, sondern die teils atemberaubend gute Präsentation. Wo speziell bei Rollenspielen öfters Abstriche gemacht werden müssen, dafür aber Handlung und Gameplay faszinieren bzw. entschädigen, setzt Golden Sun sogar noch einen drauf: die Optik gehört jedenfalls zur absoluten Spitzenklasse im GBA-Reich, darüber kann es keinen Zweifel geben. Sehr schön gestaltete Hintergründe mit einem Hang zu vielen Details sprechen für eine liebevolle Umsetzung. Ein knallig buntes (aber niemals kitschiges) Level-Design gefällt ebenso sehr wie die nett anzuschauenden Städte. Vor allem aber die Charaktere sehen größtenteils ja eigentlich immer prächtig aus. Sehenswerte Animationen soweit das Auge reicht, speziell in den Kämpfen oft atemberaubend gut in Szene gesetzte Sequenzen, wobei insbesondere die Zaubersprüche und nicht zuletzt die Beschwörungen für Aufsehen sorgen: so macht das Aufleveln der Helden noch mehr Spaß. Ein Sonderlob verdienen sich zudem die fantastischen Kamerafahrten, welche uns nicht nur auf brillante Art und Weise in den Kämpfen eine 3D-Ansicht vorgaukeln, sondern in Verbindung mit den butterweichen Animationen und leuchtenden Spezialeffekten konstant für eine bezaubernde Spielatmosphäre sorgen. Ein echter Augenschmaus sozusagen, der sich uns da bietet. Einfach top.
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