Nein, kein Movie, sondern ein Game natürlich. Aber fühlt sich bisschen an wie ein B-Movie. Dies aufgrund der Graphik, sowie teilweise der Story. In GEIST wird ein Bio/Chemie-Experte nach Frankreich gerufen, weil sich von dort einer seiner Kollegen gemeldet hat, der vor Wochen verschwunden war. Besagter Kollege soll nun von einer Militärgruppe befreit werden, während der Held noch ein paar driftige Beweise im Bereich Biochemie sammeln soll, und im ersten Kapitel hat man denn auch nur wenig zu tun: die Daten finden und später gegen ein Feuergefecht überleben, die Rettungsaktion gelingt beinah, bis kurz vor Abflug einer der Gruppe durchstartet und alle ausschaltet, bis auf den Helden und dessen Kollegen. So wird der der Held zum Gefangenen. Später wird sein Geist von seinem Körper getrennt und in einem Behälter aufbewahrt. Doch er ist nicht der einzige Geist in den unterirdischen Anlagen der Forschungsanstalt. Einer davon (ein Mädchen) befreit ihn, und so schwebt man fortan durch die Gänge und Labors, auf der Suche nach seinem Körper und einem Fluchtweg, und einer Erklärung für die mysteriöse Situation.
Die Atmosphäre ist echt toll, gerade wegen des überwiegenden Adventure-Teils sowie der Tatsache, dass man in Geisterform alles anderst sieht, einerseits wie unter Wasser, andererseits alles in Zeitlupe, und natürlich wird man auch nicht gesehen. Die "Puzzles" sind nicht allzu herausfordernd, jedoch stets über relativ grosse Levels verteilt, man also im Körper eines anderen an Leuten vorbei muss, was leider keine Vorsicht voraussetzt, aber eine recht paranoidisierende Wirkung hat und einen optinmal ins Geschehen versetzt. Hat man einmal Besitz von einem Gegner ergriffen, sieht man manchmal seine letzten Erinnerungen, dasselbe gilt für Tiere. Und ist man beispielsweise in einer Ratte, sieht die Welt ziemlich verzerrt und farblich reduziert aus.
Die Action wird hier mit Ausnahme der Bosse nicht grossgeschrieben, wenn ansonsten schon etwa vier/fünf Momente aufwarten, in welchen es recht wild zu und her geht. Normalerweise reagieren die Leute relativ realistisch darauf ("Where am I, what just...?"), oder sie bleiben einfach solange an Ort und Stelle stehen, bis man sie wieder in Besitz nimmt, was eher komisch ist. In der Geisterform wird einem permanent und langsam Geister-Energie abgezogen. Entgegen gewisser Kritiken, dies bewirke ein permanetes Stressgefühl, ist dem nicht so: es stehen Pflanzen rum, die Geister-Energie spenden, und die Besitznahme von Mensch, Tier oder Gegenständen füllt sie gänzlich auf, und während man in einem Körper ist, hat man alle Zeit der Welt. Bosskämpfe sind im übrigen nie allzu schwierig, sie dauern nur meistens recht lange und erfordern Durchhaltevermögen, meistens auch taktisches Vorgehen. Erstmals tippt man sich an die Stirn, dann merkt man, dass man's schon richtig macht, einfach durchhalten muss.
Das Spiel ist leider total linear geraten. So reagieren die Gegner auch weniger im Sinne eines SPLINTER CELLs auf alles mögliche in allen möglichen Variationen, sondern folgen starren Scripts. Der Vorteil: man wird in beabsichtigte, geniale Situationen versetzt, es entsteht drum vielmehr ein Film-Feeling. Auf der anderen Seite leidet die Wiederspielbarkeit massiv darunter. Es ist schön zu sehen, wie man einen Spiegel "dazu bringen kann", das Spiegelbild einer Frau zu verzerren, doch geschieht dies nach Script, man hat absolut keinen Einfluss darauf, was und wie es geschieht. Menschen lassen sich erst dann besitzen, wenn sie verängstigt sind (= rote Aura). In der Regel benötigt man 3 Schocks, doch präsentieren sich die 3 Möglichkeiten stets auf dem silbernen Tablett. Diese Gegenstände müssen in einer vorgegebenen Reihenfolge besessen und beeinflusst werden. Eine andere Reihenfolge hat keinen Effekt. Allerdings sind diese Schockeffekte echt toll, und nie wiederholt sich einer, bei 300 Schocks sieht man 300 verschiedene. Am Ende eines verlassenen Korridors einen schlafenden Wärter in den Wahnsinn zu treiben, und ihm dabei zuzuschauen, ist enorm unterhaltsam, schreit allerdings nach der Möglichkeit, freier damit rumspielen zu können. Beim ersten Durchspielen ist diese Einschränkung kein Problem, man wird einfach eher überrascht wie in einem Film.
Kann's empfehlen, solange man kein KILLZONE, HALO oder SERIOUS SAM erwartet, sondern eher Richtung Half-Life schielt mit Film-ähnlicher Wirkung.