Nach einem lobenden Artikel habe ich beschlossen mir dieses Spiel zu kaufen und bisher habe ich es nicht bereut.
Gleich zum Anfang: Wer eine epische Geschichte und lange Zwischensequenzen erwartet, ist bei "Etrian Odyssey" an der falschen Adresse.
Der Einstieg geht sehr schnell. Bei der Stadt Etria ist plötzlich ein Dungeon aufgetaucht. Nun versuchen viele Abenteurergruppen ihr Glück im Labyrinth. Eine dieser Gruppen steuert man selbst. Soweit zur Vorgeschichte. Viel mehr wird auch im Spiel nicht dazu gesagt.
Man legt also sofort los und erstellt sich eine Heldengruppe. Wählen kann man aus 7, später 9 Klassen. Namen eingeben, Klasse wählen, Portrait aussuchen und fertig. Bisher habe ich noch keine Begrenzung der Anzahl gesehen. Das Charakterdesign ist Geschmackssache. Es ist im Manga Stil und für dieses Spiel schon fast zu niedlich, aber da man die Charaktere sowieso nur im Menü sieht, stört das Design nicht wirklich.
Jeder Charakter hat Anfangs 3 Fähigkeitspunkte, die verteilt werden können. Mit jedem Level erhält man genau einen weiteren Punkt. Man sollte sich daher auf einen bestimmten Bereich der Fähigkeiten konzentrieren. So kann man trotz gleicher Klasse 2 sehr unterschiedliche Charaktere erhalten, da einer z.B. auf Schwerter spezialisiert ist und der andere auf Äxte.
Im Dungeon bewegt man sich dann schrittweise fort. Am unteren rechten Bildschirmrand gibt es eine Anzeige, die von blau über grün und gelb zu rot wechselt und so vor baldigem Monsterkontakt warnt.
Im Kampf werden die Gegner als Standbilder dargestellt. Angriffe werden kurz animiert, aber die eigenen Charaktere sind dabei nie zu sehen. Stirbt ein Charakter, so kann man ihn in der Stadt wiederbeleben lassen.
Nach dem Kampf erhält man Gegenstände von den Gegnern. Gold bekommt man nicht nach dem Kampf (Logisch, warum sollte ein Maulwurf auch Gold mit sich herumtragen?), sondern durch den Verkauf der Beute. Gleichzeitig werden durch den Verkauf neue Ausrüstungsgegenstände verfügbar. Verkauft man viel Wildleder, so werden z.B. Lederschuhe verfügbar. Dieses System macht viel Spaß, da man bei fast jedem neuen gefundenen Gegenstand neue Ausrüstung verfügbar macht. Man kann übrigens auch im Laden das Menü öffnen. Das ist zwar nicht unbedingt Weltbewegend, aber es erspart einem das ständige betreten und verlassen des Ladens um die Ausrüstung anzulegen.
Besonders interessant ist das Erstellen der Karte auf dem Touchscreen. Alle Wände, Schätze, Rohstoffe, Ereignisse etc. zeichnet man selbst in die Karte auf dem unteren Bildschirm ein und kann sie auch mit eigenen Bemerkungen versehen. Wen man also einen Geheimgang entdeckt, markiert man ihn z.B. mit einer Tür und schreibt 'Abkürzung' dazu. Im Spiel wird dies nun eingeblendet, wenn man vor dem Gang steht. Standartmäßig ist die Automap Funktion aktiviert. Das bedeutet aber nur, dass der Weg beim Laufen automatisch blau markiert wird, alle anderen Elemente muss man selbst einzeichnen. Das Zeichnen der Karte macht mir persönlich sehr großen Spaß. Man freut sich über jeden Fortschritt und sieht, wie das große schwarze Feld auf dem Bildschirm sich immer weiter füllt. Die Karte wir ständig auf dem Touchscreen angezeigt. Man kann jeder Zeit darauf malen, auch im Kampf oder beim Einkaufen.
Missionen erhält man in der Stadt und berichtet dort dann auch die Ergebnisse. Es gibt einige Missionen, die den Spielverlauf voran bringen, der Rest ist optional.
Der Schwierigkeitsgrad ist fordernd. Gerade am Anfang sollte man sich immer in der Nähe zum sicheren Startbereich aufhalten. Unfair wird das Spiel nie. Die schwersten Gegner werden auf der Karte angezeigt und lassen sich umgehen. Bisher musste ich gegen keinen dieser Gegner kämpfen, wenn ich es nicht wirklich wollte. Gefährlich wird es nur, wenn man sich zu früh auf die nächste Ebene begibt. Man sollte so gut trainiert sein, dass die Monster auf der momentanen Ebene keine zu große Gefahr mehr darstellen. Einen 'Fluchtdraht', mit dem man aus dem Dungeon fliehen und zur Stadt zurückkehren kann sollte man trotzdem immer dabei haben. Nicht nur, wenn es brenzlig wird, sondern auch, wenn man nicht den ganzen Weg zurück laufen möchte ist der Fluchtdraht sehr nützlich.
Bisher muss ich, um z.B. zu Ebene 4 zu gelangen, immer durch alle oberen Ebenen laufen. Dies mag auf Dauer störend sein, aber es ist auch eine gute Möglichkeit ein paar Erfahrungspunkte und Gegenstände zu sammeln. Durch Fähigkeiten und Gegenstände lässt sich die Anzahl der Kämpfe verringern. Später im Spiel wird es auch eine Teleportfunktion geben, die ich aber bisher noch nicht frei schalten konnte.
Es gibt übrigens nur einen Spielstand. Man kann also nicht auf verschiedene Speicherstände zurückgreifen. Daher ist es auch nicht möglich im Dungeon zu speichern. Dies könnte sonst zur Folge haben, dass man an einer ausweglosen Stelle speichert und neu starten muss.
Die Spielzeit ist sehr lang, soweit ich das bisher feststellen kann. Ich spiele schon seit mehreren Stunden und bin gerade in Ebene 5 angelangt. Die 2 zusätzlichen Klassen sind noch nicht frei geschaltet, die Teleportfunktion auch noch nicht und am Monster Lexikon kann ich erkennen, dass ich erst einen Bruchteil der Monster gesehen hab.
Mein Fazit ist, dass das Spiel nicht so gut für sehr junge Spieler geeignet ist. Der fordernde Schwierigkeitsgrad und die Langen Laufwege könnten eher frustrierend sein.
Allen anderen kann ich dieses Spiel sehr empfehlen. Besonders wenn man, so wie ich, eine lange Spielzeit von einem Spiel erwartet. Wenn man zu der Generation gehört, für die zur Grundausstattung eines RPG Karopapier zum Zeichnen der Karte gehörte, dann wird man 'Etrian Odysseys' lieben. Es lässt die alten Spielprinzipien mit viel Spaß wieder neu aufleben. Ich gehöre zwar nicht mehr in diese Generation, aber das Prinzip fesselt mich auch heute noch genau so stark.
Pro:
- Karte selbst zeichnen
- Lange Spielzeit
- Gruppe wird komplett selbst erstellt
- Schwierigkeitsgrad fordernd aber nie unfair
- Ausrüstung wird durch den Verkauf von Gegenständen frei geschaltet
- Abwechslungsreiche Charakterentwicklung
- Menü auch in Läden aufrufbar
- Später Teleportsystem für die'...
Contra:
- ...mitunter langen Laufwege
- keine Epische Story
- gewöhnungsbedürftiges Charakterdesign
- Standbilder der Gegner