Pünktlich zum 09.11.2007 stand der Postbote mit Endless Ocean vor der Tür.
An dieser Stelle ein dickes Lob an Amazon. Seit ich den Trailer von der E3 2006 sah, wusste ich, dass Spiel wird gekauft. Obwohl ich weder ein Taucher noch ein Fisch / Meeres - Fan bin hat mich das Spiel in seinen Bann gezogen.
Das etwas andere Spiel
Noch mal für alle die 's bisher noch nicht mitbekommen haben: Hier wird getaucht! In dem Spiel schlüpft man in die Rolle eines Tauchers (wahlweise Taucherin) und erforscht gemeinsam mit seiner wasserscheuen Kollegin das Manaurai-Meer. Nein, ihr habt nicht in Erdkunde gepennt, das besagte Meer ist tatsächlich Fiktion und das ist auch gut so. Die Entwickler hatten so die Möglichkeit eine einzigartige Unterwasserwelt zu kreieren ohne sich auf die Realität beschränken zu müssen. Allerdings lässt sich sehr wohl sagen, dass sich die Region auf den Pazifik beschränkt. Den Fischen nach zu Urteil, würde ich mal sagen irgendwo um Japan. Die Fische, Vögel, Robben etc. existieren nämlich auch außerhalb der Wii!
Schon nach kurzer Zeit fällt auf, dass sich Endless Ocean von der Masse der Spiele abhebt. Es gibt keine Energie-Leiste, es muss niemand getötet und auch nichts zerstört werden. Gebaut wird oder gepuzzelt eben so wenig. Es wird getaucht!
Das Gameplay
Endless Ocean bietet eine sehr angenehme Spielfreiheit. Wer möchte kann die See auf eigene Faust erkunden oder man erledigt Aufträge, welche man per eMail erhält. So muss man zu unter anderem Tauchführungen geben und Kunden ihre Wunschfische zeigen, oder für div. Zeitschrift Fotoaufnahmen von bestimmen Fischen machen. Nach einer Weile ergibt auch eine kleine Hintergrundgeschichte um die Kollegin und deren Vergangenheit. Ob nun auf eigene Faust oder auf Auftrag, zuerst gibt man via Karte an, wo man mit dem Boot hinfahren möchte. Am Zielort angekommen geht's dann ab ins kühle Nass. Selbstverständlich sind dem Spieler gewisse Grenzen gesetzt. So kann der Spieler nur in einem gewissen Radius um das Boot herum tauchen. Kein Panik! Meiner Meinung nach ist der Spielbereich groß genug. Und da wäre natürlich noch der Sauerstoff, welcher zwar keine Ewigkeit hält, aber immer hin eine halbe. Ich schätze mal eine knappe Stunde dürfte das Fläschchen auf dem Rücken schon halten.
Die Kollegin schimpft sich zwar Meeresbiologin, kann aber nicht schwimmen und so darf der Spieler ihr Artenbuch füllen. Jedes Lebewesen dass man findet wird darin, mit Info, eingetragen. Um die Tiere zu spezifizieren muss man mit Ihnen interagieren. D.h. antippen, streicheln und füttern. Erst danach werden die Infos und die Spezies angezeigt. Beschäftigt man sich mit dem Tier bei einem weitern Tauchgang, erweitert sich auch der Infoeintrag. Sowohl deutscher Name, als auch lateinischer Name sind genau wie die Info wahrheitsgemäß dargestellt. In einem Editor lässt sich ein Aquarium mit den gefundenen Arten bestücken. Wer also den Blauwahl bereits gefunden hat, Ihn aber nicht noch mal im Meer suchen will (das kleine Ding übersieht man ja auch so leicht ;) ) geht ins Aquarium. Zwischendurch bekommt man dann auch noch neue Ausrüstung, die allerdings nur optischer Natur ist. Schneller wird man dadurch nicht.
Fast hätte ich's vergessen. Im Spielverlauf begegnet man div. Delphinen (und ähnlichem Getier), mit denen man sich anfreunden kann. Einmal angefreundet, kann man den Delphinen Kunststückchen beibringen und einen von ihnen mit zu Tauchgängen nehmen.
Flipper zum Trotz habe ich meinen "großen Tümmler" (so heißt diese Delphin-Art) "Ralf" genannt. Und wenn Ralf brav seinen "Wellenreiter" oder seinen "Drehsprung" macht, gibt's zur Belohung auch ein paar Leckerli.
Grafik
Das Spiel hat 2 Gesichter. Unter und über dem Wasser.
Über dem Wasser, dh. auf dem Boot wirkt alles sehr hölzern. Bei Textpassagen bewegen sich etwas die Hände, bzw. die Personen laufen etwas umher, aber das war's dann. Hier hätte man sich ein wenig mehr Mühe geben können. Aber nichts, unzumutbares! Alles noch im Rahmen.
Ganz anders Unterwasser! Alles lebt, der Taucher, als auch die Fische bewegen sich animalisch und natürlich. Besonders schön gestaltet sind die Tiere! Ein kurzer Vergleich im Internet zeigt wie viel Mühe hier dahinter steckt. Beieindruckend sind vor allem die riesigen Wale und Walhaie. Einfach toll! Aber auch bei den Kleinesten spürt man die Liebe zum Detail. Auch schwimmt man nicht immer in der gleichen Brühe. Von Ort zu Ort ist das Wasser entweder kristallklar oder eben etwas mit Plankton oder ähnlichem getrübt. Richtig dunkel wird's nur Nachts (ja, das Spiel kennt sowohl Uhrzeit als auch Jahrzeit!) und beim Tiefseetauchen in einer 150m tiefe Felsspalte. Egal ob Korallenriff, Unterwasser-Tropfsteinhöhle, versunkender Tempel, Tiefseespalte etc., die Tauchregionen vermitteln immer das Gefühl mitten drin zu sein und sind optisch, richtig richtig nett. Ich glaube meine Freundin war von den vielen Wow, schau mal da!" und Guck mal hier "schon etwas genervt. Nicht zu Letzt auch wegen der schönen Lichteffekte unter der Wasseroberfläche. Den ein oder andern Clipping-Fehler muss man dem Spiel verzeihen. So schwimmt ein Fischen eben in den Sand oder man taucht durch die Flosse von einem Buckelwal. Aber das ist eher die Ausnahme und stört nicht bzw. kommt selten vor. Das Spiel läuft zudem absolut flüssig! Bei mir kam es weder bei der Musik noch beim Optischen zu Rucklern. Ladezeiten sind übrigens auch akzeptabel.
Noch ein paar Worte zum Fotografieren. Die Unterwasserkamera hat 4 Objektive, die passend gewählt werden sollten. Platzt ist für 20 Bilder, die danach aber in ein Album übertragen werden können. Das schöne an dieser Funktion ist, dass die Schnappschüsse nachgerendert werden. Da wirkt so manches Bild nahezu fotorealistisch.
Steuerung
Zur Steuerung gibt's nicht viel zu sagen. Gespielt wird nur mit der Wii-Mote. Man steuert einen blauen Punkt, den der Taucher verfolgt. Geschwommen wird mit gedrückt halten der B-Taste oder wahlweise im Dauerschwimm-Modus, der mit "-" aktiviert wird. Mit "2" kann man zischen Ego und 3rd-Prerson -Perspektive wähle. 1" öffnet die Karte. Das Menü wird mit "links" oder "rechts" aufgerufen. Bestechend einfach, bestechend gut!
Sound
Um meinen Vorredner zu korrigieren: Es gibt nicht nur 2 Lieder!
Die Musikstücke, die größtenteils von Heylay Westenra gesungen werden, werden nach und nach freigespielt. Wer gerne sein eigenes Süppchen kocht kann auf den MP3-Player zurück greifen, der Lieder von der SD-Karte abspielt. Schade dass man während des Tauchgangs nur ein Lied wählen kann, dass sich ständig wiederholt. Eine Art Playlist wäre sinnvoller gewesen. Auch ist die Handhabung etwas umständlich. Nichts desto Trotz macht das Tauchen mit der eigenen Musik richtig Laune. Ich für meinen Teil lass gerne mal die Musik aus bekannten Wasser-Levels anderer Spiele laufen. Sei es aus Mario 64, Metroid Prime, div. OC-Remixes oder Donkey Konf Country 1.
Die Geräusche der Tiere kommen übrigens auch glaubhaft rüber.
Multiplayer.
Das Spiel bietet die Möglichkeit via WiFi-Connection mit einem Freund zu spielen. Dazu werden vom Spiel generierte Codes ausgetauscht (nicht die üblichen Codes vom Wii selbst). Ich kann noch nicht viel dazusagen, da ich es bisher noch ich ausprobiert habe. Wie es scheint hat man die Möglichkeit gemeinsam zu tauchen und sein Delphine gegen einander antreten zu lassen.
Fazit:
Es ist eben kein typisches Spiel zum Durchspiel und in den Schrank stellen. Viel mehr einfach mal was zum Abschalten nach der Arbeit. Die Entwickler haben einen großartigen Job gemacht. Man merkt sehr deutlich dass hier auch tatsächlich Leute beteiligt waren die Ahnung von Meeresbiologie haben.
Ich bin froh es gekauft zu haben und kann es jedem, der eben mal etwas anderes sucht sehr als Herz legen. Interessant auch für Leute, die sonst nichts mit Videospielen am Hut habe. Typisches Wii-Spiel eben. An dieser Stelle sei auch noch auf den super Preis von EURO 30 hingewiesen.
+ Einzigartiges Spielgefühl
+ Mal echt was Neues
+ Liebe zum Detail (viele viele verschiene Meeresbewohner)
+ Schöne Grafik
+ Netter Sound (track)
+ MP3-Wiedergabe möglich
+ Multiplayer via WiFi-Connection
+ Preis
- MP3-Player ein klein wenig umständlich
- Grafik Überwasser nicht so schön wie Unterwasser
Für 5 Sterne hat das Spiel einfach noch ein paar kleine Schwächen. Mit 4 von 5 Sternen ist das Spiel aber denke ich realistisch bewertet.
Den Spaßfaktor habe ich mit 5 Sternen angegeben. Hiermit meine ich das Gameplay. Lustig ist das Spiel im Sinne von "komisch" natürlich nicht.
In diesem Sinne, Gut Luft!