Für mich war es Liebe auf den ersten Blick, als ich vom Nintendo DS Lite erfuhr. Deshalb bin ich auch stolzer Besitzer dieses Geräts seit es in Deutschland auf den Markt kam. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, wenn man ihn mit seinem Vorgänger vergleicht. Der Nintendo DSi kam für mich nicht in Frage, weil die technischen Neuerungen im Vergleich zum DS Lite den Nachteil des fehlenden Schachts für GBA-Module nicht ausgleichen konnten.
Das hat sich mit Erscheinen des jüngsten Sprösslings dieser Handheldgeneration geändert und meine Vorfreude erneut angestachelt.
Der Nintendo DSi XL ist nicht gerade preiswert, dafür aber sehr hochwertig verarbeitet. Die dunkelbraune Hochglanzoberfläche meines Exemplars ist der optimale Magnet für Fingerabdrücke, bildet aber einen schönen optischen Kontrast zum bronzefarbenen Gehäuseunterteil. Dieses ist wegen seiner rauhen Oberfläche schön griffig und muss bestimmt nicht so oft gereinigt werden wie ein DS Lite-Unterteil mit glänzender Oberfläche.
Wer seinen DSi XL unterwegs nutzen möchte, dem sind 10 Euro für eine passende Tasche bestimmt nicht zu viel. Auch wenn ich in dieser Beziehung Kritik an Nintendo üben muss, die ihrem Premium-Handheld zumindest eine einfache Hülle beilegen könnten. Aber das machen Hersteller von anderen Geräten seit geraumer Zeit leider auch nicht mehr.
Der DSi XL ist zum mobilen Einsatz nur bedingt geeignet, weil er wegen seiner Größe im Brieftaschenformat und seines Gewichts von über drei Tafeln Schokolade nicht unbedingt als handlich bezeichnet werden kann. Diesen Nachteil macht er aber durch die bessere Griffigkeit wett. Beim DS Lite taten mir nach längeren Spielesessions die Daumen weh, weil dieses Gerät wohl hauptsächlich für Kinderhände entwickelt wurde. Ich hoffe, dass diese Beschwerden nun der Vergangenheit angehören. Allerdings hätte ich mir größere Tasten und ein anderes Digikreuz gewünscht. Nintendo hat weder die Größe noch den Abstand dieser Bedienelemente verändert. Nur die Schultertasten wurden im Vergleich zum DS Lite modifiziert. Sie sind um einiges kleiner aber trotzdem noch gut bedienbar. Die Druckpunkte sind nach meinem Dafürhalten auch verbessert worden. Aber das kann auch Einbildung von mir sein, weil mein DS Lite schon ein wenig in die Jahre gekommen ist.
Ob man ihn nun Touchpen oder Stylus nennt ist ohne Bedeutung, seine Größe hingegen nicht. Auch dieses Zubehörteil ist im Vergleich zu den Vorgängermodellen gewachsen. Der im Gerät verstaubare Griffel kann nur als Notbehelf betrachtet werden. Wenn man einmal mit dem großen Stift gespielt hat, möchte man ihn nicht mehr missen. Er liegt sehr angenehm wie ein Kugelschreiber (nur mit anderer Spitze) in der Hand. Die Schrifteingabe bei z.B. Professor Layton sieht nicht mehr so krakelig aus wie bei den kleineren Vorgängern. Das kann allerdings auch an dem größeren Touchscreen liegen, womit ich beim größten Vorteil und damit auch Kaufgrund für den DSi XL angelangt bin.
Wie man in den technischen Daten nachlesen kann, ist die Auflösung der Displays gleich geblieben. Eine höhere Auflösung würde mehr Rechenpower verlangen und wäre wohl mit der vorhandenen Hardware nicht machbar. Wer das möchte, muss auf die nächste Generation des DS warten, die Gerüchten zufolge schon in der Pipeline steckt. Ob diese Hardware die vorhandene Flut an verfügbaren DS-Spielen unterstützen wird, kannn seriös nur Nintendo beantworten und darf bezweifelt werden. Vielleicht ist es dann auch möglich, Skype zu benutzen. Das fände ich zumindest sinnvoller als die momentan vorhandenen Zusatzfunktionen des DSi XL.
Die neuen Bildschirme lassen sich in fünf Helligkeitsstufen betrachten. Je nach gewählter Einstellung hält eine Akkuladung unterschiedlich lang. Die Ausleuchtung der Displays ist nicht gleichmäßig. Sie nimmt zu den Rändern hin ab. Das fällt haupsächlich auf, wenn man sich in Menüs mit weißem Hintergrund oder auf vergleichbaren Internetseiten befindet. Störend empfinde ich auch eine Art Grauschleier, den man bei diesen Bildinhalten wahrnimmt. Der Grund dafür dürften die größeren Bildschirme und damit auch größeren Pixel sein, deren Abstände nun besser sichtbar sind und sich wie ein engmaschiges Netz über die Anzeigen legen. Subjektiv betrachtet empfinde ich den oberen Bildschirm etwas dunkler als den Touchscreen. Diesen Eindruck hatte ich aber schon beim DS Lite und ist nicht wirklich störend. Die Darstellung von Schrift ist ein wenig grobpixelig und gerade noch akzeptabel.
Meine Befürchtungen, dass die Grafik der Spiele nun schlechter wäre, konnten sich bisher nicht bestätigen. Das Bild ist kontrastreich, ausreichend scharf und auch von der Seite betrachtet besser als beim DS Lite. Die größeren Bildschirme sind auch sehr angenehm für die Augen, speziell wenn man längere Zeit vor der Konsole zubringt. Im Gegensatz zum DS Lite spiegeln die Bildschirme des DSi XL nicht mehr ganz so stark. Die verbesserten Eigenschaften der Bildschirme machen Lust darauf, bereits durchgespielte Titel erneut zu zocken. Nennen möchte ich hier als Beispiele nur die beiden Geheimakte-Teile und Syberia, die sehenswerte Zwischensequenzen bieten.
Der Deckel des DSi XL lässt sich in vier Positionen arretieren. Das ist eine Position mehr als noch beim DS Lite. In den verschiedenen Positionen federt der geöffnete Deckel ein wenig nach. Da gibt es keinen Unterschied zwischen den beiden Modellen und ist meiner Meinung nach vertretbar. Eine größere Instabilität beim DSi XL konnte ich nicht feststellen, obwohl auf seine Deckelscharniere ganz andere Kräfte wirken. Wenn das bei manchen Kunden anders sein sollte, dann haben sie wahrscheinlich ein Montagsgerät erwischt und sollten es umtauschen. Als Verschwörungstheoretiker könnte man auf die Idee kommen, dass Nintendo an verschiedene Händler eine begrenzte Anzahl B-Ware zum reduzierten Preis ausgeliefert hat. Wie lässt es sich sonst erklären, dass der Preis für die weinrote Konsole ca. ein bis zwei Wochen vor dem Erscheinungstermin um 30 Euro gefallen ist und kurze Zeit darauf wieder das alte Niveau hatte? Aber das sind nur Mutmaßungen von mir und entbehren jeder Grundlage.
Mich hat eine weitere Neuerung im Vergleich zum DS Lite angenehm überrascht. Die Lautstärke wird nicht mehr mit einem schlecht justierbaren Schieber eingestellt, sondern mit zwei Tasten auf der linken Geräteseite. Benutzt man diese Tasten in Verbindung mit dem Select-Taster kann man die Bildschirmhelligkeit während des Spiels verändern. Eine Neuerung die Sinn macht. Beim DS Lite musste man erst die Konsole aus- und wieder einschalten, um dann ins Hauptmenü zu wechseln und die Änderung vorzunehmen. Umständlicher geht's kaum.
Jetzt lässt sich auch jederzeit durch einen Druck auf die Starttaste vom Spielbildschirm ins Hauptmenü des DSi XL wechseln. Man muss dafür das Gerät nicht mehr komplett ausschalten wie noch beim DS Lite. Wechselt man wieder zurück zum Spiel, wird dieses neu gestartet und nicht an der verlassenen Stelle fortgesetzt. Also vorher Speichern nicht vergessen, bevor man diese Aktion ausführt!
Wer seinen DSi XL bis Ende März mit dem Nintendo DSi Shop verbindet, bekommt 1000 Nintendo DSi Points auf sein Konto gutgeschrieben. Dafür kann man sich dann Spiele, sogenannte DSi-Ware, auf seinen DSi XL herunterladen. Diese lassen sich auf einer in die Konsole eingelegten SD Card speichern, um sie z.B auf einer Festplatte zu sichern oder wenn man ein Backup der Spielstände machen möchte. Allerdings muss man das nicht unbedingt tun, denn so lange der heruntergeladene Titel im DSi Shop verfügbar ist, kann man ihn jederzeit neu herunterladen, falls man den Titel mal löschen sollte oder den DSi XL neu formatiert hat. Die alten Spielstände sind dann natürlich futsch. Dafür fallen keine Kosten an. Man bezahlt jeden Titel nur einmal pro Gerät.
Da liegt aber auch genau der Hase im Pfeffer. Weil die heruntergeladene Software aus dem DSi Shop auf nur einem Gerät funktioniert, kann man einen Titel nicht auf meheren Konsolen spielen bzw. die Software mit Freunden tauschen. Nintendo geht sogar soweit, dass man vor Nutzung des DSi Shops einen Vertrag akzeptieren muss, in dem man sich verpflichtet, die heruntergeladene Software zu löschen, wenn man seine Konsole z.B. verkaufen möchte.
Eine Anmerkung zum DSi Shop möchte ich noch loswerden. Jeder der seine gekauften Nintendo Spiele oder Konsolen im Club Nintendo registriert, kann sein Club-Konto mit dem DSi Shop-Konto verbinden. Im Sterne Katalog lassen sich für die mühsam gesammelten Sterne Nintendo Points-Karten kaufen, für die man sich DSi-Ware herunterladen kann. Endlich muss ich mir keine Sorgen mehr darum machen, dass ungenutzte Sterne verfallen. Denn das Angebot im Sterne Katalog entspricht ganz und gar nicht meinem Geschmack.
Für mich war einer der Kaufgründe für den den DSi XL die verbesserte WLAN-Verschlüsselungstechnik WPA - der DS Lite beherrscht nur WEP.
Wissen sollte man jedoch, dass man WPA beim DSi XL gegenwärtig nur zum Surfen im Internet oder Downloads aus dem DSi Shop nutzen kann. Als ich mir das Rätsel der Woche für Professor Layton herunterladen wollte, war Schluss mit lustig.
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