Advance Wars - Dark Conflict ist eine würdige Fortsetzung des guten ersten DS-Teils. Es wurden einige Schwächen ausgemerzt und einige neue Funktionen hinzugefügt.
Die augenscheinlichste Neuerung ist der erwachsenere Look des Spiels. Meiner Meinung nach eine durchaus sinnvolle Anpassung, da Advance Wars grundsätzlich ein knallhartes Strategiespiel ist;
allerdings stehen die nun realistischeren Darstellungen der Kriegsgeräte nach wie vor einer comichaften Spielkarte gegenüber, auf der kleine bunte Panzer durch die Gegend tuckern. Ein Stilbruch, der aber nicht wirklich ins Gewicht fällt.
Ebenfalls neu ist die Abänderung des KO-Systems, für Nicht-Kenner: beim ersten Teil füllte das Zerstören feindlicher Einheiten oder der Verlust eigener Einheiten die KO-Leiste, einen Energiebalken, der je nach Befehlshaber für eine bestimmte Aktion eingesetzt werden konnte.
Bei Dark Conflict nimmt der General selbst an der Schlacht teil, man setzt ihn in ein Fahrzeug seiner Wahl, und fortan füllt sich ebenso der genannte Balken, bei erfolgreichen Angriffen innerhalb eines gewissen Radius um das Fahrzeug. Wird das Fahrzeug zerstört, ist der Balken wieder leer.
Wer sich ebenso wie ich furchtbar über das nervige KO-System beim ersten Teil geärgert hat, wird erfreut sein: da dank der neuen Regelung deutlich langsamer die Energie für die berüchtigten Spezialfähigkeiten gesammelt wird, muss man sich seltener über völlig hirnrissige Kampfereignisse ärgern, bei denen plötzlich durch irgendwelche Fähigkeiten die halbe eigene Armee hinweggeräumt wird, bloß weil man durch ausgeklügelte Strategie die Einheiten des Gegners in der letzten Runde hinwegfegen konnte und er dadurch eine volle KO-Leiste zusammenbekommen hat.
Generell wurden die Fähigkeiten dankenswerterweise etwas entschärft.
Auch die Option, seinen Befehlshaber in ein Wägelchen setzen zu können, ist eine nette Sache: so hat man seinen persönlichen Avatar am Schlachtfeld, der die eigene Truppe anführt.
Hier fällt aber der neue Grafikstil von Dark Conflict etwas unangenehm auf; im Gegensatz zum Vorgänger ist die Anzahl der 'spielbaren Figuren' deutlich niedriger, sprich, wer mit dem leicht minderbemittelten Story-Held Ed nicht glücklich wird, hat bereits das erste Problem, eine passable Gallionsfigur für seine Truppe zu finden.
Abseits des Protagonisten finden sich in der KO-Riege nämlich hauptsächlich die üblichen Feindfiguren und Sonderlinge wieder, die allesamt betont auf unsympathisch (oder zumindest seltsam) getrimmt wurden.
Wer seine Generäle ohnehin nur nach Fähigkeiten wählt und einem hässlichen Charakterportrait keine Bedeutung beimisst, kann den letzten Absatz aber getrost ausblenden.
Ebenfalls gestrichen wurde die Möglichkeit, vor einer 'freien' Partie die eigene Mannschaft zu personalisieren, z.B. mit größerer Distanzfeuerkraft, höherem Einkommen, etc;
wahrscheinlich im Sinne der Spielbalance, da es wirklich übermächtige Kombinationen gab... weswegen der Verlust zu verkraften ist.
(obwohl hier - im Gegensatz zu den KO-Fähigkeiten, alle Spielteilnehmer gleiches Recht hatten)
Stichwort Spielbalance, das Waffenarsenal von Dark Conflict bietet einige neue Einheiten wie das Bike oder die Missiles; lediglich die Anti-Tank-Artillerie tanzt in puncto Balance etwas aus der Reihe, ist aber dennoch nicht übermächtig.
Nicht mehr dabei ist der Stealth-Fighter - einerseits schade, da er sicher für viele Spieler das Lieblingsspielzeug war; aber auch oder gerade deswegen, weil er im Vergleich zu anderen Einheiten als übertrieben stark gelten durfte.
Der Umfang des Spiels ist gewachsen: neben Story-Missionen bietet die Welt von Dark Conflict auch jede Menge nicht im Zusammenhang stehende Nebenschauplätze. Karten für 'freie Spiele' sind sowieso wieder in Hülle und Fülle vorhanden, und auch der Editor wurde merklich verbessert.
Der einzige echte Kritikpunkt an Dark Conflict ist die wieder einmal sehr schale Story. Immerhin sind die Zwischensequenzen grafisch recht nett inszeniert, auch wenn nur die starren Charakterzeichnungen vor wechselnden Hintergründen klischeehafte Äußerungen von sich geben.
Das wahre Dilemma liegt weniger an den 08/15-Charakteren, die kaum jemals für eine echte Überraschung gut sind, sondern an der Hintergrundgeschichte, die die Story in eine von Meteoren verwüstete, postapokalyptische Welt verlegt;
denn trotz einiger halbgarer Versuche, Untergangsstimmung zu erzeugen, kommt niemals wirklich das Gefühl des Überlebenskampfes in einer ins Chaos gestürzten Welt auf.
Vielmehr herrscht der Eindruck 'business as usual' vor.
Insgesamt ist das zweite Advance Wars aber ein ausgezeichnetes Spiel, das ohnehin nicht von seiner schwächelnden Hintergrundgeschichte lebt, sondern von packender Rundenstrategie. Und in diesem Punkt überzeugt Dark Conflict voll und ganz.