Wenn ich Rezensionen bei Amazon lese, stelle ich immer wieder fest, dass Romane unabhängig von ihrer Qualität mit 1 bis 5 Sterne bewertet werden. Entscheidend ist da wohl eher der Geschmack des Lesers.
Dies trifft für Ninragon wohl besonders zu: Ein Buch, dass sicher eine Gemeinde von großen Fans um sich scharen wird und gleichzeitig andere Leser mit den harten Kampfszenen, der zwiespältigen Gesinnung der Protagonisten und auch der opulenten Sprache vor den Kopf stossen wird.
Während in der derzeit zumindest in Deutschland populären Fantasy ursprüngliche Horror-Figuren als (un-)gefährliche Romantikpartner mit Keuschheitsgebot angeboten werden, findet sich Ninragon genau auf der Gegengeraden: Brutal, dreckig, sprachlich anspruchsvoll.
Ninragon spielt damit eher in der Liga mit Büchern von George R. R. Martin, R. Scott Bakker und Co, wobei die Intrigen hier mehr im Hintergrund stehen, die Protagonisten selbst an der Abgrenzung zwischen Gut/Böse verzweifeln und ein deutlich stärkerer Schuss Gewalt und Horrorszenarien in dem Buch vorkommen. (Einige der Wesen in den Kampfszenen könnten gut im Lovecraftschen Universum ihren Platz finden...)
Auch sprachlich hat mir das Buch gut gefallen, wobei auch das sicherlich Geschmackssache ist. Odenthal hat seine eigene Sprache auf die man sich einlassen können muss. Aber das lässt sich schnell anhand der Leseprobe feststellen. Was die Geschichte angeht, ist die Leseprobe leider etwas kurz. Es geht eigentlich danach erst richtig los. Wem also der Stil der Leseprobe gefällt und sich für hartgesottene Fantasy ala 'Game of Thrones goes Lovecraft' interessiert, sollte zugreifen.
Ich finde es jedenfalls sehr erfrischend, diese Art von Fantasy mal von einem deutschen Autor zu lesen, statt ein durch eine Übersetzung gemangeltes Buch.
Warum ein hochqualitatives Buch wie dieses nicht als Print erscheint, ist mir allerdings ein Rätsel. Ich kann es mir nur damit erklären, dass es zu gewagt für den deutschen Fantasy-Markt ist. Was das angeht, wäre es im Englischen wahrscheinlich besser aufgehoben...
Auf dem deutschen Markt dürfte es derzeit einzigartig sein...
Update: Zum 2. Band:
Gelungene Fortsetzung
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So gut der 1. Band mir gefallen hat, hatte ich doch bei dessen Ende ein wenig die Befürchtung, dass im weiteren Verlauf der Trilogie die militärische Laufbahn von Auric eine zu große Rolle spielen würde (was mich als Handlung wenig interessiert hätte).
Zum Glück ist dem nicht so: Im 2. Band stehen politische Intrigen, Verrat und vor allem die allmähliche Entfaltung der kompletten Drohkulisse im Vordergrund. Erzählt wird der Hauptplot weiterhin aus der Sicht Aurics und so bleiben für den Leser die Kräfte und Motive, die zu den Verwerfungen in Ninragons Welt führen, zu großen Teilen im Hintergrund. Für mich ein hautnahes Erlebnis durch die Augen des Protagonisten verbunden mit dem Gefühl, nur die Spitze des Eisbergs zu erahnen.
Ich mochte den 1. Band sehr. Diesen konnte ich kaum aus der Hand legen...
Update: Zum 3. Band:
Atemberaubender Abschluss
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Bei einer Trilogie kommt dem letzten Band besondere Bedeutung zu: Zu häufig können Autoren zwar eine spannende Geschichte erzählen, finden aber keinen befriedigenden Abschluss des Abenteuers. Bei der Ninragon-Trilogie kommt erschwerend hinzu, dass einem nach den ersten beiden Bänden überhaupt nicht klar ist, wo das Ganze letztendlich hinsteuern kann bzw. soll. Es gibt hier nicht den recht üblichen Ablauf, bei dem eine Heldengruppe eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss und diese zum Schluss nach langem hin und her endlich schafft: Odenthal lässt uns bis weit in den 3. Band hinein über die letztendliche Auflösung der Geschichte im Dunkeln.
Der letzte Band ist atemberaubend, fulminant, wahrlich ein Ritt durch die Hölle. Vom Lesererlebnis her der intensivste der 3 Bände. Mit der ganzen Geschichte im Blick, sehe ich auch die ersten beiden Bände, insbesondere den Darachel-Erzählstrang, der mir weniger gefiel, als der Auric-Erzählstrang, in einem anderen Licht. Wirklich ein sehr intensives Fantasy-Erlebnis. Mehr kann bzw. darf man an dieser Stelle nicht verraten...
Insgesamt:
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Die Ninragon-Trilogie bietet ein vielschichtiges Leseerlebnis: Vordergründig eine actionreiche Abenteuerstory in einer sehr detailliert entworfenen Welt. Hintergründig die persönliche Entwicklung von Auric, der sich gegen das Erbe seines Vaters stemmt, indem er sich weigert in die Fußstapfen des gewalttätigen Barbaren zu treten, sondern stattdessen die Bildung sucht, zu der ihm seine Mutter die Grundlagen gegeben hat. Der aber um dieses Ziel zu erreichen, immer wieder dazu gezwungen wird, eben doch das zu tun, was von ihm als Barbaren erwartet wird: Zu kämpfen. Und damit endgültig zu seinem von ihm selbst verhassten Vater zu werden droht.
Dazu die geschickte Verknüpfung mit dem parallelen Plot um Darachel, der ähnlich wie Auric eine Außenseiterrolle einnimmt, ähnlich wie Auric mit Erwartungen, die durch seinen Vater entstehen, zu kämpfen hat und ähnlich wie Auric andere Ziele hat als sein Volk, den Ninrae, die in ihrem vergeistigten Zustand, den Gegenentwurf zu Aurics Umfeld bilden.
Bei der Entwicklung dieser Plots gibt es, trotz der erfundenen Welt, starke Parallelen zu den Themen unserer Realwelt, gesellschaftlich wie politisch.
Für jeden, der mit anspruchsvoller Fantasy zurechtkommt, eine echte Empfehlung.