Vorweg: Ich gebe zu, dass ich der "offiziellen Version" der Geschehnisse am 11. September 2001 ("19 Islamisten kapern vier Jets mit Teppichmessern im bestbewachten Luftraum der Welt und steuern diese in das World Trade Center, das Pentagon, und in eine Wiese in Pennsylvania") seit langem kritisch gegenüber stehe. Ich habe die einschlägigen Werke hierzu (Wisnewski, Bröckers, von Bülow) gelesen und kenne die gängigen, von unabhängigen Filmemacher hergestellten Videos. Die Argumentation dieser Kritiker finde ich überzeugend.
Somit bin ich an dieses Buch des "Terror-Experten" und stellvertrenden ZDF-Chefredakteurs mit einem guten Schuß Skepsis herangetreten. Ich stellte mir die Frage: Was ist von einem Autor zu halten, der in verantwortlicher Stelle bei einem öffentlich-rechtlichen Sender arbeitet, der seit Jahr und Tag vorbehaltlos nur die "offizielle Version" des 11. September 2001 in die weite Welt versendet? Besteht die Chance, dass dieser Autor es schafft, zehn Jahre Aufklärungsarbeit seitens der 9/11-Wahrheitsbewegung zur Kenntnis zu nehmen oder vielleicht sogar selbst die "offizielle Version" in Frage zu stellen? Meine Erwartungen an das Buch waren dementsprechend gering.
Beim Lesen war ich dann entsetzt, wie unkritisch Theveßen mit dem Thema umgeht. Schon das Kapitel "Was wirklich geschah" ist die haarkleine Nacherzählung der offiziellen Version. Theveßen verkauft uns all die Unstimmigkeiten, und seien sie noch so fragwürdig: angefangen von den Unstimmigkeiten im Zeitplan bis hin zu den Telefonaten aus Flug 95, der angeblich in Pennsylvania abstürzte. Theveßen erhebt den Anspruch, die ganze, reine, ungeschminkte Wahrheit zu kennen und dem Leser zu erklären. Es gibt vielleicht ein paar hundert Leute auf der Welt, die die Wahrheit kennen, wenn überhaupt. Theveßen mag dazu gehören oder auch nicht (ich glaube eher nicht), aber das, was er dem Leser hier als die wahre Geschichte verkaufen will, ergibt in weiten Teilen gar keinen Sinn. Als Gegengewicht hierzu empfehle ich Ihnen das Buch "Operation 9/11 - Der Wahrheit auf der Spur" von Gerhard Wisnewski, das tatsächlich Licht in das Lügendickicht bringt.
Immerhin: Theveßen geht im Kaptiel "Wie es nicht war" auf die "Verschwörungstheoretiker" ein. Hier ist er nun vollends in seinem Element und teilt mächtig aus. Zitat: "Eigentlich dürfte man sie keines Wortes würdigen. Doch die Veschwörungstheorien rund um Nine Eleven erfreuen sich wachsender Beliebtheit", und man fragt sich unweigerlich, ob das wohl der Grund für das Buch sein könnte? Weiter schreibt er: "Sind die Anschläge vom 11. September möglicherweise mit Wissen und Duldung oder gar Unterstützung westlicher Geheimdienste und Politiker erfolgt? Der Gedanke verdient es, als himmelschreiener Blödsinn ignoriert zu werden", und wieder fragt man sich, weshalb er sachlich vorgetragene Kritik so diffamiert? Aber dann läßt sich der "Terror-Experte" doch noch herab, die "gängigen Thesen" zu analysieren und zu entkräften. Dazu legt er zwar keine Beweise vor, aber er argumentiert stets im Glauben an das unfehlbare Amerika und die völlige Korrektheit der offiziellen Version. Wie schwierig ihm das gefallen sein muß, das zeigen Statements wie dieses zur Sprengung des WTC: "Klingt alles plausibel, ist aber dennoch falsch: [...] Bei einer Sprengung müssten die Explosionen gleichzeitig oder nach einer genau berechneten Staffelung erfolgen. Die Fernsehbilder zeigen etwas anderes." Da hat Herr Theveßen wohl nicht genau genug hingesehen. Und er ignoriert auch die Tatsache, dass zwischenzeitlich Sprengstoffreste im Staub des World Trade Center nachgewiesen wurden (u.a. durch den dänischen Chemiker Niels Harrit). Nun gut, wenn man beim ZDF nach "Niels Harrit" sucht, findet man keine Ergebnisse. Nur ein Zufall?
Vollends lächerlich wird's, wenn Theveßen schließlich den Lehrmeister des reinen Journalismus gibt. So schreibt er über die Verschwörungstheoretiker: "Sie geben vor, nach der Wahrheit noch zu suchen, aber das ist eine glatte Lüge. Denn in ihren Pamphleten, Videos und bei öffentlichen Auftritten präsentieren sie ihre Version von Nine Eleven als absolute Wahrheit - das ist das Kennzeichen aller Verschwörungstheoretiker." - Tja, da hat Herr Theveßen aber vergessen, was er im Vorderteil seines Buches schreibt. DORT erkenne ich den Anspruch auf die absolute Wahrheit, nicht bei den Kritikern.
Somit ist und bleibt das Buch in meinen Augen nichts weiter als - reine Propaganda. Ein Stern ist noch zuviel.