...wie fange ich diese Seite an?" Eigentlich ist das ein Problem, das nur Autoren kennen. Aber wenn wir Guido Continis(Daniel Day-Lewis) Stimme aus dem Off hören, wissen wir, dass es auch Regisseure erwischen kann. Wir schreiben das Jahr 1965 und der bekannte Regisseur will seinen neuen Film "Italia" an den Start bringen. Im Nacken sitzen ihm dabei sein Produzent Dante und seine letzten beiden Filme, die geflopt sind. In Rom ist alles angerichtet: Schauspielerinnen, Kulissen, ein Heer von Medienvertretern und...und...und. Was allerdings niemand weiß: Guido hat noch keinen einzigen Satz für das Drehbuch zusammen. So macht Guido das, was er am besten kann; er verschwindet. Allerdings nimmt er all seine Probleme mit. Die Geliebte Carla(Penelope Cruz), die nicht ohne Guido leben will. Seine Ehefrau Luisa(Marion Cottilard), die er abgöttisch liebt und dennoch immer wieder enttäuscht. Seine Maskenbildnerin Lili(Judi Dench), die ihn mütterlich umsorgt. Seine Mutter(Sophia Loren), die über allem in Gudios Leben steht. Dazu kommen noch Saraghina(Fergie), Stephanie(Kate Hudson) und Claudia Jenssen(Nicole Kidman), die Guido hin und her reißen zwischen Arbeit, Liebe, Alltag und Schicksal. So verwebt sich Guidos Leben in die Szenen des hektischen Alltags und einer Traumwelt, die er mit Musik und Erinnerungen füllt. In diesem Wirrwarr der Emotionen kommt Guido zu allem, nur nicht zum arbeiten...
Angelehnt an Fellinis autobiografischen Film Achteinhalb, hat Rob Marshal sein -Nine- ins Rennen der Broadway-Musical-Verfilmunngen geschickt. Wenn sie mich fragen: -Nine- ist ein ordentlicher Beitrag zur ganz großen Musicalszene der letzten Jahrzehnte. Vielleicht nicht vergleichbar mit Stücken wie -A chorus line- oder -Fame- aber in sich ernsthaft und ambitioniert bis in die Haarspitzen. Maury Yestons Musik geht nicht gleich beim ersten Hören ins Ohr, findet aber ihren Weg in den Kopf des Hörers und überzeugt dort nach und nach.
Wie Marshall die Traumsequenzen Guidos in Bilder eingefangen hat, das ist aller Ehren wert. In hervorragend gemachten schwarz-weiß Schnitten, die sich, passend zur Musik in Farbbilder verwandeln visualisiert Marshall die Musik absolut perfekt. Dazu übertüncht er die Produktion gewollt mit einer gewaltigen Patina Italiens, die so vorurteilhaft wie wunderbar ist. Seine Zeitsprünge, mit denen er tief in Guidos Leben eintaucht, sind märchenhaft gelungen.
Was die Besetzungsanliste angeht, so konnte Marshall aus dem Vollen schöpfen. Da ist zum einen der begnadete Daniel Day-Lewis. Wie er den genial hilflosen Guido Contini gibt, ist beeindruckend. Dazu kommt der Fluch einer Riege von wunderschönen Frauen. Egal, ob Carla im Hotelzimmer zu Gudio sagt "Ich warte auf dich...und mache schon mal die Beine breit" oder Guido hilfesuchend in die Arme seiner Mutter flieht, Penelope Cruz, Sophia Loren und Co. spielen, tanzen und singen am oberen Level ihres Könnens. -Nine- zeigt dabei, dass ein Großteil der wirklich guten Schauspieler auch gesangstechnisch einiges zu bieten haben. Zudem sind fast alle Tanzszenen hocherotisch angelegt und verfehlen ihre Wirkung beim Zuschauer nicht.
Rob Marshall hat vielleicht nicht alles, aber doch eine Menge richtig gemacht. Klar, dass man bei jeder Musicalverfilmung Vergleiche herbeizieht, aber -Nine- braucht diese nicht zu scheuen. Der Film kommt eigenständig und mit jeder Menge Potential daher. Marshalls Filmende ist dabei so bewegend italienisch, wie seine gesamte Kulisse und Anlage des Stoffs. Ich habe mich von -Nine- in jedem Fall sehr gut unterhalten lassen. Den Anblick dieser vielen wunderbaren Frauen habe ich als Zugabe genossen. Wie sagt Lili in einer Filmszene so schön: "Unsere Aufgabe ist es zu unterhalten!" Ja...genau so sieht das aus!