Nina Blazon studierte Germanistik und Slavistik. Seit 2003 schreibt sie Kinder- und Jugendbücher in den Genres Fantasy, Historischer Roman und Krimi. Ihr neuestes Buch "Wolfszeit" handelt von einem historisch verbürgten Kriminalfall aus dem 18. Jahrhundert. Ein Interview zum Making-of findet sich auf www.buecher-leben.de.
"Si t'es pas sage, la Bete va venir te manger!" - "Wenn du nicht brav bist, kommt die Bestie und frisst dich!" Viele Bewohner der Auvergne in Südfrankreich haben diesen Spruch in ihrer Kindheit gehört. Die geheimnisvolle "Bestie", um die es hier geht, ist so etwas wie der französische Jack the Ripper. In der Auvergne ist die "Bestie" auch Teil vieler Familiengeschichten, unter den Vorfahren gab es so einige Opfer. Aber war es wirklich ein Wolf, wie König Ludwig XV ganz offiziell verlautbaren ließ? Einige Forscher bezweifeln das.
Es war sehr spannend, auf einer Recherchereise vom Städtchen Saugues aus den historisch verbürgten Spuren dieser Mordfälle von Tatort zu Tatort zu folgen und die Ereignisse von damals aufzurollen: Die Jagden der Dragoner nach dem vermeintlichen Wolf. Tote, die am Tatort liegen gelassen wurden in der Hoffnung, dass die Bestie zu ihren Opfern zurückkehrt. Der Versuch, die Bestie mit Fallen und vergifteten Ködern zur Strecke zu bringen (erfolglos).
Moderne Bestienjäger wie Dr. Utz Anhalt, Jean Richard, Marie-Hélène Soubiran, Bernard Soulier, André Aubazac - und natürlich Roger Oulion haben ihre Interpretationen des Falles dargelegt. Eine These aus der Feder eines dieser Spezialisten erschien mir persönlich am schlüssigsten (nein, keine Verschwörung, für die gibt es keinerlei historische Belege, aber ein anderer Aspekt. Und: Nein, auch kein Werwolf, das ist kein Fantasy-Roman ;-))
Zurück am heimischen Schreibtisch habe ich zwei Spezialisten für die Arbeit am Roman mit ins Boot geholt - und ich bin sehr froh, dass ich mich auf ihre wertvollen Hinweise und Analaysen stützen durfte:
Der Kriminalist und Profiler Stephan Harbort (www.stephan-harbort.de) hat sich die Fallbeschreibungen von damals mit sachlichem Blick des Profilers angesehen.
Und auch für das Abklopfen einer weiteren These stand mir eine Fachfrau zu Seite: Elli Radinger (www.elli-radinger.de). Sie arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren mit Wölfen, beobachtet ihr Sozial- und Jagdverhalten unter anderem im Yellowstone-Nationalpark und hat diverse Fachbücher zum Thema Wolf verfasst. In einem davon, "Wolfsangriffe", beschäftigt sie sich auch mit der Bestie vom Gévaudan.
Und nun wünsche ich: Viel Spaß bei der Reise in die wilde Auvergne!
Nina Blazon