Ich lese gerne die Art Bücher, in denen Vertreter einer technisch weit entwickelten Zivilisation in einer Feudalgesellschaft leben und agieren müssen, ohne im vollen Umfang auf die technischen Möglichkeiten zurückgreifen zu können die ihnen bekannt sind. Die Herausforderung, eine Feudalgesellschaft umzukrempeln, führt gewöhnlich zu einer an tatsächliche geschichtliche und technische Fortschritte der Menschheit angelehnten Zeitraffer-Entwicklung. Oft erkennt man die Parallelen zu unserer eigenen geschichtlichen Entwicklung und kann darüber spekulieren, wie manches hätte anders verlaufen können, wenn bestimmte Erfindungen, die durchaus bereits im Bereich des Möglichen gewesen sind, lange bevor sie tatsächlich auftauchten, früher gemacht und eingesetzt worden wären. Fast alle Bücher dieser Art räumen besonders dem militärischen Fortschritt und den unvermeidlichen kriegerischen Auseinandersetzungen breiten Raum ein und gewöhnlich schaffen die Autoren eine "David gegen Goliath"-Situation, in der David letztlich durch überlegene militärische Technik und durch auf die Erkenntnisse und Erfahrungen von Jahrhunderten der Kriegsführung gestützte Verbesserungen der Taktik und Strategie die Oberhand behält.
David Weber versteht genug von Militärgeschichte um diesen Plot glaubwürdig zu gestalten und er bemüht sich auch darum, der Umgestaltung und Verbesserung der wirtschaftlichen Grundlagen breiten Raum zu geben. Viele andere Schriftsteller vernachlässigen diesen Aspekt und übersehen, dass eine "moderne" Armee nicht durch einen Wink mit dem technologischen Zauberstab entsteht, sondern nur dann aufgestellt, ausgerüstet und erhalten werden kann, wenn eine ausreichend leistungsfähige Wirtschaft da ist, welche die immensen Kosten eines solchen Unternehmens tragen kann.
David Weber variiert in der Nimue-Alban Reihe jedoch nur ein Thema, mit dem er sich im Buch "Die Erben des Imperiums" und zusammen mit John Ringo in "Das Bronze-Bataillon" und den Folgeromanen "Die Marduk-Mission" und "Marsch zu den Sternen" bereits früher beschäftigt hat.
Die Bücher der Nimue-Alban Reihe sind nichts für Leser, die unter dem Titel "SF" nur hochentwickelte Technik, galaktische Imperien, Raumschiffe und Raumschlachten erwarten.
Mich stört bei dieser Serie von David Weber allerdings sehr, dass der Verlag die englischen Originalbücher in der deutschen Übersetzung auf jeweils 2 Taschenbücher aufteilt. Der erste Band "Off Armageddon Reef" erschien unter "Operation Arche" und "Der Krieg der Ketzer", "By Schism Rent Asunder" wurde auf "Codename: Merlin" und " "Die Flotte von Charis" aufgeteilt. Der dritte Teil "By Heresies Distressed" erscheint im Juli und wird in der Übersetzung vermutlich ebenfalls wieder zerstückelt werden.
Diese Veröffentlichungspolitik des Verlages ist mit ein Grund, warum ich diesem Buch nur 4 Sterne gebe.