Erneut zieht Nimue Alban, bekannt als Seijin Merlin, in den Kampf. Nur ist es diesmal nicht die Schlacht gegen die Vierer-Gruppe, Hector von Corisande oder Nahrmahn von Emerald. Das Schlachtfeld verlagert sich auf die Innenpolitik, die Wirtschaft und die Diplomatie. Die Annäherung an Königi Sharleyan von Chisholm schreitet schnell und (nicht wirklich) überraschend voraus (wenn man bedenkt, wie wenige Frauen im heiratsfähigen Alter es in dieser Reihe gibt). Selbst Nahrmahn ist bereit, sich für das Wohl seines Volkes(und seiner Familie im Besonderen) mit dem neuen König von Charis zu arrangieren. Die Kirche von Charis spaltet sich offen ab vom Tempel in Zion und unterstellt sich der weltlichen Macht; die anglikanische Kirche lässt grüßen - nur mit mehr Moral als Heinrich VIII. :-)
Den politischen Erfolgen im "benachbarten Ausland" stehen Aufständische, Attentate und Anschläge im Inneren entgegen, die den relativen Liberalismus von Cayleb auf eine (nicht sehr klar ausgearbeitete) Probe seines Gewissens stellt. Inwieweit seine Bereitschaft, nicht mit Geheimdienstmethoden sein Volk auszuspähen oder andere Meinungen zu unterdrücken, wirklich geht, wird sich wohl erst in späteren Bänden zeigen, wenn die "Tempelgetreuen", die Ableger der "Wahren Gläubigen" aus Honor Harrington, weitere Anschkläge oder sogar erfolgreiche Attentate verüben.
In der Wirtschaft zeigen die Umwälzungen der enuen Technik und des Einsatzes von neuem Wissen das Verhältnis zwischen Unternehmenr und ihren Arbeitern. Betriebsräte werden eingeführt (zumindest bei den beiden
erfolgreichsten Unternehmern, was andeutet, dass der Erfolg nur aus der Kooperation kommt), die besten Leute wechseln von den Ausbeutern zu den kooperativen Arbeitgebern und wechseln auch nicht zurück.
Weitere technische Durchbrüche in der Waffenforschung stehen bevor, eine für die obersten Offiziere ungewohnte Aufrüstung der Streitkräfte wirft ihre Schatten voraus.
Doch wirklich überraschend kommt der Ansatz zur Auflösung der religiösen Oberherrschaft über Safehold: Alte Aufzeichnungen werden präsentiert, die eine ganz andere Geschichte erzählen, und damit kommt eine Art "Deus ex
machina" ins Spiel, die die Kirchenspaltung in Zukunft durch eine "Säuberung" der Dogmen der Kirche bedeuten
Generell ist "Codename: Merlin" weniger handlungs- als vielmehr dialogorientiert. Trotzdem oder vielleicht deswegen habe ich die ganze Nacht gelesen und es genossen. Wer die anderen Bücher von Weber kennt, erkennt viele VErsatzstücke aus seinem Werk wieder, die sich in Nimue Alban wohl endgültig kombinieren, trotzdem ein Lesevergnügen höchster Kategorie. By the way: Ich bin gespannt, wie Weber diese Elemente neu gruppiert in "Die Kriegerin". Von Edgar Wallace sagt man nach, er habe vier oder fünf Romane gleichzeitig geschrieben (was wohl das Strickmuster und die Ähnlichkietn angeht), ähnlich wird es bei Weber wohl auch sein. Trotzdem: Ich finde beide großartig.