Beau Riffenburgh's Buch "Nimrod" füllt nun endlich einen leeren Platz in den Bücherregalen arktisch-u. antarktisch interessierter Leser des deutschsprachigen Raums.
Endlich gibt es eine umfassende Beschreibung von Shackletons zweiter Reise in die Antarktis, eingepackt in unzählige Details, die sich sowohl um die Vorbereitung der Expedition, um Sir Ernest's Werben um seine Emily, die Kontroverse mit Scott und den Verbleib bzw. die biografischen Informationen der anderen Expeditionsteilnehmer drehen (um nur einige zu nennen).
Man spürt über die ganze Länge der Lektüre, daß der Autor nicht nur ein Kenner des Phänomens Shackleton ist, sondern auch ein leidenschaftlicher Bewunderer. An manchen Stellen schäumt das Buch nahezu über von Superlativen und heroischen Adjektiven. Nicht ganz zu unrecht, war doch Shackleton eine allgemein beliebte und symphatische Persönlichkeit, sowohl bei den Mitreisenden zum Südpol, als auch in der Öffentlichkeit, - aber nicht zuletzt deswegen, weil es unter seiner Leitung bei seinen Expeditionen, keinen einzigen Todesfall zu beklagen gab ( mit der Ausnahme von Sir Ernest selbst, der bei seiner letzten Reise zum Pol (1922),in Südgeorgien an Herzversagen starb und dort auch begraben wurde).
Das Buch ist - gerade in den Passagen über den Ablauf der Expedition selbst - sehr packend und spannend geschrieben. Der Verlag hat einige historische Fotos beigefügt, die das Gelesene gut illustrieren. Landkarten zu Beginn des Buches, erleichtern das Nachvollziehen der Reise-
routen und 50 Seiten zu Anmerkungen, Quellen u.ä. beenden es.
Die Übersetzung von Sebastian Vogel ist gut und authentisch, nur selten wird man stutzig, wie z.B. wenn von einem leckeren Dinner die Rede ist, und es zu den Klössen saftige "Hachsen", statt Haxen gibt.
Nicht nachvollziehen kann ich die Entscheidung von Autor und Verlag, (sogenannte) englische Eigennamen und das angelsächsische Maß- u. Entfernungssystem im Text beizubehalten. Z.B. " Glacier tongue" statt einfach "Gletscherzunge", oder die Entfernungen in Fuß und Meilen..., - ich mußte regelmäßig zum Lexikon greifen und umrechnen oder nachlesen, sonst hätte ich die Länge der Tagesetappen oder die Höhe des Mount Erebus (13500 Fuß....???) nie erfahren. Gott sei Dank hat man, zumindest bei Temperaturen, häufiger den Fahrenheit-Wert mit dem Celsius-Wert ergänzt, wenn auch nicht durchweg.
Doch von diesen Mängeln abgesehen, ist es ein sehr gut gelungenes Buch und wie bereits zu Beginn angemerkt, auch ein sehr wichtiges, weil im deutschsprachigen Raum kaum Literatur über die 'British Antarctic Expedition' vorliegt.
Prädikat : Besonders empfehlenswert!
Und Lob an den Berlin-Verlag, der Jahr um Jahr Bücher über die Polarzonen und deren Erforschung auflegt!