Da ich von Nikon in der Kompaktklasse bereits das 2 EDG, 2 HG 8x42, 2 SE / CF besitze und von diesen Ferngläser begeistert bin, habe ich dieses Jahr beschlossen meine Sammlung nach unten zu erweitern und die Sporter EX 8x42, EX 10x42, das Prostaff 8x42 und das Monarch X 10,5x45 bei Amazon bestellt. Dazu das Monarch 8x42 und die Olympus 8x und 10x42 vom Fachhändler als Vergleichprodukte. Die Ferngläser von Amazon wurden innerhalb von 24 Stunden geliefert, in einem Fall 2 Werktage. Keiner ist schneller. Auch im Preisvergleich lag Amazon i.d.R. vorn.
Das erste Sporter 8x42 hatte erheblichen Macken, beide Okulare hatten Spiel, das rechte war sehr lose und klapperte, Verunreinigungen in der linken Optik etc. und ging zurück. Das 2. erhielt ich als Ersatz ca. 10 Tage später, hatte die Bau-Nr. 162646 und war tadellos (abgesehen von Kleinigkeiten, die man in dieser Preisklasse einfach übersehen muss).
TESTBEDINGUNGEN
Ich verfüge zwar über spezielle DIN-A3-Testkarten für Objektive und Optik, bevorzüge jedoch recht einfache, effiziente und feste Testobjekte vor meiner Tür, z.B.
- die Beschriftung eines Briefkastens in 75 m Entfernung (die auch nachts von einer Strassenlaterne beleuchtet wird) für die Beurteilung der Schärfe bei Tageslicht und nachts,
- eine mittelgraue Satelliten-Antenne in 25 m Entfernung für die Beurteilung der Farbsäume und Phasenkorrektur,
- einen Fahnenmast und Dachkanten in 40-60 m Entfernung für die Beurteilung der geometrischen Verzerrungen, etc.
Das klingt nicht sehr wissenschaftlich aber da Objekte, Entfernungen und Testbedingungen konstant sind, ergeben sich für mich gute Vergleichs- und Beurteilungsmöglichkeiten.
Ausserdem sind diese Aufgaben recht schwierig und nur gute Ferngläser können sie zufriedenstellend bewältigen.
KONSTRUKTION / VERARBEITUNG
Nikon ist der Hersteller mit dem größten Auswahl und deckt jeden Marktsegment ab, vom Taschenfernglas bis zum 18x70 Astro-Fernglas, von der preiswerten Action-Baureihe (Porro-Ferngläser mit Kunsstoff-Bauteile made in China) bis zu extrem hochwertigen IF WP WF- und EDG-Baureihen (mit allem was technologisch machbar und noch bezahlbar ist).
Die Sporter-Baureihe ist die Preiswerteste Dachkant-Baureihe, sozusagen Einsteigerklasse.
Allerdings sind Dachkant-Ferngläser wie die Sporter EX eine ganz andere Liga weil viel komplizierter und aufwendiger als die Porro-Ferngläser der Action-Baureihe. Der Lichtstrahl wird öfter in den Prismen reflektiert und an den Linsen-Oberflächen gebrochen. Hier muß alles stimmen, die Konstruktion, die Präzision des Maschinenparks und der Montage, die Sorgfalt der Mitarbeiter, die ständige Qualitätskontrolle...
Das Sporter wiegt ohne Zubehör 668 gr und macht auf dem ersten Blick einen soliden Eindruck. Die Gummiverkleidung ist geruchsneutral, extrem fein genarbt, fühlt sich seidig an. Sie ist mit dem Fernglaskörper (aus Kunsstoff) tadellos verbunden. Die Augenmuscheln lassen sich 3 stufig ausfahren. In ausgefahrenen Zustand haben sie beim 2.Exemplar so gut wie kein Spiel, allerdings spürt man gegenüber dem Monarch eine deutlich billigere Ausführung. Die Hartplastik-Fokussierwalze läuft bei beiden Exemplare geschmeidig mit minimale Fettsauggeräusche. Der Verstellbereich beträgt 470 Grad, die letzten 90 Grad von ca. 50 m bis unendlich, ziemlich direkt übersetzt. Die Optik reagiert sehr präzis. Der Nahbereich beginnt bei ca. 4 m, ist allerdings wegen starken Doppelblick-Effekt effektiv erst ab ca. 8m brauchbar. Die Mittelbrücke für die Einstellung des Augenabstandes läuft perfekt, geschmeidig und gleichmäßig. Ich messe einen Einstellungsbereich zwischen den optischen Axen von 55 bis 74 mm.
Die Spaltmaßen der Scharniere sind hervorragend.
Die Dioptrie-Einstellung am rechten Okular ist nicht gummiert und wenig griffig. Sie läuft auch schwer (Exemplar Nr.1) bis extrem schwer (Exemplar Nr.2). Das bessert sich nach einigen Dutzend Drehungen vom Anschlag zum Anschlag und ist für mich nicht wichtig, weil ich Ferngläser nicht ausleihe und sie nur ein für alle Mal einstelle. Wechselt das Fernglas öfter den Benutzer, ist die Einstellung unkomfortabel. Der Verstellungsbereich ist bei einem der beiden Ferngläser unzureichend. Es gelingt mir nicht am rechten Okular ein scharfes Bild zu erzeugen, weil der Verstellungsbereich unterhalb von -3,5 liegt. Bei dem anderen Fernglas reicht der Verstellungsbereich aus und zeigt noch gute Reserven, allerdings gelingt hier eine gleichmäßige Scharfstellung nicht vollständig weil die rechte Optik etwas weniger scharf als die Linke zeichnet.
Ein Stativanschluß ist nicht vorhanden.
Die Überprüfung der Optik zeigt ganz minimale Einschüsse im linken Tubus, die nur von einem geübten und kritischen Auge bemerkt werden. Sie sind unbedeutend und geringer als üblich für die Preisklasse.
Für die mechanischen Eigenschaften vergebe ich nach dem Austausch des defekten Fernglases 4 Sternen. Das Sporter unterliegt offensichtlich einer gewissen Qualitätsstreuung.
OPTISCHE EIGENSCHAFTEN
Die Kollimation stimmt. Die Schärfe ist beidseitig im Zentrum sehr gut. Es gelingt alle Schriftfelder und einzelnen Zeilen / Wortgruppen des Briefkasten-Beschriftung in 75 m Entfernung (Laser-Messung mit Zeiss RF) zu identifizieren. Auch die Striche sind gut erkennbar. Die Schärfe nimmt ab 60% vom Zentrum auf dem Radius bezogen relativ schnell ab. Nah am Rande (ca. 20%) ist die Abbildung ziemlich verwaschen, Details einer TV-Antenne in 75 m Entfernung sind nicht mehr erkennbar.
Für die Preisklasse bietet das Fernglas eine tadellose, überdurchschnittliche Schärfeleistung im Zentrum, die sich praktisch nur in Nuancen von einem Fernglas der Mittel- und Oberklasse unterscheidet.
Bei der grauen Satellit-Antenne gegen dem weiss-milchigen Himmel zeigt die Optik des defekten Fernglas Nr.1 Farbsäume ohne Ende und zwar bereits im Zentrum des Sehfeldes. Beim Fernglas Nr. 2 sind die Farbsäume erstaunlich gering und sind nur ab ca. 25 % vom Zentrum für ein geübtes Auge bemerkbar (wenn man gezielt danach sucht). Dieser Test ist gnadenlos und lediglich Spitzengläser wie das Kowa Prominar XD44 zeigen sich völlig unbeeindruckt. Bei Asten und kleineren Objekte sind die Farbsäumen insgesamt minimal, grün-gelb links vom Zentrum und lila rechts davon.
Für die Beurteilung der geometrischen Verzerrungen benutze ich das nahgelegenen Fahnenmast und die Dachkanten von Nachbarhäuser.
Das Ergebnis ist erwartungsgemäß bescheiden: Bereits ganz nah am Sehzentrum (also um 15-20%) verbiegt sich der Fahnenmast deutlich nach aussen. Bei den Dächer ist das nicht viel anders, aus deutschen Häuser werden Pagoden aus dem Ursprungsland des Fernglases (China).
Dafür ist die Schärfentiefe hervorragend: Fokussiert auf 75m zeichnet die Optik fast ohne Detailverlust zwischen 50 und 150m ab. Man kann durch die leichtgängige und präzise Fokussierung problemlos noch etwas Schärfe herauskitzeln.
Der Kontrast ist nicht zu bemängeln. Die Farbwiedergabe (nicht die Farbsäume an der Kante von Objekte) ebenfalls. Für den Preis dieses Fernglases hat eine Bekannte ein Mitbewerber-Produkt aus Singapore mitgebracht, das einen nicht zu übersehenden Grünstich hat. Das Sporter verhält sich hier unauffällig und erzeugt eine angenehm neutrale, kristallklare Abbildung, zumindest im Zentrum und ziemlich weit darüber hinaus.
Insgesamt vergebe ich für die optischen Leistungen 4 Sternen, mit Rücksicht auf dem geringen Preis 5 Sternen.
ZUBEHÖR
Die Tasche aus feingewebtem Cordura ist ausreichend gepolstert, zweckmäßig und sehr sauber verarbeitet. Das gilt auch für den 36mm breiten Cordura-Trageriemen, der ungepolstert ist.
Die 4 Einzelabdeckungen der Linsen sind leider nicht praxisgerecht, gehen schnell verloren, müssen in der Hosentasche Platz finden. Beim Fernglas Nr. 2 sitzen sie an den Okularen so stamm, das der Gummiring eines der Okulare mitkommt wenn man sie abzieht. Ich sehe darin keinen Grund für eine Abwertung, vor allem wenn man bedenkt, dass es Nikon nach zig Jahren gelungen ist, Abdeckungen mitzuliefern, die nicht automatisch abfallen wenn das Fernglas senkrecht gehalten wird. Wenn sie irgendwann auch noch, wie beim Monarch, an das Fernglas angebunden werden, wird es einen weiteren Fortschritt sein.
FAZIT
Das erste Fernglas ging wegen Mängel zurück. Das Austausch-Fernglas ist so gut wie tadellos und für den Preis eigentlich einen Knüller oder ein Schnäppchen, das eine warme Empfehlung meiserseits verdient.
Das Sporter ist für ein 42mm ziemlich groß. Deutlich kleiner, vor allem mit Tasche, ist da das Olympus 8x42 EXWPI made in Japan, das allerdings mehr als doppelt soviel kostet.
Will man eine noch bessere Qualität aus dem Hause Nikon, empfehle ich das neue Monarch 8x42, das inzwischen preislich sehr interessant geworden ist, oder das Monarch X 10,5x45, das deutlich bessere Dämmerungseigenschaften bei einer ebenfalls deutlich besseren Vergrösserung bietet.
Das Sporter spricht leute an, die ein gutes, brauchbares aber günstiges Fernglas als Einsteiger suchen und nicht das Risiko eingehen möchten einen Fehlkauf und erneute Geldausgabe zu tätigen.
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