Seit kurzem besitze ich nun neben meinem SB-800 einen SB-900. Lange Zeit darauf hingeschielt, anfangs vom hohen Preis abgeschreckt mit zunehmender Erfahrung im "Blitzen" den Bedarf für ein zweites Blitzgerät entwickelt.
Die Wahl zwischen SB-700 und SB-900 fiel zugunsten Letzteren aus, da der aktuelle Preis des SB-700 für meinen Geschmack zu nah am SB-900 dran ist, als dass ich zugunsten der Ersparnis auf die Mehrleistung hätte verzichten wollen.
Nun hat man ja schon Vieles vom SB-900 gelesen, Gutes wie Schlechtes. Ich war entsprechend gespannt, meine eigenen Erfahrungen zu machen und festzustellen, ob sich die Anschaffung gelohnt hat, oder nicht.
LIEFERUMFANG:
Der Blitz wird inklusive einer gut gepolsterten Aufbewahrungstasche (die ein separates Fach für den Soft-Diffusor und Farbfolienhalter bietet), zwei Farbkorrekturfolien (Grün/Orange), einem aufsteckbaren Soft-Diffusor, einer Folienhalterung und einem umfangreichen Handbuch nebst Garantiekarte und kleinem Booklet mit Anschauungsmaterial geliefert, sowie einem Standfuß, dem AS-21.
PRAKTISCHER EINSATZ:
Die TASCHE ist solide verarbeitet, vermittelt einen hochwertigen Eindruck, die Idee ein separates Fach für den Diffusor und die Filterfolienhalterung zu integrieren, sehe ich neutral.
Die Tasche des SB-800 hat dieses Fach nicht, was zur Folge hat, dass hier der Blitz mit aufgestecktem Diffusor darin verstaut wird.
In der Praxis sieht es - zumindest bei mir - so aus, dass ich in 80 % der Fälle mit Diffusor fotografiere. In diesem Fall stellt das "SB-800-System" einen kleinen Vorteil dar, weil ich den Blitz inkl. Diffusor entnehme, aufstecke, fotografiere und danach genau so einfach wieder verstaue.
Beim SB-900 sind ein paar wenige Handgriffe mehr vonnöten, um den Blitz "einsatzbereit" zu bekommen, ebenso beim Verstauen etwas mehr Aufwand.
Das wäre jetzt an und für sich kein großer Nachteil. Problematisch kann's allerdings werden, wenn man eine kleinere Fototasche oder eine große, aber bereits prall gefüllte Fototasche besitzt, die zudem über eine ausreichende Höhe verfügen muss. Anderenfalls wird man die SB-900er-Tasche nämlich nicht senkrecht in der Fototasche verstauen können, da diese mit knapp 24 cm Höhe/Länge die SB-800er-Tasche um gute 5 cm überragt.
Verstaut man den Blitz ohnehin ohne die Aufbewahrungstasche in der Fototasche/im Fotorucksack, dann stört dies vielleicht nicht, wenngleich der SB-900 auch in punkto räumlicher Dimension den SB-800 deutlich übertrifft.
Der SB-800 kommt auf knappe 16,5 cm Höhe, beim SB-900 sind's schon 20 cm. Der SB-800 kommt auf knappe 6 cm Breite, der SB-900 auf 7 cm, die Tiefe beträgt beim SB-800 an der bauchigsten Stelle ebenso wie bei SB-900 knappe 5,5 cm.
Man merkt also - Nikon's Blitztopmodell ist deutlich voluminöser geworden.
(Die Abmessungen wurden von mir im "Packzustand" gemessen und weichen daher von den Werten auf der Nikon-Seite ab. Will man den Blitz in der mitgelieferten Tasche verwahren, muss man ihn "aufklappen". Der Blitz ist dann wesentlich länger/höher, dafür weniger tief, als auf der Nikon-Homepage genannt.)
Gewichtsmäßig ist bei Vollbestückung mit 4 AA-Batterien/Akkus kein Unterschied festzustellen. Bringt man beim SB-800 das Zusatz-Akku-Fach an, wird der Blitz nicht nur etwas breiter, sondern auch schwerer. Bruch hebt man sich trotzdem keinen. *schmunzelt*
Hier tritt ein klarer Vorteil des SB-900's zutage, der zur Verkürzung der Blitzfolgezeit keinen 5. Akku benötigt und auch gar nicht die Möglichkeit hat, einen solchen anzubringen.
Eine geradezu revolutionäre Verbesserung stellen die Einstellungsmöglichkeiten dar. Ein gut ablesbares 5 cm x 3 cm großes Display (SB-800: 2,3 cm x 5 cm) erleichtert die Einstellungen ebenso wie die durchdachte und wesentlich vereinfachte Menüführung, die nun per Einstellrad und Knöpfen erfolgt.
Ungemein wertvoll - wenn man mit Master & Slave arbeitet - ist die direkte Einstellmöglichkeit per Wahlschalter direkt am Blitz.
Der mitgelieferte Standfuß AS-21 stellt in punkto Qualität das einzige Manko, die einzige Verschlechterung dar. Modernerem Design (wer darauf bei einem Blitzstandpunkt Wert legt) stehen billigere Verarbeitung, insbesondere ein Stativgewinde aus Kunststoff gegenüber.
Wer den Standfuß nur braucht, um den Blitz darauf zu stellen und in Folge stehend zu positionieren, wird darin keinen Nachteil entdecken. Wer den Blitz aber auf einem Stativ befestigen möchte, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit, spätestens nach dem erstmaligen, unfreiwilligen Verkantens beim Befestigen auf der Stativschraube feststellen, dass Kunsststoff hier Metall eindeutig unterlegen ist.
Daher habe ich mir einen zweiten AS-19 (für SB-800, passt logischwerweise auch für SB-900, hat aber noch ein Metallgewinde) bestellt, solange ein solcher noch erhältlich ist.
Mein "alter" AS-19 verrichtet seit über sechs Jahren seine treuen Dienste. Ein AS-21 wird mangels Metallgewinde wohl nicht solange überleben. Meiner Meinung nach Sparen am falschen Ende oder bewusst gesteuert, damit man sich möglichst viele Plastikstandfüße kaufen muss, die jedes Mal mit ein paar Euro zu Buche schlagen.
Damit hätten wir aber auch schon den einzig wirklich negativen Punkt behandelt. Der Rest ist schlichtweg ein Genuß.
Arbeiten mit dem SB-900 macht nicht nur ungemein viel Spaß, die Ergebnisse fallen durchwegs schlichtweg überragend aus.
An anderer Stelle wurde vom Diffusor berichtet, der sich nur mit Mühe montieren lässt und noch dazu den Schriftzug "Nikon SW-13H" verkehrt herum trägt. Ja, der Schriftzug ist verkehrt, mir persönlich aber letztlich egal, da kaum sichtbar (würde auf einer Kamera "Nikon" verkehrt herum stehen, wäre das etwas Anderes, würde so aber wohl auch nicht verkauft werden, bei dieser Diffusor-Box ist mir das egal). Die Montage ist nur anfangs ein wenig "hakelig", nach ein paar Mal Rauf und Runter, lässt sich der Diffusor geschmeidig montieren und entfernen.
Ebenso lässt sich der Blitzkopf mit zunehmender Gebrauchsdauer immer leichter und ohne Probleme verstellen.
Schon der SB-800 überzeugte durch seine hervorragende Ausleuchtungs- und Beleuchtungsqualitäten. Der SB-900 legt hier nochmal ein Quentchen nach, bietet auch einen etwas größeren Leuchtwinkelbereich, als der SB-800. (mit Diffusor SB-800 und SB-900 jeweils 14 mm, der SB-800 bis 105 mm, der SB-900 sogar bis 200 mm. Ohne Diffusor beginnt der Bereich beim SB-800 bei 24 mm, beim SB-900 sogar schon bei 17 mm.)
Der SB-900 ist etwas "geräuschvoller", als sein Vorgänger. Von einer "Lärmbelästigung" und störenden Betriebsgeräuschen kann aber noch nicht die Rede sein. Natürlich werden Geräusche/Lärm subjektiv oftmals extrem unterschiedlich wahrgenommen/empfunden. Einige Vorrezensenten, vor allem jene, die dem Blitz eine weniger gute Bewertung haben angedeihen lassen, sehen/hören das wohl anders, als ich.
Auch das Motorzoomgeräusch ist deutlich wahrnehmbarer, als beim SB-800, stört mich aber nicht. (Kleinkinder in unserer Familie sind bis jetzt nicht vor lauter Schreck geflüchtet, als ich den SB-900 im Einsatz hatte *grinst*)
Von Einzelschicksalen, wo das Einstellrad an der Stirn reibt und kratzt und das Arbeiten mit dem SB-900 somit zur Qual für Körper und Ohren wird, bin ich also verschont geblieben. Ich kann nichts Derartiges feststellen/beobachten.
Ebenso führt der Blitz bei mir zu keinen fehlbelichteten Ergebnissen, die auf eine fehlerhafte Elektronik oder ein nicht zu funktionierendes Gerät zurück zu führen wären. Bei einer Porträtserie mit schwarzem Hintergrund war aber je nach Kleidung und/oder Haarfarbe des Modells beim Arbeiten mit SB-800&SB-900 das eine oder andere Mal eine kleine Korrektur nötig, um das Ergebnis zu perfektionieren. Das betrachte ich aber als normal und sehe darin keinen produktspezifischen Nachteil oder Mangel. Nicht umsonst verwenden Profis einen speziellen Blitzlichtmesser, um "Austesten-Müssen" zu vermeiden (die haben auch gar nicht die Zeit dafür). Die zwei, drei Probeaufnahmen bis das Ergebnis passt, tun mir nicht weh.
Kabelloses Blitzen per Infrarot-Signal ist auch mit dem SB-900 kein Problem und funktioniert prächtig.
Der oftmals kritisierte "Überhitzungsschutz" (den man abschalten kann, wenn man möchte - wozu ich aber nicht raten würde, weil der Blitz ja nun doch keine Kleinigkeit kostet und ein "durchgebrannter" SB-900 bedeutet Reparaturkosten, die mit mehr als der Hälfte des Kaufpreises zu Buche schlagen) bereitete mir bis dato keine Probleme. Hatte gerade eine Porträt-Session mit ca. 150 Aufnahmen verteilt auf 40 Minuten, die der SB-900 ohne Zwangspause absolviert hat.
Möglich, dass ich künftig noch Bekanntschaft mit diesem Überhitzungsschutz schließen werde, bis dato jedoch kein Manko gegenüber dem SB-800.
Im Internet gibt es zahlreiche Berichte von Leuten, die den SB-900 verheizt haben (mit deaktiviertem Überhitzungsschutz), noch mehr von Leuten, die den SB-800 überfordert haben, der dieses Feature nicht aufweist.
Muss also jeder selbst entscheiden, ob er diese Funktion aktiviert oder nicht.
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