Es geht bei der Anschaffung einer Kamera um zwei Dinge: 1.) wieviel Geld will ich ausgeben und 2.) was will ich damit fotografieren. Wird die erste Frage mit einer Kasse von ca. 400 - 500 Euro angegeben, entfallen alle Vergleiche zu höherpreisigen Modellen. Klar, daß man für mehr Geld auch mehr erhält. Aber braucht man das? Da schließt sich die zweite Grundfrage dran an: will ich professionelle Sport- und Actionfotos schiessen oder die ultimative Qualität in Hochglanzmagazinen erzielen, sind weder die D60, noch der angegebene finazielle Spielraum empfehlenswert. Aber für den ambitionierten Fotografen und ganz speziell für den Spiegelreflex-Einsteiger ist die D60 hervorragend geeignet. Sie ist gut zu bedienen, für eine SLR handlich und leicht. Die Bildqualität ist für diese Preislage sehr anständig. Bezüglich der Rauschfreiheit will ich nicht in den Chor der Jubelsänger einfallen, aber mit der Farbwiedergabe, Schärfe und der Ausgewogenheit im Bild bin ich sehr zufrieden.
Ich habe einen direkten Bild-für-Bild-Vergleich mit der Panasonic FZ28 vorgenommen, ein Vergleich, der durchaus legitim ist, da ja gerade Besitzer von Kompakt- und Bridgekameras, die sich zwecks Verbesserung der Bildqualität und der Fotografiergeschwindigkeit eine SLR leisten wollen, zu den von Nikon anvisierten "Einsteigern" zählen. Die FZ28 macht sehr gute Bilder, so gut, daß beim oberflächlichen Vergleich mit den D60-Fotos zunächst gar kein so himmelweiter Unterschied zu verzeichnen ist. Erst bei der 100-Prozent-Vergrößerung erkennt man die Qualitätsunterschiede. Wo es bei der FZ28 unsauber und verrauscht wird, zeichnet die D60 noch ein sauberes Bild. Der größte Unterschied liegt allerdings im Fotografieren selbst: wo der Autofokus der FZ28 - eine unter den Kompakten schnelle Kamera - noch nach Schärfe sucht, ist bei der D60 die Aufnahme längst im Kasten. Auch sollte man bei der voll manuell bedienbaren FZ28 nicht versuchen, manuell die Schärfe einzustellen. Das funktioniert mit der D60 nicht nur viel besser, sondern bei manuellen Objektiven wirklich gut.
Womit ich kurz zu den beiden besonders prägnanten Nachteilen der D60 komme, die bekannt sein sollten, wenn man sich für diese Kamera entscheidet: 1.) kein eingebauter Autofokus, abhängig von Objektiven mit Autofokusmotor und 2.)weder LiveView, noch Abblendtaste, um einen Eindruck des Bildes zu erhalten, das man fotografieren möchte.
Der erste Punkt ist nur nachteilig für jene, die eine Tasche voll von Nikon-Objektiven haben, die sie an der D60 nur mit manueller Fokussierung verwenden können. Für Einsteiger oder für jene, denen ein oder zwei Objektive ausreichen, aber eigentlich kein Problem, zumal das mitggelieferte VR-Zoom-Objektiv prima ist. Zum zweiten Punkt: ich hätte LiveView schon gut gefunden, in Situationen, in denen man aufgrund der Perspektive nicht durch das Okular sehen kann (z.B. auf dem Boden liegend oder über dem Kopf haltend). Aber das sind Ausnahmesituationen, so selten, daß mir Bildqualität und übrige Handhabung wesentlich wichtiger sind.
Als Fazit finde ich, daß die D60 für den Einsteiger ideal ist(erwähnt sei die Info-Taste, die über Einstellungen und Fotosituationen informiert), als auch für den ambitionierten Fotografen, der keine High-Speed-Kamera braucht und keine Tasche älterer Objektive sein Eigen nennt. Die Verarbeitung finde ich einwandfrei. Ich habe Kritiken von Nikon D300-Besitzern gelesen, die meinen, die D60 wäre ein billig verarbeitetes Plastikspielzeug. Dem kann ich auf keinen Fall zustimmen. Diese Kamera bietet sehr gute technische Möglichkeiten, gute Fotos zu machen. Da fehlt nur noch der gute Fotograf. Ist der Fotograf nicht gut, hilft es auch nicht, 3000 Euro in eine Profikamera zu investieren.
Noch ein Zusatz, nachdem ich die D60 auf acht Rockkonzerten für journalistische Zwecke im Einsatz hatte (3000 Fotos, ISO 800 - 1600): schnell, verläßlich, gute Farbverarbeitung, gute Belichtungsverarbeitung, unproblematische Bedienung, lange Akku-Lebensdauer, angesichts der hohen ISO-Werte bei offener Blende trotzdem gute bis verwertbare Fotos. Kritikpunkte: langsame Verarbeitung bei mehreren schnell hintereinander geschossenen Fotos. Deutliche Autofokusschwächen bis zur Unfähigkeit auszulösen bei Fotos in die Zuschauermengen hinein (Autofokus wußte wohl nicht, auf was er scharf stellen soll).