Als ambitionierter Amateur träumt man natürlich davon, so ein derartiges Gehäuse einmal besitzen zu dürfen. Ich muss gestehen, ich besitze keines, aber eine gute Freundin, Fotojournalistin ihres Zeichens hat gleich mehrere interessante Bodys im Portfolio. Und so bat ich sie darum, einmal die D3s mit entsprechend Objektiv ausgiebig testen zu können. Vielen Dank an dieser Stelle an Sie!
Bitte verzeihen Sie mir, wenn ich als Unbedarfter versuche Ihnen ein Profigehäuse zu bewerten.
Als Objektiv habe ich ein Nikon AF-S Nikkor, 70 - 200 mm, 1:2,8 ED VR II, leihweise dazu bekommen.
Beginnen möchte ich mit der Zielrichtung dieses Bodys, welche eindeutig nicht an den Amateur gerichtet ist. Das Gehäuse ist verdammt groß und verdammt schwer. Nichts für den kleinen Nachmittagsausflug also.
Doch der Reihe nach:
Nikon D 3s , ein Name der klingt, ein Synonym für höchste Ansprüche in der Fotografie, kann sie auch die Erwartungen eines Amateurs befriedigen?
Haptik und Verarbeitung
Das Gehäuse schlägt mit gut 1,3 kg (mit Akku) zu Buche. Es ist extrem wertig verarbeitet. Der Body ist aus Vollmetall- einer Magnesium-Legierung und gegen fast alle Unbilden der Natur effektiv geschützt, daher auch das hohe Gewicht. Die Gummierung ist recht dick aufgetragen und sorgt für einwandfreies und griffsicheres Handling. Das mir zur Verfügung gestellte Exemplar trug schon einige Kampfspuren aus dem harten Profieinsatz, was der Funktionalität aber keinen Abbruch tat. Weder tiefe Kratzer, Dellen und Beulen haben den teueren Innenleben was anhaben können. Ein Tresor von Kamera halt, man kann es mit ihr richtig Rocken lassen! Dafür müsste es Extrasterne geben.
Sie ist gebaut für den harten Reporteralltag in Wüste und Kälte, daher auch der hohe Einstandspreis.
Nach einer Eingewöhnungsphase kam ich mit dem Gewicht zurecht. Im Verbund mit einem lichtstarken Objektiv können schnell bis zu 5 Kg und darüber auf die Waage kommen. Ein Klappbildschirm ist insoweit dann völlig überflüssig und um es vorweg zu nehmen, Live-View eigentlich auch, außer für Stativarbeiten.
Die Griffgröße kann als gigantisch bezeichnet werden. Für große Fotografenhände ein wahrer Segen, aber auch dringend notwendig, um der Erdanziehung griffsicher entgegen zu wirken. Zusatzhandgriff? Fehlanzeige. Der Body ist so ausgeformt, dass dieser bereits fest installiert ist - was nicht ganz korrekt formuliert ist. Das Gehäuse ist so konstruiert, das auch Hochformataufnahmen ohne Zubehör gelingen. Demzufolge sind auch die Abmaße recht ordentlich (160 x 157 x 88 mm), eine D 90 wirkt daneben wie ein "Plastik-Spielzeug". Ich selbst besitze eine D 90...
Gebe es 6 Sterne, die D 3s hätte sie in der Gehäusedisziplin alle bekommen, von daher 5 Sterne +.
Ausstattung
Ich verzichte auf zu viele Details, diese können Sie in jedem Prospekt nachlesen.
Nur soviel. Neben zahlreichen Knöpfen und Schaltern, nikontypisch funktional verteilt und mit der gewohnten intuitiven Bedienung, die schon eine "einfache" D 5000 besitzt kommt man schnell zu recht, man fühlt sich zu Hause, alles wirkt vertraut. So sind drei Bildschirme zur Bedienungserleichterung vorhanden. Der Haupbildschirm zur Bildkontrolle ist 3 Zoll groß und verfügt mit 921.000 Pixel (oder anders ausgedrückt über 307.000 RGB Bildpunkte)auch über die nötige hohe Auflösung.
Als Novum in der von Nikon definierten Vollformatklasse bietet einzig die D 3s eine Videoaufnahmefunktion, weder die D 700 noch die D 3x haben derartiges an Bord. Ok. ich selbst benutze diese Möglichkeit nicht an einer SLR.
Ein gehäuseinterner Blitz ist nicht verbaut. Da es sich um ein Profigerät handelt, geht der Hersteller davon aus, dass entsprechende externe Blitzgeräte Verwendung finden. Die Blitzsteuerung gehört aber zum Besten, was man für Geld derzeit kaufen kann.
Mit Verschlusszeiten von 1/8000 Sec und bis zu ca. 9 Bilder/sec bei voller Auflösung und ca. 11 Bildern/sec bei verringerter Auflösung von 5 MP gehört die D3s zu den schnellsten SLR`s am globalen Markt.
Unter dem Großen Buckel befindet sich ein monströses und hochwertiges Echtglasprisma. Die dicke Metallhaut schützt das empfindliche Prisma vor Beschädigungen. Das Blickfeld umfasst 100% bei 0,7facher Vergrößerung. Das Sucherbild selbst ist fantastisch hell und kontrastreich, ein Traum. Die Mattscheiben können gewechselt werden, das bietet einzig noch die D 3x.
Neben Blend-, Zeit- und Programmautomatik kann man selbstverständlich auch den manuellen Modus wählen, Motivprogramme sucht man in dieser Klasse freilich vergeblich, es ist ein Profigehäuse.
Der Autofokus arbeitet mit 51 Messfeldern und 15 Kreuzsensoren extrem schnell und zielsicher.
Auch die Belichtungsmessung dokumentiert Top-Standards, nämlich eine "3D-Color-Matrixmessung" mit 1005-Pixel-RGB-Sensor.
Zu erwähnen sei der berühmte Q-Modus! Damit gelingt eine leise Auslösung des Spiegels, was günstig auf Kongressen, Veranstaltungen oder in der Tierfotografie ist. Nikon garantiert min. bis zu 300.000 Verschlussvorgänge, das beruhigt das Reporterherz. Von aktiven Bildreportern weiß ich, dass z.B. bei einem einzigen Fußballspiel ca. 2.000 Aufnahmen geschossen werden, um letzlich ein gutes Bild verkaufen zu können. Der Verschluss möchte also was aushalten!
Kamerainterne Bildbearbeitung ist eher spartanisch ausgelegt, aber alle wichtigen Paramter können verändert werden und eine sehr gute RAW-Bearbeitung ist ebenfalls integriert, der Profi verwendet sowieso entsprechende Programme am PC.
Hinweisen möchte ich allenfalls auf die Anbindung von zwei schnellen CF-Karten (z.B. mit 60MB/sec), SDHC- Karten wären mit der Geschwindigkeit der Datenverarbeitung überfordert und würden die D 3s nur unnötig ausbremsen.
In Anbetracht der professionellen Ausrichtung und der zahlreichen manuellen Einstellmöglichkeiten gibt es volle 5 Sterne. Hobbyfotografen werden Motivprogramme und weiterreichende Bildbearbeitungsfunktionen vermissen, wie gesagt, für diese Zielgruppe ist sie nicht gebaut worden.
Doch nun zum Wichtigsten!
Bildqualität in Abhängigkeit vom Objektiv
Den hohen Standart der APSC- Kameras von D 90 und D 300s war ich gespannt auf die Abbildungsleistungen des CMOS-FX-Sensors mit 12,1 MP. Der FX-Sensor entspricht dem "Vollformat" also dem Bildwinkel des traditionellen Kleinbildformates, wie wir es von früher her kennen. APSC-Sensoren sind deutlich kleiner als das klassische Kleinbild, von daher errechnet sich bei den von Nikon bezeichneten DX-Sensoren ein Cropfaktor von 1,5.
Ich könnte mich jetzt in endlosen schönen Worten und Lobeshymnen ergehen, um Ihnen die Bildqualität näher zu bringen. Gehen Sie bitte davon aus, dass Sie höchsten Ansprüchen gerecht wird. Jedoch muss man differenzieren, nämlich nach dem Einsatzzweck. Eine fast baugleiche D 3x bietet demgegenüber ein noch wesentlich feineres und hochauflöserendes Bilderlebnis, dank angepasstem Vollformatsensors (bei reduzierter Lichtempfindlichkeit ISO 50 bis max. ISO 6.400) mit gigantischen 24 MP. Diese ist für hochauflösende Studioaufnahmen und Werbefotografie entwickelt. Insoweit duelliert sich die D 3 (ohne "S")dann schon "fast" mit Fachkameras wie Mamiya und Hasselblad (beides jedoch Kameras im Mittelformatsegment, insoweit hinkt der Vergleich etwas). Bezogen auf den Einsatzzweck einer D 3s, nämlich dem harten Presseeinsatz rund um den Globus, ist die Bildqualität weit über dem, was man eigentlich von SLR`s im APSC-Segment kennt.
Aber der Reihe nach. Der 12 MP Sensor ist gemessen an seiner Pixelanzahl fast schon als "mickerig" zu bezeichnen, wenn man demgegenüber die Pixelschlacht anderer Marken verfolgt. Doch die Nikon-Ingenieure haben sich etwas dabei gedacht. Durch die scheinbar verringerte Pixelanzahl auf dem recht großen FX-Sensor besteht ein größerer Abstand der Pixel zueinander. Dieser Abstand bringt enorme Vorteile gegenüber den dichtgepackteren Sensoren mit sich. Grund, da der Signal-Rauschabstand günstiger ist, kann somit ein enormer Dynamikumfang gewährleistet werden. Was hat der Fotograf davon? Ein extrem rauscharmes Bild und das bis in höchste ISO-Welten. Eine Kostprobe? Die D 3s schafft über Extramodi (Boost) bis ISO 102.400! Eigentlich Weltrekord, doch Canon zieht zumindest auf dem Papier nach. Da aber die D3s mit einem großen Pixelabstand bei vermeintlich geringer Auflösung punktet, gelingt ihr das Kunststück, dass Bilder in höchster ISO-Einstufung zwar mit Rauschanteilen überzogen, aber noch verwendbar sind. Sprich, selbst bei wirklich trüben Dämmerlicht produziert dieses Schmuckstück verwertbare Bildergebnisse, die eigentlich nur mit Blitzlichtunterstützung möglich wären. Bei Canon sind die Bildergebnisse mit höchster Einstellung völlig verrauscht und unbrauchbar, somit ist der hohe ISO-Wert bei Canon nur Makulatur und blanke Werbung (persönliche Wertung).
Im Umkehrschluss gelingen der D 3s bis ISO 6.400 fantastische Aufnahmen, Fotos die einer Aufnahme mit der D 90 bei ISO 800 entsprechen - ohne Worte!
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