Ein Grund für meine Entscheidung zur Nikon statt zu günstigeren Kameras wie von Panasonic oder Olympus war der Fakt, dass man bei einer eventuellen späteren Aufrüstung mit weiteren Objektiven eine größere Auswahl hat. Ausschlaggebend war für mich als Einsteigerin etwas anderes, nämlich ein kleines Helferlein, das in die Nikon integriert ist und DSLR-Memmen wie mir die Versagensängste nimmt: der sogenannte GUIDE. Oben am Gehäuse befindet sich ein Wahlrad für verschiedene Programme und dort findet man auch dieses beruhigende Wort. Dreht man das Rad darauf, erscheinen auf dem LCD-Display, das die Nikon zusätzlich zum optischen Sucher hat drei Felder, die man anwählen kann: Fotografieren, Anzeigen/Löschen und System.
Wählt man nun zum Beispiel "Fotografieren", kann man sich aussuchen, ob man sich Informationen für Einsteiger oder Fortgeschrittene anzeigen lassen will. Ich schaute mir zunächst "Einsteiger" an, um festzustellen, dass hier so simple Dinge wie "Automatisch fotografieren", "Ohne Blitz" oder diverse Szenenprogramme erklärt werden. Für mich mit den Erfahrungen von meinen anderen Kameras her uninteressant. Ich finde dieses Feature aber trotzdem nicht überflüssig: wenn jemand bisher wirklich nur mit einer ganz einfachen Kamera geknipst hat und sich direkt an DSLR heran trauen möchte, findet hier sehr gute Erklärungen.
Und genauso gut sind die Erklärungen für fortgeschrittene Hobbyfotografen, die aber bisher keine manuellen Einstellungen vorgenommen haben. Mit diesen Tipps habe ich viel dazu gelernt, ohne Sachbücher wälzen oder DSLR-Foren durchforsten zu müssen. Ein Beispiel?
Ich möchte eine Blume fotografieren, der Hintergrund soll unscharf sein. Ich wähle im Guide "Fortgeschrittene" -> "Unscharfer Hintergrund" und bekomme die Info "Betriebsart Zeitautomatik. Auswahl der Blende mit dem Einstellrad. Kleine Blendenwerte bewirken unscharfe Hintergründe (beste Wirkung bei Brennweiten ab 80mm)" Mit dieser Info kann ich nun zurückkehren und die Anweisungen befolgen oder ich drücke OK und kann direkt mit dieser Einstellung das Foto machen. Weil bei mir eigenhändig getätigte Dinge besser im Kopf bleiben als das reine Lesen, wählte ich immer die erstgenannte Option.
Weitere Infos erhält man wie gesagt auch zum Löschen, Speichern und zum System. Natürlich ist mit dem Guide nicht jede Möglichkeit abgedeckt, die man mit der Nikon hat, er ersetzt nicht komplett das Handbuch. Aber zum Einstieg ist es ungemein hilfreich, wenn man direkt an der Kamera nachschauen kann und nicht ständig das Handbuch wälzen muss.
Die Nikon D3100 besteht komplett aus Kunststoff, ist sehr stabil und liegt gut in der Hand. Erstaunt war ich, wie leicht diese Kamera ist, ich dachte immer eine DSLR sei recht schwer. Natürlich ist sie schwerer als meine Kompakten und es kommt auch immer auf das verwendete Objektiv an. Aber meine Befürchtung, ich würde eine DSLR zu wenig nutzen, weil sie mir auf Wanderungen zum Beispiel zu schwer zu tragen sei haben sich nicht bewahrheitet. Die Kamera liegt äußerst gut in der Hand und hat Gummierungen, die den Halt wunderbar griffig machen. Der Handgriff rechts ist nicht zu groß, aber groß genug, um sehr guten Halt zu geben.
Das Display für Live-View ist mit 3 Zoll schön groß und bietet eine sehr gute Darstellungsqualität. Obwohl ich seither gewohnt war, per Live View zu fotografieren, nutze ich nun auch hin und wieder gerne den Sucher. Dieser liefert zwar ein etwas kleines Bild, dafür ist es aber schön hell und klar und man kann vor allem bei manueller Schärfeneinstellung genauer arbeiten. Hier arbeitet auch der Autofokus, so man ihn lieber nutzt, schneller.
Die Bedienelemente sind alle bequem zu erreichen. Links hinten findet man von oben nach unten angeordnet die Wiedergabetaste, Menu, Zoomtasten, die "i"-Taste für die Einstellungsübersicht und eine Taste mit einem Fragezeichen: noch mehr Infos?
Genau: drücke ich diese Taste, wird mir im Display erklärt, welches Programm ich gerade eingestellt habe und für was dieses gut ist. Außerdem kann es passieren, dass beim Fotografieren per Sucher unten links im Display ein Fragezeichen blinkt. Drückt man nun auf die "?"-Taste, bekommt man mitgeteilt, was nicht stimmt, wie zum Beispiel, dass das Licht zu schlecht ist und Blitz empfohlen wird. Da müsste es doch mit dem Teufel zu gehen, wenn man mit dieser Kamera keine guten Bilder schießen könnte?!
Live-View-Schalter, Einstellrad für die Blende, Taste für die Filmaufzeichnung (ja, eine Filmfunktion mit Full HD 1920 x 1080 für Clips im MOV-Format bis zu 10 Minuten Länge gibt es auch)... ich möchte nicht alle Tasten einzeln aufzählen und im Detail beschreiben, wichtig ist hier meiner Meinung nach, dass sich alle leicht und schnell bedienen lassen.
Der wohl interessanteste Aspekt bei einem Kamerabericht ist für mich immer die Bildqualität. Während man bei einer Kompaktkamera ganz einfach sagen kann, ob die gut ist oder nicht, ist das bei einer DSLR etwas komplizierter zu beurteilen, da es hier ja nicht nur auf die Kamera selber, sondern auch auf das individuell verwendete Objektiv an kommt. Meine Einschätzung beruht also auf der Nikon D3100 in Verbindung mit dem oben erwähnten Objektiv und die ist äußerst positiv. Der CMSO-Chip der Kamera löst 14 Megapixel auf, Bildrauschen fällt mir keines auf, wobei die zuschaltbare Rauschunterdrückung zusätzlich von Vorteil ist.
Ebenfalls optional kann man eine Dynamik-Optimierung verwenden, die die Bilder sowohl in Farbe als auch im Kontrast lebendiger wirken lassen. Dieses Feature gefällt mir sehr gut und ich verwende es fast immer. Die Farbdarstellung hat mich ebenfalls überzeugt, der automatische Weißabgleich funktioniert bestens. Dass es leider keine Möglichkeit zu automatischen Belichtungsreihen gibt, finde ich dagegen etwas schade, aber verschmerzbar.
Vergleiche ich Fotos, die ich mit der Nikon geschossen habe mit solchen, die mit der Lumix entstanden muss ich ganz klar feststellen, dass die Nikon die realen Farben um einiges besser und naturgetreu wiedergibt. Bei Lumix-Fotos muss ich oft nachbearbeiten und eine Tonwertkorrektur vornehmen, um die Brillianz der Wirklichkeit auf dem Bild zu haben. Bei der Nikon ist das praktisch nie nötig. Allerdings ist das bei dem Preisunterschied kein Wunder und es wäre mehr wie ärgerlich, wenn eine Spiegelreflexkamera nicht mehr leisten könnte als eine halb so teure Kompaktkamera.
Wer keine Lust hat, Fotos nachträglich auf dem PC zu bearbeiten, das eine oder andere Foto aber beschneiden, aufpeppen oder verbessern möchte, kann dies direkt mit dem erstaunlich vielfältigem integriertem Bildbearbeitungsprogramm direkt mit der Kamera machen. Für mich kein Thema, aber für euch habe ich mal ein bisschen damit herum gespielt und muss sagen, da bekommt man von Rote-Augen-Entfernen über Bildbeschneidung bis hin zu Spezialeffekten wie Monochrom oder diverse Filtereffekte durchaus was geboten.
Was den Autofokus betrifft: hier muss man aufpassen, der AF-Motor ist nämlich nicht in der Kamera integriert. Kauft man also andere Objektive hinzu, darf man nicht vergessen darauf zu achten, dass diese einen AF-Motor haben, sonst geht's nur noch manuell.
Wie bei solchen Kameras wohl immer könnte man einen halben Roman schreiben, bis mal alles aufgeführt hat. Ich verkneife mir, auf jedes kleinste Detail einzugehen und das komplette Menu zu erläutern. Wissenswert dürfte aber für euch noch sein, welche Programme die Nikon D3100 zu bieten hat. Für alle Automatikfans ist das Angebot vielleicht nicht so groß wie bei einer guten Kompaktkamera wie meiner Lumix, aber das Wichtigste ist vorhanden: Porträt, Landschaft, Kinder, Sport, Nahaufnahme und Nachtporträt - alle bequem mit dem Einstellrad oben anzuwählen, genauso wie das Automatikprogramm, das automatisch die richtigen Einstellungen für das Motiv und im Live-View-Modus das geeignetste Motivprogramm wählt und ein weiteres Automatikprogramm, das den Blitz ausschaltet (für Aufnahmen an Orten, an denen Blitz nicht gestattet ist). Möchte man manche Einstellungen manuell vornehmen, weicht man auf die restlichen Programme aus: P(rogrammautomatik, Belichtungszeit und Blende automatisch), S (Blendenautomatik, Belichtungszeit manuell), A (Zeitautomatik, Blende manuell), M (alles manuell, Langzeitbelichtungen möglich). Auch bei diesen Programmen erhält man über die "?"-Taste Informationen darüber, wofür sie am besten geeignet sind.
Die Nikon D3100 funktioniert mit einem rechteckigen Li-Io-Akku, der im Lieferumfang samt Ladegerät dabei ist. Ich habe die Zeit jetzt nicht gestoppt, aber laut Herstellerangaben reicht eine volle Ladung für 600 bis 1200 Fotos (je nachdem, wie man fotografiert). Nutzt man allerdings ausschließlich Live View, reduziert sich diese Zahl auf 200 bis 400 Fotos. Rein gefühlsmäßig würde ich sagen, das kommt so hin, es erscheint mir jedenfalls nicht so als wäre ich ständig am Aufladen. Natürlich habe ich mir für alle Eventualitäten einen Ersatzakku besorgt, hier empfiehlt es sich auf das Nikon-Original EN-EL14 zurück zu greifen.
Die Nikon D3100 ist intuitiv und mit vielen Hilfestellungen versehen bedienbar, so dass man loslegen kann ohne sich vorher intensiv in die DSLR-Fotografie einarbeiten zu müssen.
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