Die D3200 von Nikon ist eine solide, ordentlich konstruierte Einsteiger-DSLR mit sehr guter Bildqualität und nur wenigen, nicht unbedingt entscheidenden Schwächen.
Doch nun zu den Einzelheiten.
Auftritt, Verarbeitung und Bedienung
Im recht voluminösen, länglichen Karton findet man neben der D3200 selbst und dem Kit-Objektiv noch das übliche Zubehör (Trageriemen, Akku, Ladegerät, Kabel), Garantiekärtchen, eine CD mit der hauseigenen Bildverarbeitungssoftware ViewNX2, ein abgespecktes gedrucktes Handbuch (deutsch) sowie eine DVD mit einem ausführlicheren Handbuch (diverse Sprachen).
Kamera und Objektiv haben Kunststoffgehäuse, wirken aber ansonsten solide und sind erwartungsgemäß sehr gut verarbeitet. Das Kameragehäuse hat eine leicht raue Oberfläche, und an den wichtigsten Halteflächen gibt es griffige Gummiauflagen, so dass sich mit dem Gerät gut und sicher hantieren lässt.
Während der SD-Karten-Slot hinter einer soliden, satt einrastenden Klappe liegt, wirkt die (mindestens genauso wichtige) Abdeckung des Batteriefachs mechanisch etwas weniger robust und ein wenig klapprig - ein arg kleines Plastikhäkchen hält die Klappe geschlossen. Gut gelungen finde ich dafür die Gummiabdeckung für die elektronischen Anschlüsse.
Das nicht bewegliche Display hat eine zur Beurteilung von Aufnahmen ausreichende Helligkeit und Auflösung, bietet aber nur mäßigen Kontrast. Auch die Entspiegelung ist etwas zu schwach ausgefallen.
Alle Bedienelemente wirken solide, sind sinnvoll platziert, gut erreichbar und arbeiten tadellos. Die Kamera reagiert sehr zügig auf Eingaben, und auch durch die Menüs lässt sich flüssig navigieren.
Die Benutzerführung präsentiert sich schnörkellos, übersichtlich und ist mit etwas Foto-Erfahrung auch ohne spezielle Nikon-Vorkenntnisse weitgehend selbsterklärend. (Einziger Nikon-Kunstbegriff: "Active D-Lighting" - die automatische digitale Ausleuchtungskorrektur.)
Bildqualität und Funktion
Die Bildqualität von Fotos aus der D3200 ist im Ganzen erwartungsgemäß ausgezeichnet. Kontrastverhalten und Farbwiedergabe sind tadellos.
Die hohe Auflösung von 24 Megapixeln erkauft man sich natürlich mit einem erhöhten Bildrauschen. Bereits bei ISO 100 ist es im Detail erkennbar, bleibt aber bis ISO 800 auch bei starker Vergrößerung unproblematisch. Da es kaum starke Ausreißer (deutlich verfälschte Pixel) gibt, ähnelt es im Gesamteindruck eher der Körnigkeit analogen Filmmaterials. Ab ISO 3200 beginnt das Rauschen aber, Details zu zerstören und auch den Gesamteindruck im Vollbild zu beeinträchtigen. Je nach persönlicher Pingeligkeit wird man also im Normalfall nur bis ISO 800 oder 1600 gehen wollen.
Die D3200 belichtet sicher und relativ gleichmäßig, neigt nach meinen Erfahrungen am ehesten zu leichter Unterbelichtung.
Der Weißabgleich hat gelegentlich Schwierigkeiten mit Motiven, in denen eine Farbe stark dominiert. So sieht die saftig grüne Buschrosenhecke in meinem Garten auf vollflächigen Testfotos grau aus. Nehme ich etwas mehr Umgebung mit auf, stimmen die Farben wieder. Meistens ist das Verhältnis der Farben aber ausgewogen, und auch Hauttöne werden in der Regel gut wiedergegeben.
Die Auslöseverzögerung ist nicht sehr lang, aber spürbar, jedenfalls für eine DSLR nicht überragend. Meine Kids waren immer schon eine halbe Handbewegung weiter, bis die Kamera sie eingefangen hatte. Im Liveview-Modus wird es ganz ungemütlich, hier vergeht eine gefühlte Ewigkeit bis zum Auslösen - Schnappschüsse sind praktisch unmöglich.
In Serie schießt die D3200 bei Aufnahme in RAW + JPEG etwa 10 Bilder in 3 Sekunden, bevor der interne Zwischenspeicher voll ist und es dann (abhängig von der Speicherkarte) wesentlich langsamer weitergeht. Bei Aufnahme in JPEG (max. Qualität) sind etwa 40 Bilder in 10 Sekunden im Kasten.
Das Kit-Objektiv AF-S DX 18-55 VR ist leicht und kompakt. Es fokussiert zügig, relativ zielstrebig und fast lautlos. Die Abbildungsleistungen sind mittelmäßig. Besonders im Weitwinkelbereich gibt es eine deutliche CA sowie Randunschärfen. Die Verzeichnung ist im Weitwinkel unübersehbar, aber noch akzeptabel (tonnenförmig), im Telebereich recht gering (kissenförmig). Für die JPEG-Ausgabe kann man die Verzeichnung von der Kamera herausrechnen lassen. Der Bildstabilisator leistet unauffällige, aber ordentliche Arbeit und hilft, die mäßige Lichtstärke des Objektivs auszugleichen.
RAWs aus der D3200 (NEF) belegen je nach Bildinhalt und insbesondere Bildrauschen etwa 18-25 MB, JPEGs in höchster Qualität ca. 5-14 MB (im Mittel etwa 8 MB). Nikon hat das NEF-Format offenbar unlängst geändert, so dass RAWs aus der D3200 nur von neuester Software gelesen werden können. Für Photoshop CS ist inzwischen das Plugin CameraRAW in der kompatiblen Version 7.1 erschienen. Nutzer von Photoshop Elements (inkl. der neuesten Version 10) müssen derzeit noch auf Nikons hauseigenes ViewNX2 zur Konvertierung ausweichen. (Übrigens schwillt die Dateigröße der NEFs beim Speichern von Änderungen aus ViewNX2 drastisch an, auf 30-40 MB.)
Für Anwender, die keine RAW-Verarbeitung am Computer durchführen wollen, kann die eingebaute Umwandlungsfunktion nützlich sein.
Der Akku-Typ der D3200 (EN-EL14) entspricht dem der Vorgängerin D3100 und findet sich auch in der D5200, D5100 sowie der P7000er Serie. Er enthält einen Chip, der von der Kamera ausgelesen wird und verhindern soll, dass diese mit Akkus von Fremdherstellern funktioniert. Das finde ich unnötig und ärgerlich. Immerhin gibt es inzwischen dennoch kompatible Fremd-Akkus, die aber aufgrund des technischen Aufwands nicht ganz so günstig sind wie bei anderen Kameratypen.
Das mitgelieferte Ladegerät ist etwas sperrig, wobei man einen Eurostecker-Aufsatz direkt auf dessen Gehäuse steckt. Leider rastet dieser fest ein und ist nur schwierig wieder zu entfernen (z.B. auf Reisen).
Sehr positiv ist dagegen die schnelle Datenübertragung per USB zum Computer, in meinem Fall von einer SanDisk Class 10 SD-Karte mit etwa 30 MB pro Sekunde.
Videobetrieb
Videos aus der D3200 bieten eine ordentliche Farbwiedergabe, wirken aber insbesondere bei 1080p-Auflösung relativ grob und mit 25 Hz Bildrate auch unruhig. Mir persönlich gefallen die 720p-Videos in 50 Hz etwas besser.
Das eingebaute Mikrofon ist eher als Notlösung zu sehen und liefert nur knapp akzeptable Tonqualität mit deutlichem Hintergrundrauschen. Obwohl auf zwei Spuren, wird damit nur in Mono aufgenommen. Für gehobene Ansprüche ist also ein externes Mikrofon Pflicht.
Während Veränderungen der Brennweite geräuschlos möglich sind, erzeugt der Autofokus deutlich hörbare schabende Geräusche. Wann immer möglich, sollte man ihn bei Aufnahmen mit dem internen Mikrofon abschalten.
Insgesamt ist die Videofunktion der D3200 aus meiner Sicht eine nette Dreingabe, für höhere Ansprüche aber weniger geeignet. (Technische Daten Video: max. 1080p AVC mit 25 fps oder 720p AVC mit 50 fps bei jeweils ca. 20-22 Mbps Datenrate; Audio: stereo PCM mit 48 KHz, 1536 Kbps)
Fazit
Die Nikon D3200 ist zweifellos eine sehr gute Einsteiger-DSLR. Wer auf ein Klapp-Display verzichten kann, macht mit ihr auch bei gehobenen Ansprüchen an die Bildqualität keinen Fehler. Erfreulich finde ich, dass die hochgezüchtete Auflösung keine allzu großen Kompromisse beim Rauschverhalten bedeutet.
Angesichts des aktuellen Preisgefüges muss die D3200 aber gegen höherwertige Modelle aus der Vorgängergeneration antreten, denen sie lediglich in der Auflösung etwas voraus ist. Je nach Ansprüchen an die übrigen Eigenschaften ist derzeit die D5100 aus gleichem Hause oder, wenn es nicht unbedingt eine Nikon sein muss, insbesondere die EOS 600D von Canon eine bessere Wahl.
Für sich genommen liefert die Kamera bis auf wenige kleinere Defizite eine rundum gelungene Vorstellung ab. Daher gebe ich insgesamt vier Sterne ****.