[Rezension geupdatet 09/2011]
Nachdem ich fast 30 Jahre analog fotografiert und mich lange den digitalen DSLR's verweigert hatte, gönnte ich mir dann vor einiger Zeit doch eine D5000. Zuvor gab es noch etliche Experimente mit digitalen Kompakt- und Bridgekameras, die aber nur kurzfristig befriedigen konnten. Auch die D5000 erwies sich letztendlich eher als Appetitanreger, denn ich stieß bald an ihre Grenzen. Zwar war die Bildqualität auf D90 Niveau und somit sehr gut, aber sie hatte lediglich ein einzelnes Einstellrad und bot für meinen Geschmack einfach zu wenig Direktzugriffstasten. Flüssige Bedienung geht anders, ich krame nicht gerne in Menüs herum. Also besorgte ich mir die D7000, sobald die ersten Exemplare verfügbar waren. Sie ist zwar kein Schnäppchen, aber bietet solide Gegenleistung fürs Geld. Mittlerweile, ein dreiviertel Jahr später, sogar noch mehr Gegenleistung, denn der Preis ist seit dem Erscheinungstermin um ca. 200€ gesunken.
Hier zunächst die objektiven Unterschiede, die mir im Vergleich zur D5000 auffallen (vieles davon gilt auch für die D90):
- neu entwickelter 16 MP-Sensor
- U1 und U2 Usermodes
- Gehäuserück- und Oberseite aus Magnesiumlegierung
- Environmental Seal (Versiegelung gegen Staub, hohe Luftfeuchtigkeit, Spritzwasser)
- RAW-Aufnahmen mit 14bit statt 12bit möglich (mehr Farbtiefe und Dynamik)
- 6fps Serienbildgeschwindigkeit (variierbar)
- AF mit 39 Sensoren (9 Kreuzsensoren)
- 100% Sucher-Bildfeldabdeckung
- schnellerer Bildprozessor (Expeed 2)
- Belichtung bis 1/8000sec (statt 1/4000sec)
- hochauflösendes Display (kein Klappdisplay) mit 921k Pixel
- Verschluss für mindestens 150.000 Auslösungen ausgelegt
- viele Direktzugriff-Tasten, kombinierbar mit beiden Einstellrädern
- hohe Konfigurierbarkeit, wesentlich mehr änderbar als bei D5000
- Abblendtaste zur Tiefenschärfekontrolle (auch als 2. Fn-Taste konfigurierbar)
- Doppel-SDHC-Speicherkartenfach (konfigurierbar)
- für Bilder ist wahlweise Auslöse- oder Schärfepriorirät einstellbar (hat D5000 nicht)
- Full-HD-Video (1.920*1.080) incl. Autofokus während der Aufnahme
- externes Stereo-Mikrofon anschließbar
- virtueller Horizont (elektronische Wasserwaage) zuschaltbar
- minimal größer als die D5000, aber deutlich schwerer (ca. 780g mit Akku)
Haptik:
Die D7000 liegt wesentlich besser in der Hand als die D5000 und fühlt sich wertiger an. Lassen Sie sich nicht von den "offiziellen" Abmessungen (132*105*77 vs. 127*104*80 mm) täuschen: Aufgrund etwas anderer Proportionen ist der Griff der D7000 nicht die suggerierten 1mm, sondern tatsächlich ca. 1cm höher. Wer kleine Hände hat, den wirds kaum interessieren - alle anderen haben jedoch endlich mehr Platz für den kleinen Finger. Das betrifft allerdings nur die Aufrüster von D3000/D3100/D5000 oder älteren Low-End-Modellen, denn der Unterschied zur D90 ist gering und im Vergleich zur D300s schneidet sie hier schlechter ab, diese liegt deutlich "fülliger" in der Hand.
high ISO:
Bemerkenswert. Es stimmt tatsächlich, auch wenn vereinzelt Gerüchte oder gar Tests existieren, die das Gegenteil behaupten. Der beliebteste Begriff, mit dem hier hantiert wird, nennt sich "Texturverlust" und besagt, vereinfacht ausgedrückt, daß durch die Rauschunterdrückung feinste Bilddetails verlorengehen. Die Meinungen hierzu sind extrem unterschiedlich, ich für meinen Teil kann im Vergleich zur D5000 (gleicher Sensor wie D90 und D300s) kaum eine Verschlechterung feststellen. Was ich allerdings sehr wohl feststelle ist, daß besonders das überaus lästige Farbrauschen (die vielen bunten Punkte in dunklen Bildbereichen bei high ISO Aufnahmen) bei der D7000 weitaus geringer ausfällt als bei den Modellen mit dem alten 12MP-Sensor. Und, soweit ich es aus Vergleichsbildern im Web beurteilen kann, auch geringer als bei den Canons der 18MP-Klasse (550D, 60D, 7D).
Selbst falls also beim "Pixel-Peeping" auf 200% ein geringfügiger high ISO Texturverlust bei der D7000 vorhanden sein sollte - meiner Ansicht nach wiegt das deutlich verbesserte Farb-Rauschverhalten das mehr als auf. Urteilen Sie selbst und lassen Sie mal ein high ISO Foto mit dunklen Stellen im Bild als Poster (A3 aufwärts) vergößern, dann wissen Sie, was ich meine. Farbrauschen fällt selbst aus mehreren Metern Entfernung noch äußerst unangenehm auf oder macht das Bild im Extremfall sogar unbrauchbar, während man über einen etwaigen Texturverlust nur mit der Schulter zuckt und ihn nicht mal wahrnimmt. Soviel zu Thema Praxisrelevanz.
Dennoch: Diese Verbesserung liegt höchstens bei ca. 1 Belichtungsstufe, was zwar ganz ordentlich, aber nicht weltbewegend ist. Für wen z.B. die Haptik der Kamera oberste Priorität hat, wird sich von so etwas kaum beeindrucken lassen und nach wie vor zur D300s (oder deren baldigen Nachfolgerin) greifen. Der euphorische Hype, der im Web und in "Fach"Zeitschriften gemacht wird, ist jedenfalls völlig übertrieben - und das effekthascherische Gegenteil dessen ebenso. Nüchtern betrachtet ist die high ISO Fähigkeit der D7000 für mich zwar eine nette Dreingabe, aber kein vorrangiger Kaufgrund. Dasselbe gilt für die 16 Megapixel.
sonstige Bildqualität:
Die Qualität und Auflösung der Sensoren hat mittlerweile ein Niveau erreicht, bei dem das verwendete Objektiv der limitierende Faktor ist. Ich schätze das 18-105mm Kitobjektiv aufgrund seiner für diesen niedrigen Preis ungewöhnlichen Schärfe - dennoch heißt es immer wieder, daß es dem Sensor nicht gerecht wird. Das mag stimmen oder nicht, mir fehlt das Meßlabor, um diese Aussage zu überprüfen. Da mir das Kitobjektiv aber letztlich eh zu lichtschwach ist, werde ich es verkaufen, zumal ich sowieso hauptsächlich mit dem Tamron 17-50 2.8 VC und meinem alten Nikkor AF 80-200 2.8D fotografiere; mit beiden bin ich an der D7000 sehr zufrieden. Und wenn ich mal zu faul zum Objektiv wechseln bin oder nur mit wenig Gepäck reise, mit meinem geliebt-gehaßten Tamron 18-270. Fotosnobs dürfen über letzteres gerne verächtlich die Nase rümpfen. :)
Belichtung:
Es gibt vereinzelt Meldungen, daß die D7000 in sehr kontrastreichen Szenen zur Überbelichtung ("highlight clipping") neigen würde. Ich kann das bisher nicht bestätigen, aber auch nicht völlig ausschließen. Beispielsweise war ich neulich bei Sonnenschein den ganzen Tag im Münchener Zoo und habe ca. 1000 Bilder gemacht; von ein paar Makros abgesehen, alle mit dem Nikkor 80-200 2.8. Darunter waren bestenfalls 10, die ich als überbelichtet eingestuft hätte. Also eigentlich im grünen Bereich, denn die Fehler dürften eher bei mir gelegen haben.
Es läßt sich nicht ausschließen, daß das ganze Thema (so es denn überhaupt ein Thema ist) nur indirekt mit der D7000 zu tun hat und eher objektivabhängig ist. Auch Nikkor-Optiken wären dann nicht gefeit davor, denn in Zeiten, in denen sogar in Objektiven bereits winzige CPU's sitzen, die per Firmware geupdatet werden können, ist so ziemlich alles möglich. Hier werde ich noch weiter experimentieren. Falls sich besonders auffällige Häufungen bei bestimmten Objektiven ergeben, ergänze ich die Rezension.
Update 03/2011: Nach einem Schottland-Urlaub mit dem 18-270 habe ich eher den Eindruck, daß zumindest dieses Objektiv an der D7000 in manchen Aufnahmesituationen zu Unterbelichtungen neigt. Nichts Weltbewegendes (zumal sich Unterbelichtungen im Gegensatz zu Überbelichtungen nachträglich recht problemlos korrigieren lassen), aber speziell bei weniger gutem Wetter setzt das 18-270 auf die eh schon schummrige Beleuchtung noch eins drauf
(bis zu -1 Blende).
Update 06/2011: Nach etwa 1000 Bildern im sonnigen Rom mit dem Tamron 17-50 2.8 VC eher das gegenteilige Bild. Mit diesem Objektiv gibt es tatsächlich gelegentliche Überbelichtungen, etwa bis zu +1 Blende. Einerseits is die Quote aber nicht allzu hoch (ca. 5-10% der Aufnahmen), andererseits handelte es sich meist um schwierige Fotos bei knallender Mittagssonne - und da springt selbst bei idealer Belichtung kaum brauchbares Material heraus.
Unterm Strich also bisher kein eindeutiges Ergebnis zu Lasten der D7000.
Autofokus:
Die 39 AF-Meßfelder sind zwar ein 'nice-to-have' und lassen sich werbewirksam vermarkten, aber in den meisten Aufnahmesituationen benutze ich den stinknormalen Single-AF (und verschiebe das Fokusfeld bei Bedarf), lediglich bei bewegteren Motiven wechsle ich auf Mehrfeld AF-C. Ein kleiner Tip: Lassen Sie die Finger vom Auto-AF, der ist strohdumm und stellt auf alles Mögliche scharf - nur meistens nicht auf das, was scharf sein soll.
Grundsätzlich gilt wie bei allen Kameras: Die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit des Autofokus liegt mindestens ebensosehr am Objektiv, über die Kamera sagt das nur bedingt etwas aus. Lichtstarke Objektive sind hilfreich, ein schneller, hochwertiger Ultraschallmotor ebenfalls.
Serienbildfunktion:
6 Bilder pro Sekunde sind ziemlich beachtlich. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, daß der Pufferspeicher der D7000 etwas mickrig geraten ist. Die Herstellerangaben, wie lange die Kamera Serienbilder durchhält, bevor die Speicherkarte die Geschwindigkeit begrenzt, sind nach meinen Erfahrungen eher übertrieben.
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