Nachdem ich die Möglichkeit hatte, den SB-910 zu testen und für mich nun selbst abwägen kann, ob ein Kauf für mich persönlich sinnhaft ist, bzw. der SB-910 meine beiden SB-900 ersetzen soll, beantworte ich persönlich beide Fragen für mich mit einem "Nein" und möchte dem geneigten Leser gerne ausführen, was mich zu diesem Schluss kommen lässt:
Das größte Manko des SB-900 ist und war aus meiner Sicht: das Temperaturproblem. (Nachzulesen in meiner Rezension betreffend des SB-900, wo ich auf die genauen Unterschiede zum Vorgänger SB-800 und das Arbeiten in der Praxis mit dem SB-900 eingehe).
Dieses Temperaturproblem hat zur Folge, dass der SB-900 sich - ebenso wie der SB-910 oder SB-700 - abschaltet, wenn eine gewisse Betriebstemperaturgrenze erreicht oder überschritten wird. Beim SB-910 dauert's nun ein wenig länger, als beim SB-900, aber permanentes Dauerfeuerblitzen ist mit dem 910er genau so wenig möglich, wie mit dem 900er, bzw. ist es wesentlich länger möglich, als das mit dem 900er der Fall war, wird aber über Umwege erreicht, doch dazu später mehr.
Nun sollte man sich aber vor Augen führen, dass das ja nicht unbedingt ein Riesenmanko ist. Klar - es gibt wenig Ärgerlichereres, als wenn im entscheidenden Moment das Blitzgerät den Dienst quittiert, weil es zu heiß geworden ist. Andererseits kann man diesen Überhitzungsschutz deaktivieren. Das Wort "Schutz" sagt aber zugleich aus, worum es geht. Deaktiviert man den Überhitzungsschutz, kann man dem SB-910 so viel abverlangen, wie die Stromversorgung hergibt - gleich wie beim SB-800.
Der einzige Unterschied ist, dass der SB-800 offenbar weitaus weniger Hitze entwickelt hat, als der SB-900/SB-910, obwohl er eine höhere Leitzahl besitzt. Ohne externes Batterypack ist der SB-800 schwer totzukriegen. Leistungsstarke Akkus, ein externes Batterypack und deaktivierten Überhitzungsschutz vorausgesetzt, kann man den SB-900/SB-910 schmoren. Man hat dann eine geschmolzene Streuscheibe und die Reperatur ist nicht gerade günstig.
Meine Lösung besteht darin, dass ich zwei SB-900 und einen SB-800 besitze. Ich bitte aber darum, sich vor Augen zu führen, dass man auch mit aktiviertem Überhitzungsschutz und einigen Blitz-Serienaufnahmen in Folge mit dem SB-900/SB-910 kein Problem hat, also nicht zwangsläufig mehrere Blitzgeräte benötigt. Beim SB-910 hat Nikon nachgebessert oder geschummelt - je nachdem wie man es deuten möchte.
Der SB-910 hat nach wie vor dasselbe Temperaturproblem, wie der SB-900! Der einzige, gravierende Unterschied ist, dass beim 910er ab Erreichen einer gewissen Temperaturschwelle die Blitzfolgezeit verlängert wird, das Gerät also Sekundenbruchteile länger zum Auskühlen hat, als dies beim 900er der Fall ist.
Das Temperaturproblem wurde somit behandelt, aber nicht behoben. Allerdings fällt diese Verlängerung der Blitzfolgezeit erträglich aus und es dauert definitiv länger den Blitz zu tauschen, als die maximal eine Sekunde auf die erneute Blitzbereitschaft zu warten.
Warum ich auf diesen Punkt so detailliert eingehe, ist damit zu begründen, dass genau das Temperaturproblem der gravierendste, aus meiner Sicht aber auch schon einzige Mangel beim SB-900 gewesen ist.
Der SB-910 ist identisch mit dem SB-900. Hier wurde lediglich Modellpflege betrieben. Die Ausmaße sind bis auf ein paar Millimeter identisch, ebenso das Gewicht.
Einzig und allein auf der Blitzrückseite hat sich etwas Gravierendes getan: Anstelle des "Zoom"-Knopfes gibt es nun den "Menü"-Knopf. Stellt für mich jetzt keinen Vorteil dar, weil man beim 900er einfach auf den "OK"-Knopf gedrückt hat und dann im Menü war. Der Sinn dieser Umbelegung bleibt mir vorenthalten, stellt für mich aber weder einen Vorteil, noch ein Manko dar.
Praktisch und als tatsächliche Verbesserung empfinde ich den Umstand, dass man die Filterfarbfolien nun durch Hartplastikaufsätze ersetzt hat. Die "Fummelei" hat somit ein Ende. Natürlich benötigen diese Plastikaufsätze wiederum ein wenig mehr Platz, als die Folien, nichtsdestotrotz aus meiner Sicht ein Plus.
Beim manchmal bekrittelten Betriebsgeräusch hat sich nichts getan. Ist es sehr ruhig, hört man den Blitz nach wie vor leise vor sich hin fiepen, für mich nicht weiter störend.
In Summe kostet mir der SB-910 aber derzeit noch zu viel und der nicht unbeträchtliche Aufpreis zum 900er wird allein durch die - wenn auch sinnvolle - Modellpflege nicht gerechtfertigt. Außerdem wäre es natürlich wünschenswert gewesen, wenn man sich der Hitzethematik schon beim SB-900 angenommen hätte. Erreichte der SB-910 annähernd das aktuelle Preisniveau des SB-900, gäbe ich ihm den Vorzug.
Für Neukäufer bleibt abzuwägen, wie sie den Blitz einsetzen möchten. Wenn jemand dem Blitzgerät nicht unbedingt das Letzte abverlangen und in schneller Folge über ein paar Minuten hinweg Blitz-Serienaufnahmen machen möchte, könnte man jetzt noch verhältnismäßig günstig einen SB-900 erwerben.
Da erfahrungsgemäß der Preis bei Neueinführung eines Produktes, auch wenn es sich "nur" um Modellplflege handelt, höher ist, als beim Vorgängermodell, in der Regel aber kurze Zeit später dann sinkt und der SB-910 mit beschriebener Modellpflege keinen wirklichen Mangel aufweist, gibt's die vollen 5 Sterne. Eines darf man nämlich nicht vergessen: Es handelt sich um ein Kompaktblitzgerät und keinen Studioblitz, somit sind damit natürlich gewisse Vorzüge ebenso verbunden, wie gewisse Nachteile.
In diesem Sinne frohe Weihnachten und viel Spaß beim Fotografieren,
H.P. :)