Ich bin schon länger auf der Suche nach einer anständigen kleinen Kompakten, die zu meinem ständigen Begleiter werden und überdies gute Urlaubsbilder schießen soll. Zahlreiche Tests und Rezensionen von unterschiedlichsten Typen haben mich tagelang beschäftigt bis ich bei der Nikon 8100 zum Stillstand kam. Im M-Markt habe ich dieses Modell dann mal beäugt und war von Anfang an begeistert (allerdings ohne die Bilder auf meinem Rechner auseinanderzunehmen). Ich beschloss, die 8100 erstmal im Regal zu lassen und auf die angekündigte 9100 zu warten, da ich ebenfalls sehr scharf auf den großen Zoombereich bin. Die Erwartungen waren hoch und so war ich begeistert, die 9100 endlich in den Händen halten zu können. Da ich sowohl beruflich als auch als langjähriger Hobbyfotograf schon einige Erfahrung habe, war ich gespannt, wie eine kleine Kamera wie diese einen derartigen Zoombereich verkraftet.
Schon kurz nach dem auspacken war die hochwertig anmutende Kamera dann auch probierfähig. Der Akku erlaubte ein paar Testschüsse, die zunächst einen guten Eindruck hinterliessen - dann musste erstmal gut 3 Stunden geladen werden. Zwischenzeitlich hatten andere die Kamera offensichtlich auch bekommen und erste negative Rezensionen bei Amazon hinterlassen, die mich im ersten Augenblick etwas verunsicherten.
Also habe ich mal Äpfel mit Birnen verglichen, um die schlechten Meinungen zu hinterfragen und meine Eindrücke auf den Prüfstand zu stellen. Soll heißen: ich habe einige Fotos mit der 9100 (Apfel) und meiner Nikon D2X Spiegelreflexkamera mit einem (nicht sehr lichtstarken) 80 - 300 mm Zoomobjektiv (Birne) geschossen und die Ergebnisse nebeneinander auf dem Bildschirm verglichen.
Wohlgemerkt JPG gegen Raw - alles aus der Hand im Automatikmodus - beide Zooms voll ausgefahren (allerdings auch nur den optischen - der digitale gehört eigentlich nicht eingebaut) -
Motive: Ziegel draußen bei schönem Wetter, Katze draußen vor braunem Feld, im Wohnzimmer graue Tasche aus 8 Meter Entfernung, Grünpflanze im Wohnzimmer.
Wohl wissend, dass man die Sensoren und damit Rauschverhalten und Pixelstruktur nur bedingt vergleichen kann und sollte hier kurz die Ergebnisse:
1. Ziegel im Sonnenschein - bei hellem Licht eigentlich kein nennenswerter Unterschied (auch im Rauschverhalten) zwischen Apfel und Birne
2. Grünpflanze im hellen Zimmer aus 3 Meter Entfernung - beide scharf, Farben bei beiden natürlich, die 9100 zeigte einige Überstrahlungen (die über Blendenkorrektur oder einem Motivprogramm sicherlich zu beheben wären)
3. Katze vor Feld - hier fährt die 9100er die buntere Auslegung als die DX2. Auch das war zu erwarten, ein anderes Motivprogramm hätte auch hier geholfen (das Vieh ist aber leider abgehauen bevor ich lange probieren konnte.
4. Tasche aus 8 Metern Entfernung im Wohnzimmer bei normalem Tageslicht. Das war für mich die große Frage (und auch der Kritikpunkt der anderen Rezensenten), denn schon aus Kindertage weiß ich nur zu gut wie schwer es ist, ein starkes Teleobjektiv ruhig zu halten - verstärken sich ja nunmal auch kleinste Bewegungen um Faktor 18. Und hier war ich eher überrascht: Ja, das Bild der S9100 war nicht unscharf sondern leicht verwackelt - das ist bei einer Belichtungszeit von 1/15 auch nicht anders zu erwarten - die Spiegelreflexkamera hat es jedoch komplett verrissen.
Um das nochmal weiterzuspinnen, habe ich daraufhin weitere Aufnahmen gemacht: erst mit Zeitauslöser, um die Erschütterung beim Auslösen zu minimieren (schon besser) und dann mit Stativ und ISO 160.
Das Bild ist scharf, farbecht und erstaunlich gut geworden, das Rauschen erträglich.
Mein Fazit aus dem Ganzen: Ich möchte einen großen Zoombereich, kenne die damit einhergehenden Probleme und habe genügend theoretisches Wissen, um mit ihnen umzugehen (sowohl beim Fotografieren als auch beim Bildbearbeiten) - daher werde ich sie behalten denn auch wenn sie ab und zu Probleme beim Scharfstellen zeigt (was sich übrigens mit der Einstellung "Permanenter Autofokus" deutlich verbessert hat), das Objektiv naturgemäß relativ lichtschwach ist und die Programmautomatik zuweilen sehr grenzwertige Einstellungen erlaubt, macht sie im großen und ganzen tolle, natürliche Bilder und der Zoom ist natürlich bei gutem Wetter super.
Mein Tipp an alle wäre: Die Entscheidung für oder gegen dieses Modell steht und fällt mit dem Einsatzzweck. Bei Nutzung des vollen Zoombereiches entstehen Probleme, die man bei kleineren Zoomwerten nie hätte - es sind physikalische Probleme nicht unbedingt die der Kamera. Wenn man so einen starken Zoom hat, möchte man ihn natürlich nutzen doch ist es sicherlich bei schlechteren Lichtverhältnissen angebracht, nicht ganz so stark zu zoomen und hinterher lieber am PC zu beschneiden - die Pixelleistung sollte für die meisten Einsatzzwecke ausreichen.
Wer eine unproblematische "Raus-und-drauf-Kamera" möchte, ist mit dieser (wie auch mit jeder Spiegelreflexkamera) nicht so gut beraten.
Auch wenn man bei der Werbung das Gefühl hatte - die Nikon S9100 ist sicherlich (auch) keine eierlegende Wollmilchsau.
Nachtrag am 28.3.2011
Ich habe jetzt diese Kamera ein Woche lang und habe probiert und getestet und optimiert.
Ich erhöhe auf 5 Sterne - denn die S9100 begeistert mich zunehmend.
Eine absolute Kaufempfehlung an ambitionierte Fotografen, die Spaß daran haben, sich mit der Technik auseinanderzusetzen! Die Kamera belohnt dies mit super Bildern.
Die (auch in anderen Rezensionen) angesprochenen Schwächen sind zwar nicht ganz wegzudiskutieren aber beherrsch- und oft umgehbar. Physikalische Grenzsituationen kann dabei auch die S9100 nicht völlig aufheben.
Etwas Ruhe, der Selbstauslöser und etwas Aufstützen erleichtert den Bildstabilisatoren ihre Arbeit. Man darf halt auch nicht vergessen: Alte Regeln der Fotografie besagen, dass man bei 450 mm Zoom 1/450 Sekunde Belichtungszeit braucht, um eine optimale Schärfe zu erhalten.
Diese Kamera muss, bei schlechten Lichtverhältnissen, teilweise mit 1/30 Sekunde auskommen - da sollte man dann zumindest die Kamera ruhig halten und vielleicht auch nicht unbedingt bewegte Ziele fotografieren.
Wenn man dies berücksichtigt, werden die Bilder auch innen scharf! Draussen bei gutem Wetter gibt es sowieso keine Probleme.
Wenn ich an Nikon einen Wunsch äußern könnte, wäre der: noch eine Blenden- und Zeitautomatik.
Ach ja: Meine Bewertung bezieht sich ausschließlich auf die Fotofunktion. Video habe ich bisher nicht benutzt und ich sehe diese Kamera, trotz HD, auch nicht als Ersatz zu meinem Camcorder - ich kann diese Funktion daher nicht kompetent bewerten.