Nachdem eine große deutsche Fotofachzeitschrift ihre Ranglisten überarbeitet und den einstigen Tabellenführer in der Amateurklasse Nikon D80 mit einem siebenten Platz "abgestraft" hat, möchte ich gern Partei für diese erstklassige Kamera ergreifen. Ungeachtet des für mich nicht in allen Punkten nachvollziehbaren Wandels in der Bewertung von digitalen Spiegelreflexkameras habe ich mir zu meinem vierzigsten Geburtstag einen Wunsch erfüllt und mir diese Kamera gekauft. Über meine bisherige Nikon D50 freut sich jetzt eine gute Bekannte, die auf ein paar Nikkor-Objektive aus analogen Zeiten zurückgreifen kann und die jetzt ihre ersten Digitalfotos macht.
Was ist passiert? Das Bewertungssystem wurde der veränderten Situation angepaßt, wobei größerer Wert auf die Ausstattung gelegt wurde. Alle aktuellen Modelle kamen somit nochmals auf den Prüfstand. Damit wird dem Rechnung getragen, daß immer mehr Modelle mit Sensorstabilisierung und Sensorreinigung auf dem Markt erscheinen. Das kann ich nachvollziehen, denn diese nützlichen Extras haben Nikon-Modelle bisher nicht. Was mich aber wirklich ärgerlich macht, ist die plötzlich niedrig bewertete Bildqualität der D80. Noch im Februar dieses Jahres wurde ihr von mehreren Fachzeitschriften eine überragende Bildqualität bescheinigt (Wertung 93), die den ersten Platz in der Amateurwertung auch gegenüber den Modellen mit Sensorstabilisierung und Sensorreinigung rechtfertigte. Eine Fachzeitschrift schrieb sogar, daß sich Nikon mit der D80 Konkurrenz im eigenen Hause mache, da potentielle D200-Käufer auf die D80 umschwenken könnten! Doch nach heutigem Stand fristet sie ihr Dasein im unteren Drittel der Tabelle mit einer gerade mal durchschnittlichen Bildqualität (Wertung 83). Erstaunlich, dieser "Werteverfall" in nur einem guten halben Jahr. Im Falle ihrer Konkurrenten Samsung GX10 (Platz 1) und Pentax K10D (Platz 2) sicherlich berechtigt, da diese beiden neben der beschriebenen Komplettausstattung auch noch mit einem Magnesiumgehäuse aufwarten können, jedoch für mich gänzlich unverständlich im Falle der Sony Alpha100, die trotz 10MP aufgrund ihrer unterdurchschnittlichen Bildqualität und ihres unverstärkten Kunststoffbodys bisher einen Platz am Tabellenende noch hinter diversen 6MP-Modellen belegte. Bleibt noch die Canon EOS400D, die die Nikon D80 aufgrund einer plötzlich höher bewerteten Bildqualität ebenfalls überholt hat, obwohl gerade diese noch im vorhergehenden Test als deutlich niedriger (-5) eingestuft wurde. Für mich persönlich spricht das nicht gerade für die Glaubwürdigkeit dieser Tests. Und schlußendlich haben sich natürlich auch noch die beiden neuen Olympus-Modelle aufgrund der oben genannten Sensorausstattungsmerkmale vor der Nikon D80 positioniert.
Welche Gründe sprechen trotz der Abwertung in der Fachpresse für meine Entscheidung? Erstens: Weil es eine Nikon ist. Da bin ich ehrlich. Ich habe vor Jahren einmal den Wechsel von Canon zu Nikon vollzogen und den Schritt nie bereut. Ich kenne auch niemanden, der den Schritt in die umgekehrte Richtung gemacht hat oder dies überhaupt in Erwägung ziehen würde. Nikon ist professionell und qualitativ konkurrenzlos. Zweitens: Ich habe bereits Nikon-Equipment angesammelt. Da werde ich doch nicht auf eine Marke umsteigen, wo ich mir alles neu kaufen muß (und die nebenbei bemerkt viel weniger Zubehör im Programm hat). Drittens: Ein Magnesiumgehäuse muß bei normaler Nutzung nicht sein. Wer das metallverstärkte Kunststoffgehäuse der D80 schon in der Hand hatte, weiß, daß es daran nichts auszusetzen gibt. Und wenn man ein lichtstarkes Objektiv ansetzt, weiß man die rund 150g Gewichtsvorteil des Gehäuses durchaus zu schätzen. Viertens: Schade um die Sensorreinigung, das gebe ich zu. Allerdings wird diese auch oft überbewertet, wie aktuelle Tests zeigen. Und eine erstklassige Stabilisierung bietet Nikon in vielen hochwertigen Objektiven an. Die sind dann teurer, klar, aber schließlich behält man so ein Objektiv ja auch länger als ein Gehäuse.
Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Eine Spiegelreflexkamera sollte man nicht aufgrund von Testberichten kaufen, sondern sehr gezielt auswählen. Wenn man noch kein Equipment hat und somit nicht markenfixiert ist, sollte man seine Wunschkandidaten zumindest mal in die Hand nehmen, möglichst einmal ausprobieren und vor allem auch einmal das Handling mit einem schwereren Objektiv anstelle des oftmals nicht besonders aussagekräftigen Kitobjektivs testen. Da gibt es schon entscheidende Unterschiede. Nicht jeder mag ein so schweres Gehäuse wie die von Samsung und Pentax, und manch einer ist verblüfft, wenn er die vergleichsweise winzige Canon oder Olympus zum ersten Mal in der Hand hält. Und letztlich fließt vielleicht auch ein wenig das Bauchgefühl in die Entscheidung mit ein.
Ich jedenfalls bin mit meiner Nikon D80 sehr zufrieden. Die Bildqualität kann im Kameramenü gezielt den Anforderungen angepaßt werden, das heißt entweder "gebrauchsfertig" aufbereitet oder aber pur und originalbelassen, um den Feinschliff per Bildbearbeitungssoftware selbst vorzunehmen. Die beiden Einstellräder sind gut zu bedienen und sinnvoll, wenn man über die Automatikprogramme hinaus kreativ sein möchte. Das hat heute auch nicht mehr jede Mittelklassekamera. Ebenso das Statusdisplay, das einigen anderen Amateurmodellen heute schon fehlt. Der Blick durch den Sucher deklassiert die Konkurrenz. Groß, hell und mit einblendbaren Gitterlinien vermittelt er den Eindruck eines Modells aus der Profiklasse. Einen 11-Punkt-Autofokus haben in dieser Klasse außer ihr nur noch die Modelle von Samsung und Pentax. Das Bildrauschen in den höheren ISO-Einstellungen hat sie entschieden besser im Griff als die gesamte Konkurrenz. In punkto Betriebsbereitschaft (Einschalten), Auslöseverzögerung und Bildanzahl pro Akkuladung setzt sie logischerweise (aufgrund der fehlenden Sensorreinigung) Bestmarken, was sie zu einer super Einsatzkamera für alle Fälle macht.
Wer die Kamera im Kit mit dem Nikkor AF-S 18-135 DX kauft, bekommt für rund die Hälfte des normalen Objektivpreises ein gutes Allroundobjektiv dazu, mit dem sich die Kitobjektive der Konkurrenz nicht einmal ansatzweise messen können. Trotz preiswerter Kunststoffbauweise ist es solide und schwergängig, Lichtstärke und optische Leistung entsprechen den Anforderungen des Amateurs. Die Verzeichnung ist akzeptabel, die Vignettierung zwar recht heftig, aber nicht so schlimm wie bei Objektiven von Fremdanbietern mit einem ähnlichen Brennweitenbereich. Wer also noch keine Nikon-Objektive besitzt, kann mit diesem Kit absolut nichts falsch machen. Wer dagegen umfassende Erweiterungsabsichten hat, kann zum Kit mit dem Nikkor AF-S 18-70 DX greifen. Da erhält man ein für die Amateurklasse überdurchschnittlich gutes Weitwinkel- und Standardzoom mit solidem Metallbajonett und Gummidichtung und kann seine Ausrüstung später um das Telezoom AF-S 70-300 VR erweitern. Und letztendlich gibt es ja auch die Möglichkeit, den Body pur zu kaufen. Nikon hat da alle Möglichkeiten berücksichtigt.
Alles in allem fünf Sterne für die Kamera wie auch für die Kits, und mein Rat an alle Kaufinteressenten, bei Unschlüssigkeit unbedingt vorher in diversen Elektronikmärkten die Modelle anschauen, in die Hand nehmen, das Handling mit verschiedenen Objektiven testen und dann entscheiden. Und bitte nicht gleich dem erstbesten Vergleichstest in der Zeitung Glauben schenken!