Die digitalen Kameras sind derzeit technisch so ausgereift und derart preisgünstig, dass man kaum mehr von guten oder schlechten Modellen sprechen kann, sondern lediglich von Geräten, die für bestimmte Zwecke mehr oder weniger gut geeignet sind. Anstatt daher blindwütig Prozentzahlen von Testberichten zu vergleichen oder in das Kreuzfeuer der Grabenkämpfe von Canonisten und Nikonianern zu geraten, sollte man sich beim Kauf einer Kamera vielmehr ehrlich Rechenschaft darüber ablegen, wofür man die Kamera eigentlich benötigt. Nikon und Canon sind bekannt für das große Angebot an hochwertigem Zubehör. Wenn man sich für ein derartiges System entscheidet, kann man sich langsam auch zu einem semiprofessionellen oder professionellen Fotografen entwickeln, ohne das System wechseln zu müssen.
In den meisten Fällen werden jedoch nicht mehr als zwei, drei Standartobjektive gekauft, und in diesem Fall sollte sich der Käufer wirklich überlegen, ob nicht andere Firmen wie Pentax oder Olympus ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Soll es unbedingt Nikon sein, dann ist gründlich abzuwägen, ob die wesentlich (!!) günstigeren kleineren Modell D40, D40x oder D60 nicht die bessere Wahl sind. Wenn man mit Vollautomatiken/Motivautomatiken zufrieden ist und nicht viel Zeit für Bildbearbeitung hat, wird man mit diesen Kameras für einen kleineren Preis definitiv gleichwertige, wenn nicht bessere (!!) Resultate als mit der D80 erzielen. Und man kann sich für die Preisdifferenz noch ein weiteres Objektiv kaufen! Falls die sehr kleine und leichte D40 nicht gut in der Hand liegt, kann man Sie um einen Batteriegriff ergänzen, an dem auch für größere Hände Platz genug ist. Es ist eine traurige Verschwendung, die D80 zu erwerben und dann jahrelang nur mit dem beigelegten Standartzoom zu knipsen.
Und für wen empfiehlt sich die D80? Definitiv für Leute, die Zeit, Geduld und Geld in die Fotografie investieren wollen. Sie ist mit mehr Objektiven kompatibel als die D40/D60 und verfügt über mehr und praktischere Einstellungsmöglichkeiten. Wenn Sie gerne selbst Parameter wie Blende, Weißabgleich, ISO etc. einstellen, wenn Sie Bilder gerne nachbearbeiten und sich auch mit den technischen Hintergründen der Fotografie beschäftigen (wenn also RAW und HDR keine Fremdwörter für Sie sind), ist die D80 das richtige Modell für sie. Es ist optimal, um unterschiedliche Einstellungen auszuprobieren, zu experimentieren, vielleicht den Schritt von der Amateur- zur semiprofessionellen Fotografie zu tun. Es ist eine Kamera für Neugierige und Lernende!
Die allgemeinen Vorzüge und Nachteile, die in den anderen Beiträgen aufgelistet wurden, kann ich aus meiner Erfahrung bestätigen: Hervorragende Ergonomie, sehr durchdachte Bedienung, sehr gute Bildqualität, die aber heutzutage schon fast normal ist (wie bei Nikon üblich etwas kräftige Farben), weit besserer Sucher als andere Modelle in dieser Klasse - ein in Testergebnissen meist sträflich vernachlässigter Faktor. Die nicht selten geschilderten Probleme mit der Matrix-Belichtungsmessung hatte ich noch nicht. Ein wirklich negativer Faktor ist jedoch, dass leistungsfähige Programme zur Bildbearbeitung zusätzlich erworben werden müssten.
Das Kit mit dem 18-55 (entspricht 27-77,5) VR ist ein echtes Schnäppchen! Die Qualität des Objektivs ist in Ordnung und nicht wesentlich schlechter als die der anderen Kit-Objektiven, die jedoch nicht über den praktischen Verwacklungsschutz verfügen und darüber hinaus unverhältnismäßig viel teurer sind! Man sollte mit diesem Objektiv anfangen, und je nach Bedarf ein Teleobjektiv, Makroobjektiv o.ä. dazu kaufen. Später kann man auf die sehr viel besseren und teureren lichtstarken Zoomobjektive und/oder Festbrennweiten umsteigen.