Hallo,
Nikon ist mit der P300 eine kleines Schmuckstück gelungen - das gilt für das Design wie für die Leistung. Ich zähle die Nikon bereits zu den Edel-Minis.
Design:
Die P300 ist klassich kantig, kommt im Materialmix daher. UPDATE: Das Vorderteil und der Objektivring sind aus Metall, obere Platte und das Rückenteil sind aus Kunststoff aber hochwertig.
Haptik/Handling:
Durch die matte und metallische Oberfläche fühlt sich die Kamera sehr gut und sehr wertig an. Das etwas erhöhte Gewicht tut sein übriges dazu, Qualität zu vermitteln. Die Bedienelemente sind dort, wo ich sie erwarte.
Die Griffhilfe auf der Vorderseite unter dem Nikon-Schriftzug ist haptisch gesehen hilfreich, hätte für meinen Geschmack aber noch deutlicher ausfallen können. Was vielleicht nicht deutlich zu sehen ist: Es ist eine Gummierung in der Griffhalte angebracht, im übrigen auch auf der Rückseite für den Daumen.
Alle Schalter haben einen sauberen Druckpunkt, die oberen beiden Drehräder gehen etwas schwer, rasten aber sauber - qualitativ guter Eindruck.
Bedienung:
Die Bedienelemente der Grundfunktionen sind einfach und übersichtlich gestaltet. Das Haupteinstellrad auf der Oberseite trägt eine Menge dazu bei, um nicht zu oft ins Menü zu müssen. Ich bin einer von denjenigen, die relativ oft zwischen Programm-, Zeit- und Blendenautomatik wechseln. Zur Wiedergabe der bereits gemachten Bilder muss die Kamera nicht komplett eingeschaltet werden. Das ist aber zumindest bei Nikon heute Standard. Oben auf der rechten Seite befindet sich ein zweites Einstellrad, mit dem dann innerhalb der verwendeten Funktion einfach, geschickt und vor allem griffig weitere notwendige Funtionen regeln lassen. Einfaches Beispiel: Bei Blendenautomatik (S) oder im manuellen Modus (M) wird nun über dieses Rad Belichtungszeit eingestellt.
Auf der Rückseite befindet sich auch ein Rändelrad(ring). Damit kann man auch vor- und zurück (bzw. je nach Funktion: hoch und runter), sehr praktisch.
Bei Zeitautomatik (A) bzw. manueller Belichtung (M) wird nun über dieses Rad die Blende geregelt. Übrigens: Blenden- und Zeitwerteskalen werden beim Drehen der Räder im Display eingeblendet - sehr übersichtlich.
Schön, dass sich das hintere Rändelrad und die damit verbindene Funktion endlich auch in den preiswerteren Kameras durchsetzt.
Blitz (update):
Braucht man den Blitz, muss man ihn manuell (!) ausklappen. Die Kamera weist einen sehr höflich darauf hin, was zu tun ist aber nur dann, wenn die Blitzeinstellung zum Beispiel auf Automatik steht. Will man nun nicht blitzen muss der Blitz ausgeklappt werden, die Blitzeinstellung auf "aus" und danach muss man den Blitz wieder einklappen, bevor man das Bild ohne Blitz machen kann. Wie "Martin" im ersten Kommentar hinweist, geht es geschickter: Die Blitzeinstellung auf "aus". Möchte oder muss man nun blitzen, einfach den Blitz manuell ausfahren und es wird Blitzen, wieder einklappen und es bltzt eben nicht. So rum ist es für mich angenehmer, nachdem ich selten ein Freund des Fremdlichts bin.
Der Blitz der P300 ist in seiner Leistung um +/- 2 Blendenstufen regelbar und reicht für Entfernungen bis 6-7 Meter durchaus aus - immerhin! Ein Vorteil des lichtstarken Objektivs. Einen Blitzschuh für externe Blitzgeräte sucht man leider vergebens (dann zur P7000 greifen).
Display:
groß, hell, kontratreich und fein auflösend - es ist ein LCD (leider kein AMOLED) aber immerhin - mehr ist mit dieser Technik heute nicht rauszuholen.
Deutlich besser als jedes 230-tausender Display! Das Display-Glas ist sogar vergütet, der violette Schimmer ist DER Hinweis dafür. Nachteil: Die Fingertapser werden noch mehr sichtbar, falls sie mal drauf sind.
Sehr gut: es können Hilfslinien eingeblendet werden, um den Horizont "einzupegeln" oder Architekturaufnahmen sauber auszurichten.
Menü:
Das erste große Reizthema sind die Menüs. Ich als Nikon-Fan finde es klasse. Für mich ist es einfach und übersichtlich - ganz ähnlich z.B. zur Nikon S8000. Alles wichtige kann eingestellt werden, mehr brauchst es ganz bestimmt für so eine Kamera nicht.
Bildqualitäten:
12 MP - Kamera bedeutet: Maximal 4000x3000 Pixel sind einstellbar, kein RAW-Format möglich aber im bei der höchst-möglichen Einstellung eine wenig komprimiertes JPEG. Video im Full-HD-Modus möglich, ebenfalls mit einer Einstellung um wenig komprimieren zu müssen.
Abbildungsleistung:
Eine Anfangsblendenöffnung von 1.8 ist eine Ansage, zumal für den Kampfpreis. Was hilft es aber, wenn die Abbildungsleistung derart schlecht wird bei offner Blende, dass man gezwungen wird abzublenden? Seien Sie beruhigt - es funktioniert - mit guten bis sehr guten Ergebnissen. Das lichtstarke Objektiv bringt die von mir in dieser Preisklasse erwarteten Leistungen - klar bei Blende 1.8 darf man auch keine Wunder erwarten.
Wer sich nicht so gut auskennt: Hohe Lichstärke bedeutet auch immer Nachteile, die Objektive können bei offener Blende dazu neigen, flau zu werden, der Kontrast wird schlechter. Die Geometrie im Linsenaufbau im Inneren des Objektivs und vor allem die Zentrierung der Linsen wird schwieriger. Und - solche Objektive neigen zum Überstrahlen.
Insgesamt bin ich mit der Abbildungsleistung sehr zufrieden, da habe ich schon deutlich schlechteres gesehen.
Bildschärfe/-kontrast:
Das Objektiv zeichnet für diese Klasse gut bis sehr gut scharf bei noch hohem Kontrast im gesamten Zoombereich, allerdings hat es eine ungewöhnliche Charakteristik.
Details:
Bei 24 mm ist die Bildmitte etwas weniger scharf als bei 100 mm. Die Abbildung wirkt etwas "flächiger".
In den Bildecken ist der Effekt genau umgekehrt, bedeutet, bei 24mm sind die Bildecken schon einen deutlichen Tick schärfer als bei 100 mm.
Grundsätzlich ist die Schärfeleistung am langen Ende immer etwas schlechter, so auch der Kontrast. Der Kontrast bleibt hier aber über den gesamten Zoombereich relativ konstant.
Die Schärfeleistung ist übrigens erstaunlich gut im Makrobereich (siehe dazu meine eingestellten Bilder).
Farben:
Nikon-typische Farben, etwas "light", nicht so "knackig" wie bei anderen Herstellern - dafür sind die Farben nicht übersättigt. Also kein "Vivid-Colour" oder "Velvia"-Effekt, neutral würde ich sagen, z.B. ohne den berühmten knall-blauen Postkartenhimmel. Die Kamera greift nicht selbst in die Farbgestaltung ein. Der Weißabgleich funktioniert erstaunlich zuverlässig im Automatikmodus (siehe Bild in Galerie).
Verzeichnung:
Die Verzeichnung ist gering (siehe Bildbeispiel bei 24 mm) und optisch richtig. Ein Bildbeispiel für 100 mmm Brennweite habe ich keines hochgeladen. Der grund ist so simpel wie einfach: Am lange Ende verzeichnet das Objektiv nicht, zumindest sehe ich nix :-) Prima!
Zentrierung:
Das Objektiv meiner Kamera ist sehr gut zentriert. Alle Ecken sind jeweils im selben aussagekräftigen Bild über alle Brennweiten in etwa gleich scharf. Die Unterschiede sind marginal in der Praxis.
Überstrahlung:
Das Objektiv überstrahlt zwar, Lichtsäume an hoch-kontrastreichen Stellen werden sichtbar. Als Gegenbeispiel nenne ich aber mal die Nikon S8000. Hier sind schon bei Tageslicht die Lichtsäume viel deutlicher sichtbar, erst recht bei Nachtaufnahmen. Könnte bei der P300 zwar auch noch einen Tick besser sein ist aber noch weit vom K.O. entfernt.
Bildrauschen:
... ist bei ISO 800 noch als moderat zu bezeichnen aber sichtbar - der kleine Bildsensor macht sich leider doch bemerkbar aber andererseits hab' ich auch schon deutlich schlechteres gesehen. Siehe Bilder in der Galerie (incl. Vergleich ISO 200, 800, 3200). Insgesamt befriedigend bis gut.
Autofokus- und Aulösegeschwindigkeit:
Wow - das ist richtig gut. Das geht alles richtig zügig, da ist meine alte SAMSUNG NV11 'ne Schlaftablette dagegen. Das AF-Hilfslicht arbeitet bei wirklich schlechten Lichtverhältnissen selbst in 5m Entfernung noch sehr zuverlässig (4 von 5 mal erfolgreich dargestellt)
Blendenwerte:
leider sind nur Blendenwerte bis Blende 8 möglich. Schade eigentlich, Blende 16 wäre 'ne Wucht gewesen.
manuelle Korrekturen (während der Aufnahme):
Belichtung +/- 2 Blendenstufen, Blitzleistung +/- 2 Blendenstufen, Farbsättigung, Farbtemperatur (rot->blau)
Videomodus:
Noch nicht ausprobiert.
Zubehör:
USB-Netzteil ist vorhanden, Ladegerät keines. Alle üblichen Kabel sind da, ausführliches Handbuch und Nikon-Picture-Viewer Software gibts auf CD. Tasche - leider auch bei so einem edlen Teil: Fehlanzeige.
sonstiges:
Stativgewinde an Board - aus Metall - mittig angeordnet. Batteriefachdeckel schließt fest (wenn das zu leicht geht wird's echt ärgerlich).
Der Mikro-USB-Anschluss auf der Kameraunterseite wird hinter einem Gummideckelchen versteckt und ist damit staubgeschützt.
Fazit:
Ich kann und will nicht meckern. Für das Kamerakonzept
- kleine, handliche Kamera
- kleiner Bildsensor und daher kompakte Bauweise
- lichtstarkes Objektiv
- wenig Zoom
- geringer Preis
ist die Kamera mehr als gelungen. Meckern kann man immer - das wissen wir alle, wäre aber in diesem Fall unfair.
Warum ist ganz einfach: Ich finde nicht mal eine wirklich nennenswerte Schwäche.
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