Seit gestern habe ich sie endlich! Knapp 200 Fotos und der neue Besitzerstolz reichen natürlich noch nicht, um eine seriöse Bewertung abzugeben, - aber vielleicht interessiert der erste Eindruck.
Wer die Coolpix P90 zum ersten Mal in die Hand nimmt, fühlt sich an die Lumix FZ28 erinnert. Etwas größer und etwas schwerer, aber optisch und haptisch genauso solide und wertig wie ihre renommierte "Schwester" von Panasonic. Wegen des breiteren Objektivs ist sie nicht ganz so griffig, aber trotzdem liegt sie gut in der Hand. Das Gehäuse ist sauber verarbeitet und beweist, dass sich Kunststoff nicht wie "Plastik" anfühlen muss. Die Anordnung der Tasten und Räder halte ich für bedienfreundlicher und aufgeräumter als bei der Konkurrenz. Die Menüstruktur ist klar und übersichtlich, und die Daten sind sehr gut ablesbar.
Was natürlich sofort auffällt, ist das "riesengroße" ausklappbare Display. Normalerweise benutze ich lieber den Sucher, aber dieser "Bildschirm" hat mich auf Anhieb überzeugt. Selbst bei großer Umgebungshelligkeit liefert er ein kontrastreiches Bild. Da der Monitor praktisch die ganze Rückseite einnimmt, sind Fingerabdrücke nicht zu vermeiden, aber dank der widerstandsfähigen Beschichtung lassen sie sich leicht beseitigen. Es wäre eine "Sünde", wenn man diesen brillanten Bildschirm mit dem "Grauschleier" einer Display-Schutzfolie vernebeln würde!
Beeindruckend ist der gigantische Zoombereich. Das kurze kompakte Objektiv bildet im Weitwinkel einen größeren Bereich ab als das menschliche Auge erfassen kann. Gleichzeitig zoomt es zu einem echten "Fernrohr", wobei die Kamera bei ausgefahrenem Tubus auf eine stattliche Gesamtlänge von 17 cm anwächst.
Nie hätte ich gedacht, dass man jenseits von 500mm noch aus der Hand fotografieren kann! Aber die Coolpix P90 hält das Bild wirklich "stabil", und man kann hören, wie die Gegenschwingung im Inneren der Kamera die Erschütterungen ausgleicht. Also eine "echte" Bildstabilisierung - und nicht der bei vielen Kameras übliche digitale "Verwacklungsschutz", bei dem nur der ISO-Wert erhöht wird (um eine kürzere Aufnahmezeit zu ermöglichen)!
Bei den Motivprogrammen hat mich neben den heute üblichen Standards besonders "Dokumentkopie" überzeugt. Nützlich finde ich das Programm "Museum", mit dem sich auch eine kirchliche Trauung "blitzfrei" ins rechte Bild setzen lässt. Das Aufnehmen von Sprachnotizen zu einzelnen Bildern werde ich demnächst im Urlaub sicherlich nutzen.
Genial einfach ist die Programmverschiebung (Shiften!) mit dem griffigen Einstellrad. Das ersetzt praktisch die S-Automatik und die A-Automatik und eröffnet viele Gestaltungsmöglichkeiten, ohne dass man das Programm wechseln muss.
Richtig Spaß macht es, Bildserien zu schießen, wobei man in seiner Begeisterung über den Highspeed-Modus allerdings nicht vergessen sollte, dass man sehr schnell in einen "berauschenden" ISO-Bereich abdriftet.
Schade, dass der Akku-Ladestand erst eingeblendet wird, wenn der Akku schon fast leer ist! Das kann die Konkurrenz besser. Auch das Zoomen geht mit der P90 leider nicht so flüssig und präzise wie mit der FZ28. Dass man bei einigen Standardeinstellungen den Umweg übers Menü nehmen muss, ist ebenfalls nicht als "Fortschritt" zu werten. Außerdem frage ich mich, wie (und ob überhaupt?) man auf diesem Objektiv eine Gegenlichtblende anbringen soll. Im P90-Zubehör wird interessanterweise kein Sonnenschutz angeboten.
Eindeutige Pluspunkte der P90 sind:
- der enorme Zoom-Bereich
- das große Display
- die gute Bildstabilisierung.
Dass die P90 auch alles Andere besser kann als die Konkurrenz, kann ich (noch?) nicht erkennen. Aber nach kritischer Betrachtung der ersten Ergebnisse habe ich den Eindruck, dass die Kamera mit der Tatsache, dass sich jetzt stolze 12 Mill. Pixel auf dem winzigen Bildsensor drängeln, ganz gut zurechtkommt.
Die Kamera hat was! Sie hat alles, was ich brauche - und einiges mehr!
Ich finde, dass die Coolpix P90 das Potenzial für 5 Sterne hat.
Leichtfertige Vorschusslorbeeren? - Ich hoffe, dass die Kamera im Alltag hält, was sie (bisher!) verspricht.