Nach langem Suchen im Internet auf den einschlägigen Seiten, Studium vieler Testberichte und der Kundenmeinungen zu der Nikon L110 habe ich die Kamera schließlich bestellt. Die Lieferung kam von einem externen Händler, traf aber in wenigen Tagen mit Originalverpackung und Umkarton unbeschädigt ein.
Entscheidungskriterien waren für mich die Stromversorgung mit herkömmlichen AA-Batterien - bzw. ich verwende immer die Energizer-Lithium-Zellen (welche neuerdings nochmal 20 Stunden länger halten) - und der manuell ausklappbare Blitz. Das geht schneller als erst umständlich Brille hervorkramen, aufsetzen und im Menü herumkramen, um den Blitz zu aktivieren/deaktivieren.
Ich hatte eine Woche Zeit zum Üben bis zu meinem Urlaub, wo sie sich bewähren musste. Dass keine gedruckte Anleitung beiliegt, hat mich jetzt nicht sonderlich gestört, die vorhandenen Automatik-Programme sind weitgehend selbsterklärend und die wenigen Knöpfchen sind intuitiv bedienbar.
Begeistert hat mich gleich der große 3-Zoll Bildschirm. Das Handling der Nikon L110 war allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Zu schnell landete einer meiner Finger auf einem der Knöpfchen und die eben ausgeschaltete Kamera war schon wieder an. Sonst liegt die Kamera gut in der Hand und lässt sich auch einhändig bedienen - Rechtshänder sind hier klar im Vorteil...
Das große, licht- und leistungsstarke Objektiv hat halt keinen automatisch schließenden Deckel, so vergaß ich oft, den Schutzdeckel abzunehmen, bis ich diesen dann endgültig im Rucksack ließ. Ich musste dann zwar etwas vorsichtiger sein, um die Linse nicht zu verschmutzen oder gar zu beschädigen, doch das klappte letztlich ganz gut.
Hin und weg war ich von den Aufnahmen mit dem starken Zoom in Verbindung mit den Bildstabilisatoren. Keine Kamera, die ich vorher hatte, war bei solchen Brennweiten ohne Stativ ausgekommen. Selbst im Inneren einer recht düster beleuchteten Kirche gelangen mit ruhiger Hand noch scharfe Aufnahmen ohne Blitz. Dennoch ist es ratsam bei solchen Aufnahmen ein Stativ einzusetzen, besonders bei lichtschwächeren Motiven.
Der Verwacklungsschutz lieferte auch aus dem fahrenden Autobus oder dem schwankenden Boot heraus gute Aufnahmen.
Die Weitwinkel-Einstellung ist auch besser als bei meiner alten Kamera (Fuji Finepix E550) und arbeitet für meine Anforderungen gut genug. Profis mögen vielleicht in den Randbereichen leichte Unschärfen bemerken.
Die dazubestellte 8GB Mini-SD Karte stellte genug Speicherplatz zur Verfügung, zumal ich mit max. 3 M-Pixel fotografiere, das reicht mir allemal. Nur in sehr seltenen Fällen verwende ich höhere Auflösungen. Nach ca. 750 Bildern - teils mit Blitz - waren die beigelegten Lithium-Batterien dann endlich leer... Seitdem habe ich neue drin und werde wahrscheinlich erst nächstes Jahr wieder frische Batterien brauchen.
Das Auslösen und Speichern ist eine Spur langsamer als ich es von meiner alten Cam gewohnt war, aber durchaus noch OK.
Die Video-Aufnahmen sind auch alle gut geworden. Über die Tonqualität kann ich nichts sagen, da ich nur bei ziemlich starkem Wind aufgenommen habe und der Ton ohnehin nicht wichtig war (Die Wale und Delfine haben nichts Wichtiges von sich gegeben).
Warum nur 4 Sterne?
- Meine Fuji-Finepix E550 war beim Einschalten viel schneller "schussbereit" - die Nikon L110 braucht gute 2..3 Sekunden, ist damit als Schnappschusskamera nicht geeignet.
- Der Objektivschutzdeckel ist ein weiteres Hindernis zur "Schussbereitschaft", baumelt störend irgendwo herum (bis er im Rucksack oder sonst wo landet).
- Im Vergleich zu meiner alten DigiCam kann ich die Nikon nicht mehr in einer flachen Gürtel-Clip-Tasche tragen. So habe ich entweder den (leichten) Mühlstein wieder um den Hals, wie zu Spiegelreflex-Zeiten, oder eine doch etwas größere Fototasche an der Schulter baumeln. Doch eine so gute Optik, die 4 Stk. AA-Batterien und dann noch so klein und schnuckelig wie ein Visitenkarten-Etui geht halt nicht.
Ich bin jedenfalls mit der Nikon L110 sehr zufrieden und würde diese Kamera auch weiterempfehlen. Eine gute Wahl!