Was habe ich nicht alles ausprobiert. Bei NX2 bin ich hängengeblieben. Angefangen habe ich mit Photoshop 4 und 5. Ich hatte außerdem ImageReady und Photshop Elements. Dann auch noch Capture One in den Versionen 4 bis 6 und die Demo von DxO Optics Pro 6.
Entweder war mir der Schwerpunkt zu deutlich auf der Bildbearbeitung oder bei den späteren Produkten auf der Entwicklung von RAW-Dateien. Ich will nicht stundenlang vor einem Bild sitzen und Bit für Bit bearbeiten. Lieber verbringe ich die Zeit hinter der Kamera und beschränke mich vor dem PC auf notwendige "Optmierungen". Dafür bietet NX2 so mächtige Werkzeuge wie den Auto-Retuschepinsel oder die Farbkontrollpunkte, mit denen sich schnell das Himmelsblau selbst durch ein Blätterdach hindurch bearbeiten lässt.
Ins Auge sticht bei der Beschäftigung mit NX2 zunächst das NEF-Dateiformat, das ebenso die Bearbeitungsschritte speichert. Die Dateigröße erhöht sich dabei nicht wesentlich und gewährleistet eine einfache Archivierung auf CD/DVD ohne separate Bearbeitungsdateien, die doch nur durch einen dummen Anwender wie mich verloren gehen ...
NEF-Dateien werden von einer entsprechenden Nikon-Kamera erzeugt und enthalten dann auch die RAW-Daten mit wichtigen Kamerainformationen. Vorteil gegenüber anderen Formaten mit RAW-Daten: In NEF-Dateien kann ein Vorschaubild für den Datei Explorer integriert werden, was das schnelle Sichten der Bildbestände auf dem PC gestattet.
NX2 ermöglicht aber auch die Bearbeitung von JPEG (und TIFF), falls auf der Nikon-Kamera nicht im RAW-Format gearbeitet wurde oder die Bilder von Kameras anderer Hersteller stammen, was einen einheitlichen Workflow mit Fremdprodukten gewährleistet. Wesentliche Funktionen zur Bildbearbeitung, z.B. D-Lighting zur automatischen Optimierung des Kontrastumfangs, funktionieren aber auch dann noch mit brauchbaren Resultaten. JPEG- und TIFF-Dateien lassen sich auch im NEF-Format speichern. Natürlich steht dann nicht die Fülle an Informationen zur Verfügung wie bei einer Datei mit RAW-Daten von der Kamera, z.B. für einen nachträglichen Weißabgleich. Dafür bleibt aber die Kette der Bearbeitungsschritte erhalten, in die jederzeit wieder beliebig eingegriffen werden kann.
Niemand liest gerne Handbücher. Viele Funktionen sind intuitiv erlernbar. Neben dem gut illustrierten Handbuch gibt es eine fundierte Schnellstartanleitung. Mehr ist nicht nötig. Schon gar nicht ein zusätzliches Fachbuch. Ich habe das Gefühl, mit 10 Prozent der Funktionen sind 90 Prozent der durchzuführenden Arbeiten abgedeckt. Sicherlich gibt es spezielle Werkzeuge, um eine optimale Kontrolle bis ins letzte Detail zu erhalen. Für meine tägliche Arbeit ist das aber unwesentlich. Tonwertkurven können beispielsweise direkt manipuliert werden. Alternativ existieren aber auch effektive Filter, um mit einem einfachen Schieberegler Lichter, Schatten, Kontrast, Sättigung usw. zu kontrollieren. Da hier ein Bild im RAW-Format nachträglich um zwei Belichtungsstufen nach unten oder oben korrigiert werden kann, lässt sich zum Beispiel über die Regler für "Lichter" und "Schatten" auch ohne Belichtungsreihe mit einem einzigen (!) Bild sehr gut HDR-Fotografie realisieren. Unglaublich, wie sich Details in Bildern mit augenscheinlich zu hohem Kontrastumfang wieder zum Vorschein bringen lassen. Man denke nur an Aufnahmen ohne Blitzlicht in einer Kirche.
Schnell ist ein individueller Arbeitsstil nach den eigenen Vorlieben gefunden. Natürlich gibt es immer wieder die Möglichkeit, ein Ziel über mehrere Wege zu erreichen. Gut so. Wer seinen gefunden hat, braucht nicht mehr zu experimentieren. Es sei denn, es gilt dauerhaft den Spieltrieb zu befriedigen.
Und die Geschwindigkeit? Das Upgrade von NX2 Version 2.6 auf 2.7 bringt einen spürbaren Zuwachs an Performance. Mir reicht ein Pentium 4 mit 3 GHz, 1 GB RAM und Windows XP. Nebenbei bemerkt läuft das Programm seit Monaten stabil.
Über die Preisgestaltung lässt sich trefflich streiten. Sicherlich hat auch Nikon Lizenzgebühren für die enthaltenen Module zu zahlen. Einfach jeder Kamera eine Kopie beizulegen würde nur den Preis der Kamera in die Höhe treiben. So kann jeder selber entscheiden, ob er das Produkt kaufen möchte oder nicht. Spätestens bei der zweiten Kamera von Nikon wäre das dann wohl ohnehin nicht mehr der Fall.
Mein Tipp: Unbedingt die Demos unterschiedlicher Bildbearbeitungsprogramme ausprobieren. Dann nach persönlichem Schwerpunkt und Arbeitsstil für ein Produkt entscheiden.