Habe das Nikon AF-S Zoom 70-300 mm 1:4,5 - 5,6 VR zum Kauf meiner Nikon D 90 dazugegönnt.
Vom ersten Foto an hat mich dieses Objektiv überzeugt und nur wenige Schwächen aufgezeigt.
Im Einzelnen
Verarbeitung:
Geliefert wurde es in einem separaten Beutel und Gegenlichtblende. Die Verarbeitung ist anständig, wobei große Teile aus Kunststoff gefertigt sind. Dennoch, es wirkt solide, die Haptik stimmt soweit. Das Metallbajonett ist wertig und wird zahllose Wechsel überstehen. Das Objektiv selbst ist recht kompakt (145 mm lang) und ca. 745 Gramm schwer. Ein Stativfuß (Stativaufnahme wie sie bei größeren Objektiven Standart ist) wäre sinnvoll bzw. wünschenswert gewesen, aber o.k. es funktioniert auch ohne ganz gut.
4 Sterne für die recht gute Verarbeitung.
Funktion:
Der Autofokus arbeitet, leise, schnell und zielsicher. Nachjustage ist so gut wie nie notwendig. Der integrierte Bildstabilisator (VR mit zwei Funktionen, "normal" und "active") schafft Verwacklungen nachhaltig auszugleichen, hin und wieder können aber die beweglichen Linsengruppen leicht klappern. Grundsätzlich steigt bei Verwendung diesen Objektives im Freihandbetrieb deutlich die Gefahr von Bewegungsunschärfen, insoweit ist ein Stativ von Vorteil. Nachteilig fällt der beim Zoomen sehr stark herausfahrende Tubus aus Plastik auf, welcher die Baulänge fast verdoppelt. Ein "kürzerer" Zoom-Weg ist für diesen Preis ehrlicherweise jedoch kaum umsetzbar. Die Naheinstellgrenze von gut 150 cm ist gerade noch ok, es ist eben kein Makro-Objektiv. Glücklicherweise dreht sich die Frontlinse beim Fokkussieren nicht mit, was für den Filtereinsatz (67 mm) von Vorteil ist. In der Summe gute 3 Sterne.
Abbildungsleistungen - unter Beachtung des Cropfaktors:
Mit einem Wort: für den Preis fantastisch.
Die Schärfe ist unabhängig der gewählten Blendeneinstellung durchweg gut und nimmt mit Abblenden deutlich zu. Die Schärfe fällt zu den Rändern nur leicht ab. Die Schärfeleistung ist im 70 mm Brennweitenbereich bis in die Ecken exzellent, bei max. Zoom im 300er Bereich fällt sie etwas ab, doch das Zentrum bleibt knackscharf - wirklich eine gute Leistung. Das Bokeh ist bei kleiner (offener) Blende harmonisch und kraftig, fast schon ein Novum bei Zoom-Objektiven! Die Meinungen darüber gehen aber auseinander. Üblicherweise werden richtig gute Bokeh`s nur von Festbrennweiten erzeugt.
Randabschattungen (Vignettierungen) konnte ich keine ausmachen. Auch Verzeichnungen im jeweiligen Brennweitenbereich fallen weniger in`s Gewicht, Grund der sogenannte Cropfaktor (Faktor um den das Bild zum Klienbildformat "beschnitten" ist). Verzeichnungen sind bei diesem Zoom sowieso kein echtes Thema. Mit viel Phantasie kann man bei Architekturaufnahmen im 70 mm Bereich eine winzige "Tonne" ausmachen und im 300 mm Bereich vielleicht ein "Kissen" erkennen, aber ehrlich, man sieht sie einfach nicht auf den ersten Blick - was für mich auch ein Hauptgrund für den Kauf darstellte. Konkurrenten (auch aus dem Hause Nikon) verzeichnen dagegen zum Teil heftig.
Durch den Cropfaktor (auch Formatfaktor genannt) wird grundsätzlich nur ein Bildausschnitt des Gesamtbildes, welches das Objektiv abbilden kann, bezogen auf den Bildsensor, wiedergeben. Dies bedeutet, dass Randverzeichnungen und -abschattungen im Gegensatz zum Kleinbild und/oder Vollvormat nur eine untergeordnete Rolle spielen, weil diese einfach nicht mehr vom kleineren Sensor (APS-C) erfasst werden. Es gibt insoweit auch spezielle Objektive für APS-C Kameras (bei Nikon als DX gekennzeichnet), bei denen die Optik speziell für diese (kleinere) Sensorengröße errechnet wurden. Der Bildsensor vieler digitaler Spiegelreflexkameras ist um den Faktor 1,5 bis 1,6 kleiner als das gewohnte Kleinbildformat. Das vorliegende Objektiv ist für Vollformat- (also Kleinbild)kameras gerechnet, kann aber problemlos an DX-Sensoren verwendet werden. Reine DX-Objektive sollten dagegen nicht mit Vollformatsensorkameras kombiniert werden. Von daher errechnet sich nach dem Cropfaktor für dieses Objektiv an einer D 90 (APS- /DX = Cropf. 1,5) statt einer 70-300 mm Brennweite, bezogen auf die definierte Kleinbildgröße, eine "105 - 450 mm" Brennweite. Ein schwieriges Thema ich weiß...
Chromatische Aberration (Farbsäume, oft in blau) werden lediglich bei Vergrößerungen (ab A 4) sichtbar und auch nur dann, wenn helle Linien auf dunkle Hintergründe treffen, im Prinzip sind diese aber mit bloßem Auge auf normalen Fotovergrößerungen nicht erkennbar. Soweit ganz ok, aber keine Spitzenklasse.
Meine, mit diesem Objektiv, gewonnenen Aufnahmen sind einfach nur fantastisch, ich bin sehr zurfieden, von daher 5 Sterne für die gebotene Abbildungsleistungen.
Preis-Leistung-Verhältnis: Eine derart gute optische Abbildungsleistung zum angebotenen Preis können ebenfalls nur 5 Sterne ergeben.
End-Fazit:
Ein erstklassiges 4 Sterne Objektiv (Gesamtwertung 4,25), welches durch seine fantastische Schärfe, hohe Farbneutralität und sehr geringe Verzeichnung besticht und zudem einen enormen Tele-Zoombereich abdeckt. Für den angebotenen Preis und Verarbeitung eine echte Alternative zu seinen lichtstarken Vertretern. Für Hobbyfotografen und Semiprofis dürfte dieses Objektiv erste Wahl sein, mehr braucht man nicht. Profis werden wohl eher zum erstklassigen Nikon AF-S Nikkor 70-200mm 1:2,8G ED VR II greifen, was in Sachen Verarbeitung, Schärfe, Lichtstärke und Verzeichnungen etc. dem Ganzen die Krone aufsetzt, aber eben zum 4-fachen des Preises (ca. 2.000 ¤).
Von daher, Kaufen!